Morningstar sucht den Super-Fondsmanager

Unsere Analysten haben die besten Fondsmanager des Jahres 2013 nominiert. Prämierung anlässlich der Morningstar Investment Conference Europe in Wien.

Die Morningstar Awards für die besten Fondsmanager in Europa jähren sich bereits zum vierten Mal. Unsere Analysten haben eine Liste von Fondsmanagern zusammengestellt, die unserer Meinung nach zu den besten ihrer Zunft gehören. Sie wurden für die Morningstar European Fund Manager of the Year Awards 2013 nominiert. Die Gewinner werden anlässlich unserer paneuropäischen Investment-Konferenz auf der Wiener Hofburg am 14. März bekanntgegeben und geehrt. 

Auch wenn die nominierten Manager idealerweise ihre Fonds auch gut durch das stürmische Jahr 2012 navigiert haben sollten, entscheidet am Ende der langfristige Nutzen, den die Profis für Anleger stiften. Wir haben nur solche Fondsmanager nominiert, die über ein Morningstar Analyst Rating „Gold“, „Silver“ oder „Bronze“ verfügen (lesen Sie hier mehr zur Methodik unserer qualitativen Fondsbewertungen). Entsprechend folgen die Kriterien für die Nominierung der Fondsmanager den fünf Pfeilern, auf denen unser qualitatives Rating beruht: Fondsgesellschaft, Fondsmanagement, Investmentprozess, Gebühren und Performance.

In diesem Jahr haben wir als Neuerung eine zusätzliche Kategorie eingeführt. Wurden bisher die besten Fondsmanager für europäische und globale Aktien ausgezeichnet, wird in diesem Jahr erstmals auch ein Preis für den besten Fondsmanager in der Kategorie Euro-Anleihen vergeben.

Für den European Equity Manager of the Year wurden folgende Fondsmanager nominiert:

Nigel Bolton

BGF European (Morningstar Analyst Rating: Silver)

BGF European Focus (Morningstar Analyst Rating: Silver)

Seit seinem Wechsel von SWIP zu BlackRock Anfang 2008 hat Bolton eines der besten europäischen Aktienteams am Markt zusammengebracht. Es umfasst sechs Spezialisten, die entlang der bekannten Aktiensektoren aufgestellt sind. Auch wenn der Teamansatz bei BlackRock auch wirklich gelebt wird, ist Nigel Bolton erkennbar die treibende Kraft hinter dem Prozess. Der Investment-Ansatz ist systematisch aber nicht dogmatisch. Bolton sucht nach Unternehmen, die mittel- bis langfristig überdurchschnittliche Gewinne versprechen und dabei nicht zu teuer bewertet sind. Er setzt dabei auch auf Restrukturierungs- und Turn-around-Kandidaten und behält das makroökonomische Umfeld im Blick.

Bemerkenswert ist, dass die von Bolton verantworteten Fonds die Vergleichsgruppe ’Aktien Europa Standardwerte Blend‘ in so unterschiedlichen Marktphasen wie 2008 und 2009 übertreffen konnten. Beide Fonds haben ihre Kategorie in jedem Kalenderjahr seit 2008 übertroffen.

Matthias Born

Allianz Euroland Equity Growth (Morningstar Analyst Rating: Silver)

Matthias Born verantwortet den Allianz Euroland Equity Growth erst seit Oktober 2009, hat aber bereits davor sein Können unter Beweis gestellt. Born kam 2001 zum seinerzeitigen DIT und arbeitete von 2002 bis 2007 mit dem Nebenwertespezialisten Frank Hansen im Deutschland-Team zusammen. Born verantwortete ab 2007 den deutschen Standardwertefonds Concentra, den er ins erste Performance-Quintil per Ende 2012 führte.

Born verfolgt einen sehr aktiven Ansatz, der an der Einzeltitelauswahl orientiert ist. Er investiert dabei in Unternehmen, denen er ein hohes Gewinnwachstum zutraut. Er bleibt seinem Ansatz treu, auch wenn die Märkte gegen ihn laufen, wobei die Konzentration auf qualitativ hochwertige Unternehmen das Abwärtsrisiko bisher begrenzt hat. Seit seiner Übernahme zählt der Allianz Euroland Equity Growth zu den besten 5% vergleichbarer Euroland-Fonds.

Jorik van den Bos

Kempen European High Dividend Fund (Morningstar Analyst Rating: Gold)

Das Drei-Mann-Team um Jorik van den Bos wechselte 2006 geschlossen von ING zu Kempen. Sie implementieren hier ihren bereits zu ING-Zeiten entwickelten und seit 2001 erfolgreich umgesetzten Dividendenansatz, der sich über verschiedene Marktphasen bewährt hat. Auch wenn die Dividendenrendite einer Aktie mindestens 2,5% betragen muss, liegt der Schwerpunkt auf dem stetigen Dividendenwachstum. Voraussetzung hierfür sind nach Einschätzung von den Bos eine strikte Kapitaldisziplin, eine positive Cashflow-Entwicklung, Dividendenwachstum und Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens. Eine weitgehende Gleichgewichtungs-Strategie und die quartalsmäßige Rebalancierung verhindern Klumpenrisiken.
Erwartungsgemäß hatte der Fonds 2007 und 2008 eine schlechte Phase, konnte seitdem allerdings die Kategorie ‚Aktien Europa Standardwerte Value‘ übertreffen und von 2010 bis 2012 im obersten Quintil der Konkurrenten landen.

Für den Global Equity Manager of the Year wurden folgende Fondsmanager nominiert:

Kristian Falnes & Team

SKAGEN Global (Morningstar Analyst Rating: Silver)

Auch wenn Falnes diesen globalen Fonds erst seit 2010 verantwortet, ist er beileibe kein Anfänger. Er war von 1997 bis 2010 für den SKAGEN Vekst verantwortlich, eine globale Strategie mit starkem Übergewicht in norwegischen Aktien. Er wandte dabei den identischen, an Substanzwerten orientierten Ansatz an, mit dem SKAGEN sich einen Namen gemacht hat. Wie bei allem SKAGEN-Fonds sucht Falnes Unternehmen, von denen er glaubt, dass sie zu Unrecht unterbewertet sind, etwa weil sie sich nicht auf der Coverage-Liste von Brokerhäusern befinden. Beispielhaft für den Prozess ist das nunmehr zehnjährige Engagement in der Samsung Aktie, die sich seitdem von einem klassischen Billigproduzenten hin zu einem Marktführer in mehreren Elektronik-Segmenten entwickelt hat. Das deutet an, dass Geduld eine der wichtigen Elemente des Prozesses darstellt.

Seitdem Falnes den SKAGEN Global verantwortet, konnte der Fonds die Vergleichsgruppe pro Jahr um 3 Prozentpunkte übertreffen und landete 2012 im ersten Quintil der Kategorie.

Rajiv Jain

Vontobel Emerging Markets Equity (Morningstar Analyst Rating: Silver)
Vontobel Global Value Equity (Morningstar Analyst Rating: Bronze)

Fondsmanager Rajiv Jain verantwortet den Vontobel Emerging Markets Equity seit 1997, den Vontobel Global Value Equity managt er seit 2005. Er wendet einen stringenten Ansatz an, der stark von der Einzeltitelauswahl getrieben wird. Er sucht dabei nach Aktien, die stetig und profitabel wachsen und bevorzugt transparente Geschäftsmodelle und solide Bilanzen. Diese findet er insbesondere in defensiven Sektoren, was den Fonds bisher einigermaßen vor zyklischen Schwankungen geschützt hat. Typischerweise umfasst das Portfolio 45 bis 60 Aktien.

Dieser konsequent auf qualitativ hochwertige Unternehmen fokussierte Prozess konnte das Abwärtsrisiko in schwachen Marktphasen begrenzen. 2008 verlor der Vontobel Global Value Equity 7 Prozentpunkte weniger als seine Kategorie ‚Aktien weltweit Standardwerte Growth‘, der Emerging Markets Equity schnitt sogar um 10 Prozentpunkte besser als der Durchschnitt der Kategorie ‚Aktien Schwellenländer‘ ab . Beide Fonds konnten über die gesamte Zeit unter Jains Ägide ihre Vergleichsgruppe um 4,46 (global) bzw. 3,82 Prozentpunkte (Emerging Markets) übertreffen.

Charles Macquaker, Roy Leckie & Team

BNY Mellon Long-Term Global Equity (Morningstar Analyst Rating: Silver)

Fondsmanagement wird von Charles Macquaker und Roy Leckie als Teamarbeit verstanden und auch entsprechend gelebt. Das globale Aktienteam besteht aus 21 Analysten bzw. Fondsmanagern und muss als Ganzes zustimmen, bevor ein Titel seinen Weg ins Portfolio findet. Die Analysten sind nach den Regionen Amerika, Europa und Australien-Asien aufgestellt und suchen unter den Unternehmen nach Kandidaten, die sich durch stetiges (nicht unbedingt rasantes) Wachstum auszeichnen. Eine niedrige Verschuldungsquote und etablierte Geschäftsmodelle stehen im Mittelpunkt des Research-Prozesses. Entsprechend finden sich viele bekannte Namen wie Colgate Palmolive und Microsoft im Portfolio.

Der Fonds beeindruckt durch einen für Growth-Fonds bemerkenswert effektiven Kapitalschutz. Er verlor nur 8% im Jahr 2008, verglichen mit einem Minus von 25% bei der Fondsvergleichsgruppe. Spiegelbildlich müssen sich Anleger allerdings darauf einstellen, dass sie mit diesem Fonds nicht 1:1 an Aufwärtsphasen an den Märkten partizipieren werden. Langfristig konnte dieser Fonds allerdings die Kategorie ‚Aktien weltweit Standardwerte Growth‘ und den MSCI Aktien-Welt-Index bequem übertreffen.

Für den Euro Fixed-Income Manager of the Year wurden folgende Fondsmanager nominiert:

Andrew Balls

PIMCO GIS Euro Bond (Morningstar Analyst Rating: Silver)

Andrew Balls, seit 2006 bei PIMCO, zeichnet erst seit Februar 2009 für den PIMCO GIS Euro Bond verantwortlich, verpasst als Mitglied des Investment-Komites allerdings allen PIMCO-Bond-Fonds seinen Stempel. Zusätzlich leitet er das europäische Rententeam von PIMCO, das den klassischen PIMCO-Ansatz aus den USA anwendet: längerfristige, makro-ökonomisch getriebene Wetten mit einem Horizont von 3 bis 5 Jahren. Zusätzlich werden nach dem Bottom-up-Verfahren die einzelnen Emissionen bewertet. Auch wenn man sich bei PIMCO der Index-Zusammensetzung bewusst ist, kommen oft abweichende Top-down-Meinungen des Managements zum Tragen. Der langfristig positive Ausblick für Emerging Markets hat etwa seinen Niederschlag in nicht unerheblichem Umfang in diesem Fonds ebenso gefunden wie Unternehmensanleihen seit 2008. Diese beiden Entscheidungen haben die Rendite in den vergangenen Jahren beflügelt.

Der Fonds hat seine Vergleichsgruppe in jedem Kalenderjahr seit 2009 übertroffen. Die für Privatanleger aufgelegte „E“-Fondstranche konnte seit Antritt Balls eine annualisierte Rendite von 8,21% erzielen und damit den Citi EuroBig EUR Index deutlich übertreffen, der nur um 4,93% pro anno zulegte. Auch 2012 lag der Fonds deutlich vor dem Index und der Vergleichsgruppe ‚Anleihen EUR diversifiziert‘.

Paul Causer & Paul Read

Invesco Euro Corporate Bond (Morningstar Analyst Rating: Silver)

Paul Causer und Paul Read stehen für Kontinuität und herausragende Erfahrung: Sie leiten das Bond-Team bei Invesco Perpetual seit 1995 und verantworten den Fonds seit Auflage im März 2006. Sie wenden den identischen Makro-orientierten Ansatz an, mit dem sie bereits mit anderen Mandaten erfolgreich waren. Sind sie von einer Idee überzeugt, setzen sie sie ungefiltert um. Dabei nehmen sie auch Underperformance-Phasen in Kauf, so auch 2011, als sie wegen einer Wette auf Finanztitel ihrer Kategorie hinterherhinkten (die wiederum 2012 eine deutlich Outperformance brachte).

Ungeachtet gelegentlicher Underperformance-Phasen haben Causer und Read Mehrwert in unterschiedlichen Marktphasen für Anleger erwirtschaftet. Seit seiner Auflage konnte der Fonds per Ende 2012 den Durchschnitt der Kategorie ‚Unternehmensanleihen EUR‘ um 3,23 Prozentpunkte pro Jahr übertreffen.

Tanguy Le Saout & Cosimo Marasciulo

Pioneer Funds Euro Aggregate Bond (Morningstar Analyst Rating: Silver)
Pioneer Funds Euro Bond (Morningstar Analyst Rating: Bronze)

Tanguy Le Saout leitet das europäische Bond-Team bei Pioneer und ist in hohem Maße verantwortlich für den Erfolg der Mannschaft. Er implementiert einen Risiko-Budget-Ansatz, innerhalb dessen Grenzen die Analysten und Fondsmanager flexibel agieren können. So waren zwischen Herbst 2011 und Herbst 2012 Euroland-Peripherieländer übergewichtet.

Le Saout und Cosimo Marasciulo arbeiten seit 12 Jahren zusammen und wenden einen Top-down-Ansatz an. Zunächst steht die Entscheidung über die Aufteilung der Fondsgelder auf Staats- und Unternehmensanleihen, anschließend folgt die Entscheidung über die Duration.

Die Wetten Le Sauouts und Marasciulos haben sich langfristig auf bemerkenswerte Weise ausgezahlt. Von März 2008 bis Ende 2012 konnte der Euro Aggregate Bond pro Jahr eine Rendite von 6,82% erzielen, ein Mehrwert von 2,91 Punkten per anno gegenüber der Kategorie ‚Anleihen EUR diversifiziert‘ und 1,27 Prozentpunkte mehr als der Index Barclays Euro Aggregate Bond. Auch wenn der zweite Fonds, der Pioneer Euro Bond – wie die meisten auf Euro-Staatsanleihen konzentrierten Fonds – hinter der JPMorgen EMU Benchmark liegt, konnte er seit März 2004 mit einem Plus von 4,26% pro Jahr seine Vergleichsgruppe deutlich übertreffen (plus 3,52% pro Jahr).

 

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