Bei Italien-ETFs ist nicht alles so, wie es scheint

Amundi ETFs auf italienische Standardwerte sind die teuersten Produkte am Markt. Oder doch nicht? Der Morningstar ETF-Spread-Bericht.

Gordon Rose 08.02.2013

Am 24. und 25. Februar ist es wieder soweit – Italien wählt eine neue Regierung. Diese Woche ist der italienische Aktienmarkt alleine am Montag um 4,5% eingebrochen. Investoren sind zunehmend besorgt, dass Silvio Berlusconi wieder an die Macht kommen könnte und den derzeitigen Sparplan der Regierung über Bord wirft. Laut Wahlumfragen konnte Berlusonis Partei zum derzeit führenden Spitzenkandidat der Demokratischen Partei, Pier Luigi Bersani, aufschließen. Insbesondere mit angekündigten Steuersenkungen sorgt der ehemalige und vielleicht neue Ministerpräsident für Unruhe. Sollte jedoch der Spitzenkandidat gewinnen, könnte sich das positiv auf den Aktienmarkt auswirken. Für Investoren, die darauf spekulieren und sich bereits jetzt positionieren möchten, kann unser wöchentlicher Spread-Bericht dabei helfen, die Kosten einer Wahl-Wette gering zu halten.

Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das Eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade bei illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese häufig übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Insgesamt gibt es 6 Produkte auf italienische Standardwerte. Die Anbieter greifen hierbei fast ausnahmslos auf den FTSE MIB Index zurück. Nur Amundi ist wohl unentschlossen und bietet zusätzlich den MSCI Italy Index an.

Der FTSE MIB Index besteht aus den 40 größten und liquidesten Unternehmen und deckt 80% der Marktkapitalisierung der Mailänder Börse ab. Aufgrund der geringen Unternehmensanzahl ist der Index sehr kopflastig. Die 10 größten Unternehmen repräsentieren ca. 70% des Index, wobei Finanzwerte mit über 36% am stärksten gewichtet sind.

Obwohl der MSCI Italy Index dieselben Auswahlkriterien hat – ca. 40 der größten und umsatzstärksten Unternehmen – unterscheidet sich die Indexzusammensetzung merklich. Die 10 größten Unternehmen repräsentieren 75% des Index, wobei Energiewerte mit 33% den größten Sektor darstellen.

Aber auch bei den Handelskosten gibt es große Unterschiede. In den 30 Handelstagen vom 20. Dezember bis 06. Februar weist der CS ETF (IE) on FTSE MIB mit 2 Basispunkten den engsten Spread auf. Interessant dabei ist, dass der ETF mit €46,4 Millionen an verwaltetem Vermögen zu den kleinsten Produkten gehört. Der größte ETF kommt vom französischen Anbieter Lyxor. Der Lyxor ETF FTSE MIB rangiert mit 4 Basispunkten jedoch auf dem dritten Platz. Zwischen die Schweiz und Frankreich schiebt sich Deutschland. Der db x-trackers FTSE MIB Index ETF weist einen Spread von 3 Basispunkten auf und belegt damit den zweiten Platz.

Tabelle: Bei Italien-ETFs Spreads liegen Credit Swiss und die Deutsche Bank vorn

 

Auf den weiteren Plätzen folgt iShares und Amunid bereits mit wesentlich größeren Spreads. iShares weist mit 8 Basispunkten einen viermal so großen Spread auf wie der günstigste von Credit Suisse. Amundi liegt mit seinen zwei Produkten abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Investoren sollten bei der Kostenanalyse jedoch genau hinschauen. Der Amundi ETF FTSE MIB steigt bei einer angenommenen Haltedauer von einem Jahr (konstante Spreads vorausgesetzte) zum günstigsten Produkt am Markt auf. iShares mutiert aufgrund der hohen Management-Gebühren zum teuersten ETF auf italienische Standardwerte. Der Vergleich lohnt sich also.

Interessant sind auch die „Paarungen“ der Börsen. Die zwei günstigsten Produkte werden an der Deutschen Börse gehandelt, die nächsten zwei in Mailand und die teuersten von Amundi in Paris.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.