Wann machen Trendfolger Sinn?

Es wird oft argumentiert, dass Trendfolge-Fonds „long volatility“ sind – ein Großteil der Outperformance käme dann in einer Baisse zustande. Wir haben den Test gemacht.

Gordon Rose 10.01.2013

In unserem Artikel „Schwimmen nur tote Fische mit dem Strom?“ haben wir ein einfaches Trendfolgemodell auf den DAX konstruiert, das den Referenzindex seit 1970 um 2,7% pro Jahr outperformen konnte. Zudem konnten wir feststellen, dass das Trendfolgemodell speziell seit dem Platzen der Technologieblase erheblichen Mehrwert schaffen konnte. Trendfolger profitieren insbesondere über längere Marktzyklen hinweg, wie wir sie seit der Jahrhundertwende kennen. Oft wird daher auch argumentiert, dass Trendfolger quasi „long volatility“ sind – ein Großteil der Outperformance käme also in einer Baisse zustande.

Um die Aussagekraft der These zu überprüfen, werden wir nun verschiedene Marktphasen unseres Modells untersuchen. Von August 1975 bis Januar 1983 hatten wir, bei einer rollenden 3-Jahresvolatilität von unter 12%, einen Abschnitt mit geringer Volatilität. Von März 1998 bis August 2005 lag die Volatilität bei 25%. Wir nehmen diese Zeitfenster als Referenz für eine Marktphase mit geringer bzw. für eine Marktphase mit hoher Volatilität.

Trendfolge in Zeiten geringer Volatilität
Die untenstehende Graphik verdeutlicht, dass Trendfolgemodelle auch in Märkten mit geringer Volatilität Mehrwert schaffen können.

Von August 1975 bis Januar 1983 erzielte das Trendfolgemodell eine Rendite von -0,6% pro Jahr, bei einer Volatilität von 7,8%. Zum Vergleich verlor der DAX 1,1% pro Jahr und wies dabei eine Volatilität von 11,6% auf.
Investoren sollten jedoch Trendfolgemodelle in Bezug auf den Anlagezeitraum und den Markteinstieg genau verstehen. Trendfolge sind langfristige Anlagestrategien und können insbesondere kurzfristig – je nach Markteintritt – den Referenzwert underperformen. Wäre ein Investor zum Beispiel erst Ende Januar 1976 in das Trendfolgemodell eingestiegen und im Februar 1979 wieder ausgestiegen, hätte er 10% seines Investments verloren. Der DAX hat im gleichen Zeitraum lediglich 5% an Wert verloren.

Trendfolge in Zeiten hoher Volatilität
Wie aus der unteren Graphik hervorgeht, hat unser Modell zwischen Februar 1998 und Juni 2005 einen hohen Mehrwert generieren können. Während das Trendfolgemodell eine jährliche Rendite von 7,8% erzielte und eine Volatilität von 15,5% aufwies, verlor der DAX 7,5% pro Jahr an Wert bei einer gleichzeitigen Volatilität von 27,8%.

Darüber hinaus geht aus unserer Analyse hervor, dass der Markteintritt und die Haltedauer in einem Marktumfeld mit hoher Volatilität nicht so entscheidend sind wie in Zeiten geringer Volatilität. Lediglich in Bullenmärkten performt der DAX generell besser als unser Trendfolgemodell, da unser Modell erst verspätet an Aufwärtstrends teilnimmt. Da es aber nicht der Anspruch der Trendfolger ist, in allen Marktphasen zu übertreffen, sondern vielmehr Abwärtsbewegungen zu vermeiden, ist die Underperformance in Bullenmärkten kein entscheidender Makel.

Optimieren Sie das Timing
Wie bereits erwähnt, sind sowohl der Zeitpunkt des Markteintrittes als auch der Anlagezeitraum die Erfolgsfaktoren bei Trendfolgemodellen. Abhängig vom Anlagezeitraum kann sich der Zeitpunkt des Markteintrittes sehr positiv oder sehr negative auf die relative Performance  auswirken. Dies trifft insbesondere bei kurzen Haltedauern in Marktphasen geringer Volatilität zu. Es gibt jedoch ein paar Tipps und Tricks, wie Sie den Markteintritt besser timen können.
Bevor Sie also ein Investment tätigen, sollten Sie den Referenzwert – in diesem Fall den DAX – mit dem gleitenden Durchschnittspreis vergleichen.

 
Sollte der Abstand zwischen dem Index und der Durchschnittslinie stark auseinander gehen, wie z.B. 1999-2000, kann man eine baldige Trendumkehr erwarten und sollte daher vorsichtig agieren. Oft steigt ein Index innerhalb kürzester Zeit stark an, bevor er korrigiert; in der Chartanalyse wird dies „Climaxrun“ genannt. Dies geschieht meist bei niedrigem Handelsvolumen; ein Blick in die Auftragsbücher an der Börse lohnt sich also immer. Ein ähnliches Bild sehen wir kurz vor der Kreditkrise 2008. In derartigen Phasen ist es daher ratsam, an der Seitenlinie die Trendumkehr abzuwarten.

Aber auch nach längeren Abwärtstrends, wie z.B. von 2008 bis 2009, fällt der Index in kurzer Zeit sehr schnell bevor er wieder in eine Aufwärtsbewegung dreht. In solchen Fällen sollten Investoren jedoch nicht auf eine Trendumkehr spekulieren und gleich investieren. Es wäre hier sinnvoller, dem Trendfolgemodell zu folgen und in Cash zu investieren, bis das Modell eine Trendumkehr signalisiert – auch wenn dann die ersten Performance-Punkte verpasst werden.

Der eine oder andere Anleger könnte sich nun die Frage stellen, warum wir nicht kürzere Durchschnittswerte heranziehen, um die Trendwenden früher zu erkennen. Die Frage ist zwar berechtigt, ich würde bei diesem Modell jedoch aus mehreren Gründen davon abraten.

Es ist lediglich von Vorteil, größere Auf- bzw. Abwärtstrends frühzeitig zu erkennen; kurzfristige Schwankungen können hingegen ignoriert werden. Das Problem mit kürzeren Durchschnittswerte ist, dass sie zwar eine Trendwende früher erkennen, gleichzeitig geben sie aber auch falsche Signale bei kurzfristigen Kursschwankungen innerhalb einer großen Auf- oder Abwärtsbewegung. Es besteht also die Gefahr, dass mehrere Fehlsignale generiert werden, die letztendlich den potenziellen Mehrwert durch die Früherkennung der Trendwende vernichtet. Zudem können sich höhere Handelskosten und eventuell Steuern negativ auf die Performance auswirken. Investoren sollten bei kürzeren Trends also immer den potenziellen Zusatzertrag gegen mögliche Fehlsignale und höhere Handelskosten abwägen.

Nachdem wir ein Trendfolgemodell auf den DAX und die Eigenschaften dieses Modells in verschiedenen Marktphasen analysiert haben, untersuchen wir im nächsten Artikel, ob Trendfolge auch im Portfoliokontext erfolgreich sein kann.



Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.