Konsolidierung am ETF-Markt?

Nachdem Credit Suisse ETF an BlackRock verkauft wurde, brodelt nun die Gerüchteküche über eine mögliche Übernahme von Lyxor.

Gordon Rose 18.01.2013

Willkommen zur neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz diskutieren wir die Highlights der ETF-Märkte. Wir stellen die Gewinner und Verlierer unter den in Europa gelisteten ETFs vor und geben einen Überblick über die europaweit neu gelisteten Indexprodukte.

Lyxor – wohin geht die Reise?

Die ganze ETF-Industrie diskutiert und spekuliert seit geraumer Zeit über eine Marktkonsolidierung. Man ist sich zwar einig, dass es dazu kommen wird, uneinig ist man sich jedoch über das Ausmaß und dem Zeitplan.

Nachdem bereits der ETF-Arm der Credit Suisse an BlackRock veräußert wurde, kommen nun Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Lyxor auf. Nimmt die Konsolidierung an Fahrt auf? Die Probleme bei Lyxor der vergangenen Jahre sind zum einen dem Produktangebot geschuldet, zum anderen der Muttergesellschaft Societe Generale. Die französische Großbank hatte im Zuge der Schuldenkrise für Negativschlagzeilen gesorgt und damit wahrscheinlich, aufgrund ihrer Rolle als Swap-Partner bei Lyxor, zu Absatzproblemen geführt. Lyxor selbst hat in den letzten Monaten versucht, sich besser am Markt zu positionieren.

Was ist aber an den Gerüchten dran? Wer kommt als Käufer in Frage? Lassen Sie uns etwas spekulieren. Ein Teil der Probleme bei Lyxor sind sicher auf die Muttergesellschaft zurückzuführen und durch die Neupositionierung könnte daher ein Verkauf sicherlich sinnvoll sein. Mögliche Käufer sind hingegen rar. US-Firmen, wie BlackRock, SPDR oder Vanguard, kommen eher nicht in Frage, da Lyxor hauptsächlich Swap-basierte Produkte anbietet. Bleibt also db X-trackers. Eine Übernahme würde die Lücke zu Marktführer iShares auf einen Schlag stark verringern. db X-trackers könnte dann auch, in Verbindung mit der kürzlich vollzogenen Einführung von vollreplizierenden ETFs, mittelfristig mit iShares um die Vorherrschaft konkurrieren. Aber ein französischer und deutscher Anbieter, passt das zusammen? Böse Zungen könnten behaupten, dass Simon Klein es ja schon vorgemacht hat. Wir dürfen gespannt sein.

Bei neuen Indizes lieber zweimal hinschauen

STOXX hat diese Woche wieder einen neuen Index auf den Markt gebracht, genauer gesagt zwei. Dabei handelt es sich um den Dynamic VSTOXX bzw. Dynamic VSTOXX Net Of Costs. Der Referenzwert setzt sich in beiden Fällen aus dem VSTOXX Short-Term Futures und dem VSTOXX Mid-Term Futures zusammen. Die Gewichtung wird dynamisch angepasst, mit der Zielsetzung, die Rendite zu optimieren. Futures auf die kurzfristige Volatilität sind zwar bei kurzzeitigen Volatilitätsanstiegen besser als Mittelfristige, verlieren aber über die Haltedauer hinweg schneller an Wert. Eine Kombination ist also durchaus zweckmäßig und auch die Beimischung dieser Produkte in ein Portfolio kann begrenzt Sinn machen. Da die zugrundeliegenden Futures aber langfristig an Wert verlieren, sollten sie eher kurzfristig als Hedge eingesetzt werden.

Beim Dynamic VSTOXX Net Of Costs frage ich mich jedoch nach dem Vorteil für Investoren. Der Referenzwert ist bei beiden Produkten derselbe, wird hier jedoch um die durchschnittlichen Handelskosten der zugrundeliegenden Strategie angepasst. Liest man weiter, findet man heraus, dass die Indizes durch Barclays lizensiert wurden. Man könnte nun spekulieren, dass Barclays bei der Indexentwicklung stark involviert war, um sicherzustellen, dass die durchschnittlichen Handelskosten geringer sind als die eigenen. Dadurch können darauf aufgelegte Produkte entweder den Index nach Kosten relativ einfach outperformen, oder die Outperformance kann teilweise in die eigenen Taschen fließen.

Diese Indizes können daher zwar einen Platz im Portfolio finden, Investoren sollten sich aber immer zuerst die Frage stellen, warum das Produkt aufgelegt wurde.

ETF Securities schielt auf Privatinvestoren

Der Marktführer bei Rohstoff-ETFs bzw. –ETCs hat Berichten zu Folge Frank Spiteri als European Head of Retail Distribution angeheuert, um die Präsenz bei Privatinvestoren voranzutreiben. Ziel ist es, dass private Anleger verstärkt in die hauseigenen Rohstoffprodukte investieren, insbesondere wird dabei auf einen positiven Effekt der RDR (Retail Distribution Review) in Großbritannien gehofft. Die gesamte ETF-Industrie verspricht sich durch die RDR einen zweiten Frühling. Dabei werden die Kosten der Investmentprodukte weiter in den Vordergrund gestellt, was sich positiv auf die Nachfrage nach kostengünstigen ETFs auswirken dürfte.

Vanguards Indexwechsel nun amtlich

Wir hatten bereits im Oktober davon berichtet, dass Vanguard bei 22 seiner Produkte den Indexanbieter wechselt. Der US-Anbieter hat damit für viel Diskussionsstoff in Presse und Medien gesorgt. Der eigentliche Wechsel weg von den MSCI Indizes hat aber still und heimlich erst diese Woche am 15. Januar stattgefunden.

 

ETF Markt – die Neuemissionen

Diese Woche haben sich die ETF-Anbieter mit Neuemissionen zurückgehalten und nur zwei Produkte gelistet.

Lyxor hat ihren Lyxor ETF BOT 6M auf kurzlaufende italienische Staatsanleihen an der Mailänder Börse gelistet. Aber auch ETF Securities war diese Woche mit einem Produkt in Italien aktiv und hat den ETFX DJ-UBS All Commodities 3 Month Forward Fund gelistet.

 

ETF Markt – Gewinner und Verlierer

Auf der Gewinnerseite finden wir diese Woche hauptsächlich türkische Aktien, die von positiven Nachrichten profitiert haben. Moody’s Investors Services veröffentlichte am Dienstag einen Bericht zu den europäischen Schwellenländern. Laut diesem sollen die Wirtschaften 2013 stärker wachsen, wobei Moody’s das stärkste Wachstum in der Türkei sieht. Zudem erkennt die türkische Regierung S&P als Ratingagentur der eigenen Anleihen nicht mehr an, nachdem Fitch das Land letztes Jahr auf Investment-Grade heraufgestuft hat. S&P vergibt hingegen an die Türkei das Rating „Junk“; das damit schlechter als das der beiden anderen großen Ratingagenturen ausfällt.

Generell gute Wirtschaftsdaten haben für ein positives Umfeld an den Aktienmärkten gesorgt. Regelmäßige Leser wissen, dass gute Nachrichten für Aktieninvestoren meist schlechte Nachrichten für Anleger in Volatilitätsprodukten bedeutet – unsere Verlierer der Woche.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.