Bond-Boom, die Zweite? 2013 eher nicht

Auch wenn der Run auf Obligationenfonds andauern dürfte, werden auf der Renditeseite die Bäume nicht in den Himmel wachsen, warnen unsere Bond-Experten.

Ali Masarwah 11.01.2013

Auch wenn Fondsanleger Ende des vergangenen Jahres wieder etwas mutiger geworden sind und verstärkt Aktienprodukte gekauft haben, wird 2012 als das Anleihejahr in Erinnerung bleiben. Im November wurden europaweit extrem hohe Zuflüsse von 19,92 Milliarden Euro in Anlagefonds für Obligationen verzeichnet. Die exorbitant hohe Nachfrage brachte der Investmentbranche in den ersten 11 Monaten Nettozuflüsse von 157,56 Milliarden Euro. Das ist absoluter Rekord bei Anleihefonds.

Wie sehr sich die europäische Fondslandschaft in den vergangenen Jahren verändert hat, zeigt der Langfristvergleich zwischen Aktien- und Anleihefonds für Privatanleger seit 2007. Während sich das in Bond-Fonds investierte Vermögen von 866,42 Milliarden auf 1,53 Billiarden Euro nahezu verdoppelt hat, ist das Aktienfonds-Vermögen in den vergangenen 5 Jahren nur leicht - um 19 Milliarden Euro auf 1,68 Billiarden Euro - gestiegen. Bonds sind also massiv auf dem Vormarsch. Die Grafik unten illustriert die Verschiebung zwischen Aktienfonds (blaue Balken) und Rentenfonds (gelbe Balken).

Grafik: Bond-Fonds vs Aktienfonds: Wie sich die Zeiten ändern können


Quelle aller Grafiken und Tabellen: Morningstar Direct.

Und wie könnte es weitergehen? Angesichts der Aktienaversion vieler Anleger, die dennoch händeringend auf der Suche nach auskömmlichen Renditen sind, dürfte sich der europäische Fondsmarkt weiter in Richtung Hochzinsprodukte bewegen. Verstärkt werden dürfte das von den unverändert niedrigen Zinsen, die Anleger hin zu Corporates und Emerging-Markets-Papieren drängen. Die untere Übersicht zeigt, dass Fonds, die in höher verzinsliche Papiere investieren, 2012 am stärksten nachgefragt waren. (Hinter der Kategorie „Other Bond“ stehen vor allem Hochzinsfonds.)

Tabelle: Bei Anleihen können die Risiken nicht hoch genug sein

Dabei wurden risikofreudige Anleger 2012 belohnt: 2012 konnten hochverzinsliche Euro-Anleihefonds im Schnitt um 23,5% im abgelaufenen Jahr zulegen, Fonds der Morningstar-Kategorien hochverzinsliche Pfund-Anleihen sowie Fonds für Anleihen in europäische Währungen legten 2012 durchschnittlich um 22,9% bzw. 22,7% zu.

Perspektive: Wolkig bis trübe

Anleger, die 2012 nicht dabei waren und nun auf ähnliche Rendite-Dimensionen  hoffen, dürften enttäuscht werden. „Es ist mathematisch sehr unwahrscheinlich, dass Anleger mit Unternehmensanleihen 2013 eine ähnliche Performance wie im vergangenen Jahr erwirtschaften können“, sagt Dave Sekera, Morningstar Bond-Stratege. Denn das würde voraussetzen, dass sich der Renditeabstand von Corporates zu Staatsanleihen auf das Niveau von vor der Kreditkrise 2008/09 verringert, oder aber dass die Zinsen deutlich unter das derzeitige Niveau fallen.

Anleger sollten auf Unternehmen setzen, die langfristig nachhaltige Wettbewerbsvorteile haben und solide Bilanzen aufweisen.

Auch wenn man angesichts der politischen Märkte bei Bonds heute prinzipiell nichts in das Reich der Phantasie verbannen sollte, dürften Anleger schlecht beraten sein, auf ein Eintreten eines der beiden oben erwähnten Szenarien zu wetten. Sollten sich keine dramatischen Veränderungen an der politischen bzw. konjunkturellen Front ergeben, drohen laut Morningstar-Analyst Sekera Anlegern in Unternehmensanleihen sogar Risiken von der fundamentalen Seite. Auch wenn die Fiskalklippe in den USA umschifft werden sollte, schwäche sich das Wachstum ab, so Sekera. Gleiches gelte für China, und dass sich Europa und Japan 2013 aus der Rezession befreien werden, sei keinesfalls ausgemachte Sache.

Auch wenn es langweilig erscheint: Sicherheit ist das Gebot der Stunde

Deshalb hält der Morningstar Credit-Analyst die Vorgehensweise vieler Anleger, auf Papiere von Unternehmen mit schwächeren Bonitäten zu setzen, für bedenklich. „Anleger sollten auf Unternehmen setzen, die langfristig nachhaltige Wettbewerbsvorteile haben und solide Bilanzen aufweisen“. Das seien die Unternehmen, die am besten durch eine konjunkturelle Schwächephase kommen sollten, so Sekera.

Aufgrund dessen empfehlen unsere Bond-Analysten bei Unternehmensanleihen in diesem Jahr folgende Vorgehensweise:

1. US-Unternehmensanleihen bevorzugen. Auch wenn sich die Wirtschaft abschwäche, sei das Wachstum immer noch solider als in Europa.

2. Spiegelbildlich sollten Anleger bei der Eurozone Vorsicht walten lassen und vor allem Unternehmensanleihen aus den südlichen Euro-Ländern vermeiden.

3. Emerging Markets dürften auf der Anleiheseite weiterhin solide Renditen erwirtschaften.

4. Auf die Papiere von solchen Unternehmen setzen, die in der Lage sind, zu investieren und damit Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz herausspielen, die nicht die Mittel hat, Investments zu stemmen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Unsere Bond-Analysten sehen keine spekulative Blase bei Unternehmensanleihen, ein Crash wie 1994 oder sogar 2008/09 steht also nicht auf der Tagesordnung. „Ungeachtet der phantastischen Performance 2012 und der engen Spreads sehe ich keine Blase, so Sekera“. Allerdings könne ein allzu sorgloses Vorgehen bei Junk Bonds, also niedrig bewertete Emittenten, bei Turbulenzen an den Märkten für viele Anleger zu schmerzlichen Rückschlägen führen, warnt er.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich