PIMCO: Investieren wird riskanter

Mohamed El-Erian, CEO des weltgrößten Bond-Managers, warnt vor steigender Markt-Volatilität. Aktien- und Kreditrisiken in PIMCO-Fonds werden gesenkt.

Ali Masarwah 26.02.2013

Wenn der weltgrößte Bond-Manager PIMCO an normalen Tagen seine Einschätzung zu den Kapitalmärkten kundtut, dann wird das mit routiniertem Interesse zur Kenntnis genommen. Wenn sich PIMCO-Chef Mohamed El-Erian einen Tag nach der italienischen Chaos-Wahl über die Zukunft des Investierens live vor Investoren äußert, dann klebt das Publikum an seinen Lippen. So geschehen am Dienstag dieser Woche in Frankfurt auf dem Institutional Money Kongress, einem der wichtigsten Branchenevents für Profi-Investoren im deutschsprachigen Raum.

„Heute geht es nicht nur darum, das steigende Risiko zu managen, entscheidend wird sein, wie man es tut“, sagte El-Erian. Dabei ließ der PIMCO-Chef keinen Zweifel, dass die Kursverluste an den Aktienmärkten - wie nach der Italien-Wahl geschehen - typisch sein werden: „Das Risiko an den Märkten wird steigen“, ist sich El-Erian sicher. Investoren müssten dabei umdenken, da sich das Risiko nicht mehr an Asset-Klassen festmachen lasse. „An den Bond-Märkten der Industrieländer dominieren nicht mehr die Zinsrisiken, die Kreditrisiken rücken immer stärker in den Fokus“, so der PIMCO-CEO. Deshalb reiche das herkömmliche Risiko-Verständnis bei der Konstruktion von Portfolios nicht mehr aus. „Diversifikation reicht nicht mehr, Investoren müssen ihre Risiken völlig neu definieren und überlegen, wie sie sich gegen sie absichern können“, rät er.

Deleveraging in den Industrieländern, leveraging in den Schwellenländern

Die Welt der Kapitalanlage wird heute laut El-Erian von zwei Themen dominiert: der Entschuldung und Konsolidierung in den Industrieländern (die von einer Expansion in den Schwellenländern begleitet werde) sowie von pervertierten Zinsmärkten, die „von der Politik und den Zentralbanken dominiert“ seien. Aufgrund der künstlichen Niedrigzinspolitik seien FED und Co. inzwischen zu Akteuren geworden und beschränkten sich nicht länger auf die Rolle von Schiedsrichtern. Mit potenziell verheerenden Folgen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die „Reise in vollkommen unbekanntes Terrain“ gut ausgeht, bezifferte der PIMCO-CEO auf „unter 50%“ und fügte hinzu: „Natürlich hofft jeder von uns, dass die Zentralbanken mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik und dem quantitative easing der Politik den Rücken freihalten und diese durch Reformen die globale Wirtschaft zu neuem Schwung verhilft, aber wir müssen als Geldverwalter nüchtern die Szenarien gegeneinander abwägen“.

PIMCO senkt die Aktien- und Credit-Risiken 

Laut dem PIMCO-Chef drohen erhebliche Kollateralschäden der so genannten financial repression. So würden Lebensversicherer unter den Bedingungen der Nullzinspolitik große Probleme bekommen. Darüber hinaus drohten Abwertungswettläufe zwischen den Währungsblöcken, steigende Inflationsraten bei gleichzeitig niedrigem Wirtschaftswachstum sowie eine Erosion der politischen Systeme im Westen, schlimmstenfalls sogar soziale Unruhen.

Angesichts der niedrigen Wachstumsraten in Nordeuropa bzw Schrumpfungsraten in Südeuropa würden Investoren nicht in großem Stil Aktien-Risiken eingehen. „Wir sind bereits auf hohen Bewertungsniveaus angekommen, Anleger sind nicht überzeugt, dass die steigenden Kurse bei Risiko-Assets auch tatsächlich fundamental gerechtfertigt sind“, gab Mohamed El-Erian zu bedenken. Dies mache sich auch in den Wertpapierportfolios von PIMCO bemerkbar: „Wir senken graduell die Risiken bei Unternehmensanleihen und Aktien und setzen stärker auf reale Vermögenswerte sowie Alpha-Overlays“, so der PIMCO-CEO. Darüber hinaus riet er Investoren, sich gegen Inflation abzusichern und nicht allzu große Laufzeitrisiken auf der Rentenseite einzugehen.

Doch Trübsal sollten Anleger, die dem Kapitalmarkt-Szenario von PIMCO folgen, nicht blasen. Auch wenn El-Erian steigende Spannungen und gelegentlich Einbrüche an den Märkten in den nächsten Jahren für wahrscheinlich hält, schließt das „Durchwurstelszenario“ eben auch den großen Crash a la Lehman aus. Es gebe zahlreiche Opportunitäten und Nischen, etwa bei kleinen und mittelständischen Unternehmen in den USA und auch an exotischen Märkten in den Schwellenländern, wie etwa dem Häusermarkt in Brasilien, der nunmehr für Anleger zugänglich gemacht worden sei. „Man muss heute eine tüchtige Portion Opportunismus mitbringen“, ist sich El- Erian sicher.

An den Kapitalmärkten ließ es sich bis zur Italienwahl gut surfen

El-Erian und PIMCO-Gründer Bill Gross vergleichen heute die Rahmendbedingungen für Investoren mit einem Surfer-Wettbewerb (PIMCO ist in Süd-Kalifornien beheimatet, wo das Wellenreiten Kultstatus hat). Investoren könnten wie Surfer 2 typische Fehler machen: zu lange auf die Perfekte Welle warten und mangels Aktivität aus dem Wettbewerb ausscheiden, oder zu überhastet die nächstbeste Welle reiten und untergehen.

In der heutigen liquiditätsgetriebenen Welt erfordere es viel Geschick, nachhaltig erfolgreich zu agieren. „In den vergangenen Monaten hat das Surfen wunderbar geklappt, die Aktienindizes in Amerika, Europa und Japan haben teilweise langjährige Höchststände erreicht - bis gestern die Nachricht eines politische Patts in Italien kam. Das zeigt, dass Anleger die fundamentale Situation nicht außer Acht lassen dürften“, warnte der PIMCO-CEO das Investoren-Publikum.

Ob Vermögensverwalter hierzulande den Rat des obersten PIMCO-Chef beherzigen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Wie Morningstar-Daten zeigen, haben Investoren in den vergangenen 6 Monaten die Risiken in Anleihefonds systematisch hochgefahren (lesen Sie hier mehr). Ob die europäischen Kapitalmarktsurfer auch die Risiken rechtzeitig heruntergefahren haben, dürfte die Performance-Bilanz von Aktien- und Rentenfonds in den nächsten Wochen zeigen.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich