SPDR ist der Größte

Vor 20 Jahren hat State Street den SPDR S&P 500 ETF auf den Markt gebracht. Heute ist der „Spider“ das größte Produkt am Markt.Willkommen zur neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz diskutieren wir die Highlights der ETF-Märkte. Wir stellen die Gewinner und Verlierer unter den in Europa gelisteten ETFs vor und geben einen Überblick über die europaweit neu gelisteten Indexprodukte.

Gordon Rose 01.02.2013

Happy Birthday SPDR

Diese Woche feiert State Street das zwanzigjährige Bestehen der ETFs. Im Januar 1993 hatte der US-Anbieter den SPDR S&P 500 ETF als ersten ETF auf den Markt gebracht. Verwaltete dieses Produkt anfänglich noch $6,5 Millionen, ist er heute mit $120 Milliarden verwaltetem Vermögen der größte am Markt. Zudem ist es das meistgehandelte Wertpapier der Welt.

Damals wurde der sogenannte „Spider“  als bahnbrechende Neuheit gefeiert, die Investoren mit einem Trade Zugriff auf einen ganzen Aktienmarkt bietet. Dennoch, nur wenige vermuteten, dass dies der Anfang eines neuen Marktes war, der mittlerweile $2 Trillionen an verwaltetem Vermögen auf sich vereinnahmt. Insbesondere in den letzten 10 Jahren ist der ETF-Markt stark gewachsen.

Aktiver Fonds wird passiv

Wie diese Woche bekannt wurde, wandelt Royal London Asset Management ihre Fonds Japan Growth und Far East, beides aktiv gemanagte Produkte, in passive Vehikel um. Beide Fonds hatten in letzter Zeit unter massiven Mittelabflüssen gelitten. Das Beispiel zeigt, dass selbst in Regionen, die manche als ineffizient empfinden und daher für ein aktives Management plädieren, eine passive Investmentstrategie eventuell doch ihre Vorteile hat. Da ca. 90% der Gesamtrendite eines Portfolios aus der strategischen Allokation stammen, ist es, insbesondere für Privatanleger, oft die bessere Lösung auf kostengünstige, passive Instrumente zurückzugreifen. Zudem spielen die Kosten, die bei ETFs deutlich geringer ausfallen, eine entscheidende Rolle bei der Langzeitperformance.

Neues von den Index-Anbietern

Thomson Reuters hat eine Reihe von Asia-Pazifik-Real-Estate Indizes aufgelegt. Diese Indizes decken, inklusive REITs, 13 regionale Länder ab und gewichten die Komponenten anhand ihrer Marktkapitalisierung. 

Bevor Investoren sich nun auf mögliche ETFs stürzen, um Immobilien in ihr Portfolio zu legen, sollten vorher folgende Überlegungen getroffen werden. REITs bieten zwar einen liquiden Zugang zu einer ansonsten illiquiden Anlageklasse, die historisch eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen aufweist. Dennoch handelt es sich um börsennotierte Unternehmen. Diese Tatsache hat eine hohe Korrelation zu den Aktienmärkten zu Folge; sprich, die gewünschte Diversifikation ist bei einer indirekten Anlage in Immobilien nicht gewährleistet. Auf der anderen Seite bieten REITs ihren Investoren jedoch eine stabile Dividende, was im derzeitigen Marktumfeld sicherlich eine attraktive Eigenschaft darstellt.

ESMA will Lücken schließen

Wir haben in der zweiten Jahreshälfte 2012 öfter die neuen Richtlinien der ESMA kritisiert, da sie insbesondere im Bereich der Wertpapierleihe keine klare Linie vorgibt und dadurch viel Interpretationsspielraum bleibt. Wie nun bekannt wurde, ist der Druck auf die ESMA groß genug geworden, so dass die Regulierungsbehörde nun für Klarheit sorgen will. Bis Ende März, so der vorläufige Plan, will sich die ESMA den Knackpunkten widmen und unter anderem mehr Klarheit schaffen, was z.B. als operationale Kosten bei der Wertpapierleihe deklariert werden darf. Wir dürfen gespannt sein, was am Ende dabei herauskommt. 

ETF Markt – die Neuemissionen

Diese Woche haben insbesondere US-Anbieter ihr Produktangebot in der Schweiz ausgeweitet.

SPDR trumpft zum 20 jährigen Jubiläum gleich mit zehn Produkten an der Schweizer Börse auf. Von Dividendenstrategien über Volatilitätsprodukte und Immobilien hin zu Staatsanleihen steht den Eidgenossen nun eine breite Auswahl an SPDR-Produkten zur Verfügung.

Zusätzlich hat Vanguard diese Woche drei seiner Low-Cost-Produkte in der Schweiz auf den Markt gebracht.

Aber auch die UBS hat den UBS-ETF SLI Swiss Leader Index® (CHF) und den UBS-ETF SMI® (CHF) mit der Anteilsklasse „I“ für institutionelle Anleger an der Schweizer Börse gelistet. Damit bekommen Anleger die Möglichkeit in die Schweizer Aktienmärkten zu investieren.

In Deutschland hat die Commerzbanktochter ComStage, den ComStage ETF S&P SMIT 40 Net Total Return EUR Index an der Deutschen Börse gelistet. Anleger haben mit diesem ETF die Möglichkeit an der Wertentwicklung von zehn Aktienunternehmen aus den Schwellenländern Südkorea, Mexiko, Indonesien und der Türkei zu partizipieren. Dabei werden die vier Länder im Index gleichgewichtet, wobei die Gewichtung der einzelnen Aktienunternehmen innerhalb eines Landes nach Marktkapitalisierung und Handelsvolumen erfolgt.

Auch SPDR war in Deutschland aktiv und hat den SPDR MSCI EMU UCITS ETF aufgelegt. Investoren haben zukünftig die Möglichkeit an der Wertentwicklung von großen und mittelständischen Unternehmen der entwickelten Aktienmärkte in der Europäischen Währungsunion (EWU) teilzunehmen. Der Referenzindex setzt sich zurzeit aus 244 Unternehmen zusammen, die insgesamt 85% der Marktkapitalisierung der Eurozone repräsentieren.

Der französische Anbieter Amundi hat den Amundi ETF MSCI Europe ex Financials an der NYSE Euronext Paris gelistet. Der Index bildet den MSCI Europe Index ab, schließt aber Banken, Versicherungen, Immobilienunternehmen und diversifizierte Finanzunternehmen aus.

ETF Markt – Gewinner und Verlierer

In dieser Woche finden wir vor allem chinesische Finanztitel und Industriemetalle unter den Gewinnern. Chinesische Aktien profitierten insbesondere von Unternehmensgewinnen, die über den Erwartungen lagen. Industriemetalle wurden unter anderem von S&P unterstützt, die für 2013 ein Wirtschaftswachstum in China von 8,2% vorhersagen, nachdem das BIP in 2012 um 7,8% gestiegen war.

Der türkische Aktienmarkt konnte in den letzten Wochen von der erwarteten Heraufstufung der Kreditwürdigkeit auf Investment Grade durch Moody’s profitieren. In dieser Woche wurden die Erwartungen jedoch nicht erfüllt und Moody`s ließ das Rating, eine Stufe unter Investment Grade, unverändert, was von den Aktienmärkten nicht gut aufgenommen wurde.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.