Emerging Markets Bonds: Von Chancen und Tretminen

Portfoliomanager William Ledward von Franklin Templeton nimmt uns mit auf eine Reise durch die Welt der Anleihen von Staaten und Unternehmen aus Emerging Marktes.

Maarten van der Pas 27.02.2013

Auf der Jagd nach Renditen wird der Blick der Investoren in diesem Jahr auch auf Anleihen von Staaten oder Unternehmen aus Schwellenländern fallen. In den Industrieländern sind die Zinsen in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken, so dass es nun eigentlich nur nach oben gehen kann – aber die Zinsen dürften noch eine Zeit lang künstlich niedrig gehalten werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Auf der Suche nach einer annehmbaren Rendite sind die Investoren somit gezwungen, sich nach anderen Anlagemöglichkeiten umzusehen. Regierungen und Unternehmen in Schwellenländern freuen sich über das Interesse der Investoren und empfangen sie mit offenen Armen. Denn sie wollen wachsen und brauchen dafür Geld.

Portfoliomanager William Ledward von der Fondsgesellschaft Franklin Templeton nimmt uns mit auf eine Reise durch die Welt der Anleihen von Staaten und Unternehmen aus Emerging Marktes. Der Schwellenländer-Experte im  Interview mit unserem niederländischen Morningstar-Kollegen Maarten van der Pas.

Rund um den Globus

Für eine Anlage in Schwellenländer gelten ähnliche Regeln wie für das Reisen. Allein die Tatsache, dass man heutzutage einfach und günstig in jeden noch so entlegenen Winkel der Welt fliegen kann, bedeutet nicht, dass man das auch immer tun sollte. An Orten, an denen man als Reisender Probleme bekommen könnte oder wo es gefährlich werden könnte, stößt auch ein Investor auf Schwierigkeiten. So gibt es vielerorts Beschränkungen für ausländische Investoren und es kommt vor, dass Anlegern steuerliche Nachteile entstehen oder sie rechtliche oder regulatorische Hindernisse antreffen. „Der Weg zu einer renditestarken Anleihe aus einem Schwellenland führt durch ein Feld voller Landminen“, warnt Ledward, der eine opportunistische Fixed Income-Strategie für Schwellenländer bei Franklin Templeton verwaltet. „Aber es bleibt eine sehr vielversprechende Anlageklasse“, fügt er hinzu.

Vier Anlagekategorien

Anleihen aus Schwellenländern (oder Emerging Markets) lassen sich in vier Kategorien einordnen: Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen, in lokaler Währung oder harter Währung wie Euro oder Dollar. Das zeigt, wie viele Diversifikationsmöglichkeiten es gibt - schließlich hat man dann noch Länder, Unternehmen, Währungen und Zinskurven zur Auswahl. 

Die etablierteste Anlagekategorie sind Staatsanleihen in harter Währung. Anfangs waren viele Schwellenländer gezwungen, ihre Papiere in Dollar auszugeben, um zögerliche Investoren zu überzeugen. Im Laufe der Zeit sind die Anleger aber mutiger geworden und die Emittenten finden auch für Staatsanleihen in lokaler Währung Abnehmer. Die Papiere zeichnen sich durch eine relativ hohe Rendite und Währungsgewinne aus. China und Indien haben aber Beschränkungen für ausländische Anleger eingeführt, und in Brasilien gibt es sogar eine Art Zutrittssteuer, die im Voraus zu entrichten ist. „Brasilien wollte mit dieser Maßnahme verhindern, dass eine starke Nachfrage nach dem brasilianischen Real zu einem Anstieg des Wechselkurses führt. Denn im vergangenen Jahr hatten Währungsschwankungen am Markt eine starke Volatilität zur Folge”, erklärt Ledward. Für den Anleger hat das aber einen großen Nachteil: „Dadurch liegt man mit seiner Investition von vorneherein 6 Prozent im Minus“.

Schwellenländer-Währungen sind sehr schwankungsanfällig. Denn in Krisenzeiten ziehen sich die Investoren aus fremden Ländern zurück und drücken auf die Wechselkurse. Sobald es wieder ruhiger ist, kommen sie schlagartig wieder, was zu einem plötzlichen Anstieg der Nachfrage nach der Lokalwährung führt. Zudem sind viele Schwellenländer stark exportorientiert und daher auf wettbewerbsfähige Wechselkurse angewiesen. Als Investoren sollte man sich im Klaren darüber sein, dass Regierungen dieser Länder nicht zögern, plötzliche Maßnahmen zu ergreifen, um einer Aufwertung ihrer Währung Einhalt zu gebieten.

Es kann aber nicht nur schwierig sein, in ein Land hineinzukommen, Ledward hat es auch schon erlebt, dass Investoren ein Land nicht mehr verlassen konnten. „Wir haben ein Jahr gebraucht, bis wir aus Malawi herauskamen“, sagte er – mehr dazu sagen wollte er nicht. Auch in Ägypten müsse man mit Komplikationen rechnen. „Die Zentralbank will nicht, dass man seine ägyptischen Pfund aus Anleiheinvestitionen in US-Dollar umtauscht“, erklärt er. „Man weiß letztlich nicht, zu welchem Kurs man seine Investition wieder aus dem Land abziehen kann. Manchmal ist man in einem Land gefangen, und man hat keine andere Wahl, als sein Geld dort wieder zu investieren.“ Dieser Gefahr kann man aus dem Weg gehen, indem man in Staatsanleihen mit harter Währung investiert.

Tretminen, auf die Investoren achten müssen

Unternehmensanleihen in Lokalwährung gibt es im Vergleich zu den anderen Anlagekategorien noch nicht lange. „Der besondere Reiz einer Investition in Unternehmensanleihen in Lokalwährung liegt darin, dass die Papiere eine natürlicher Absicherung gegen Währungsschwankungen sind, denn diese Volkswirtschaften sind stark von der Exportwirtschaft getrieben“, sagt Ledward.
Und trotz der Gefahr von Unternehmenspleiten und volatiler Kurse ist der Bond-Profi der Meinung, dass man diese Anlagekategorie nicht außen vor lassen sollte. In diesem Bereich seien auch noch Schnäppchen zu finden. „Aber man muss vorsichtig sein.

Man kann das Thema Corporate Governance noch nicht abhaken, und einige Firmen sind in den Händen von Kriminellen. Es gibt eine Menge Landminen, auf die man treten kann. Idealerweise sollte man nur kleine Positionen eingehen, um den möglichen Schaden zu begrenzen.“ Selbst Ledward hatte vergangenes Jahr eine Mine in seinem Depot: „Wir haben eine ansehnliche Summe verloren und der Schaden war nicht eben erfreulich. Aber die Mine hat uns nicht umgebracht und glücklicherweise auch nicht die in dem Jahr erzielte Rendite ausgelöscht“. Um welches Unternehmen es sich handelte, wollte Ledward nicht sagen.

Eine Investition, die Ledward bisher keine Probleme gemacht hat, ist zum Beispiel Cemex – für den Anleiheexperten ein Schnäppchen. Der mexikanische Zementhersteller hatte immer einen großen Bogen um den Bondmarkt geschlagen. Aber nach mehreren schlechten Geschäften verlor Cemex sein gutes Rating und bekam von den Banken keine Kredite mehr. Dennoch steht Ledward dem mexikanischen Unternehmen positiv gegenüber. „Wenn es am schlimmsten aussieht, ist es Zeit zu kaufen. Wir haben davon profitiert, dass Cemex so negativ eingeschätzt wird.“

In die Kategorie der Unternehmensanleihen fallen auch Papiere, die Ledward als „Quasi-Staatsanleihen“, bezeichnet: Anleihen, die von börsennotierten Privatgesellschaften ausgegeben wurden, an denen die Regierung mehr oder weniger stark beteiligt ist. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Öl- und Gasproduzenten, wie etwa Gazprom oder Petrobras, oder nationale Bahnbetriebe.

Eine veritable Hype um Schwellenländer-Bonds

Anleihen aus Schwellenländern stehen bei Investoren gerade hoch im Kurs. Denn trotz all der Schwierigkeiten haben sich viele Investoren nicht abschrecken lassen und die Nachfrage ist stark gestiegen. „Es war ein enormer Bullenmarkt, die Rendite ist in den vergangenen Jahren stark gesunken”, erzählt Ledward. „Der JPM Emerging Market Bond Index rentiert derzeit mit 4,64%, das ist noch immer über dem niedrigsten Niveau von 4,33 zum Jahresanfang. Aber vor einem Jahr brachten die Papiere im Index noch im Schnitt 5,6%”.

Ledward warnt vor Übertreibungen. „Sambia wollte eine Staatsanleihe zu 5,25% ausgeben, aber das ist bei weitem zu wenig für eine derart riskante Investition. Die Länder versuchen, aus dem aktuellen Trend Profit zu schlagen.“ Auch bei Unternehmen muss man laut Ledward genau hinschauen, auch auf die Währung: „Ein sambisches Elektrizitätsunternehmen wollte Geld in Dollar aufnehmen, erzielt aber seine Umsätze und bilanziert in der lokalen Währung. Solche Unternehmen sollten keine Kredite in harter Währung aufnehmen, sondern in der heimischen Währung.“

Damit hat es fast den Anschein, als kehre Ledward all die Vorzüge einer Investition in Wertpapiere aus Schwellenländern unter den Teppich. Diesen Vorwurf lässt er aber nicht auf sich sitzen. „Ich bin mir dessen bewusst, dass ich manchmal gegen meine eigene Anlageklasse argumentiere“, sagt er. Aber langfristig gesehen stehe er Schwellenländer-Anleihen definitiv positiv gegenüber. „Gleichwohl wird die Performance nicht so hoch sein wie im vergangenen Jahr. Die 17%, die 2012 erreicht worden sind, werden so schnell nicht wiederkommen.“

William Ledward wird auf der Morningstar Investment Conference Europe am 14. März einen Vortrag über Schwellenländer-Anleihen halten mit dem Titel „Anleihen aus Schwellenländern – mehr als nur eine vielversprechende Anlageklasse”.

Über den Autor Maarten van der Pas

Maarten van der Pas  is Financial Markets Editor bij Morningstar Benelux