Was war 2012 – was erwartet uns 2013

Morningstar ETF Analysten haben das letzte Jahr Revue passieren lassen - und wir wagen einen Blick in die Kristallkugel. Was Anleger 2013 erwarten könnte.

Gordon Rose 25.01.2013

Willkommen zur neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz diskutieren wir die Highlights der ETF-Märkte. Wir stellen die Gewinner und Verlierer unter den in Europa gelisteten ETFs vor und geben einen Überblick über die europaweit neu gelisteten Indexprodukte.

Der Jahresrück- und Jahresausblick

In unserem letzten Webinar haben wir nochmal nachgehakt, wie sich der europäische ETF-Markt 2012 geschlagen hat und wohin die Reise 2013 eventuell gehen kann. Hier eine kleine Zusammenfassung:

Nachdem der ETF-Markt 2011 kaum gewachsen ist, verzeichnete er letztes Jahr weltweit einen Zuwachs von 27,7%. Der Markt ist nicht nur Dank starker Kursgewinne gewachsen, sondert konnte auch Nettomittelzuflüsse verzeichnen. Am stärksten hat das in Anleihen-ETFs investierte Vermögen zugelegt. Die Bond-Vehikel verzeichneten einen Zuwachs von 34%, gefolgt von Aktien (30%) und Rohstoffen (16%).

Schaut man sich die Mittelzuflüsse in Europa an, so sind diese mit €26,3 Milliarden fast doppelt so hoch gewesen wie 2011. Während auf einer globalen Ebene Aktienprodukte die meisten Zuflüsse verzeichneten, waren in Europa vor allem Anleihen und Rohstoffe gefragt.

In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres haben jedoch auch Aktien einen starken Anstieg an Mittelzuflüsse verzeichnet, wie nachstehende Graphik verdeutlicht.

Aber auch Anleihen und Rohstoffe wurden zum Ende des Jahres vermehrt nachgefragt. Nur Geldmarktfonds blieben weiterhin unbeliebt. Wenn man die Kosten dieser Produkte und die Inflation den sehr niedrigen Zinsen gegenüber stellt, ist dies wenig verwunderlich.

Bei den Neuemissionen sahen wir letztes Jahr 194 neue Produkte am Markt, wobei ein Großteil Swap-basierte ETFs waren.

Die erfolgreichsten Produkte im Vertrieb waren unteranderem Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen und italienische Staatsanleihen. Dies macht durchaus Sinn, da Investoren zunehmend den Anleihen mit AAA-Bonität auf der Suche nach besseren Renditen den Rücken kehren.

Aber auch die Marktkonsolidierung setzt sich langsam weiter fort. Insgesamt wurden letztes Jahr 57 Produkte vom Markt genommen. In den vergangenen Jahren wurden zum Vergleich durchschnittlich nur 20-25 Produkte liquidiert. Anbieter selbst verschlanken ihr Produktangebot weiter und daher sind mehr Produktschließungen zu erwarten.

Vor allem kleinere Anbieter könnten zudem von größeren geschluckt werden, um dem fragmentierten Markt in Europa Herr zu werden.

Auf der anderen Seit ist davon auszugehen, dass es immer mehr Nischenprodukte geben wird, wie z.B. Smart-Beta, aktive ETFs, ETF-Dachfonds oder auch ETF gemanagte Portfolios.

Da das verwaltete Vermögen in ETFs in Europa nur ca. 5% des gesamten europäischen Fondsvermögens entspricht, ist die einhellige Marktmeinung, dass der ETF-Markt in Europa in den kommenden Jahren weiter wächst und zunehmend Marktanteile gewinnen wird.

Denen stehen jedoch Risiken entgegen: Neue Regulierungen in den kommenden Jahren können die ETF-Branche ebenso beeinflussen wie die Entwicklung der Kapitalmärkte.

ETF Markt – die Neuemissionen

Bei den Neuemissionen ging es diese Woche insbesondere an der Deutschen Börse hoch her.

db X-trackers hat fünf ETFs auf die Sektorreihe CSI300 auf den Markt gebracht. Damit haben Anleger die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von chinesischen A-Aktien auf die Sektoren Banken, Energie, Gesundheitswesen, Immobilien und Nicht-Basiskonsumgüter teilzunehmen.

Der Schweizer Anbieter UBS hat drei neue Produkte auf den Markt gebracht, wobei jedes in der Anteilsklasse „A“ für Privatinvestoren und „I“ für institutionelle Investoren angeboten wird. Die ETFs bilden die Indexreihe von Structured Solutions „Solactive“ ab und ermöglichen Anlegern, an der Wertentwicklung von internationalen Unternehmen teilzunehmen, die ihre Einnahmen aus der Exploration, dem Abbau und/oder der Veredelung von Gold, Kupfer oder Öl generieren.

ETF Markt – Gewinner und Verlierer

Durchweg gute Wirtschaftsdaten und ein positiver Ausblick haben diese Woche insbesondere Industriemetalle gestützt.

Regelmäßige Leser wissen, dass gute Wirtschaftsdaten sich oft negativ auf die Volatilität auswirkt – unsere Verlierer der Woche.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.