Probieren Sie´s doch mal mit Rebalancing

Die regelmäßige Zurückführung des Portfolios auf seine Ursprungsgewichtung ist ein nicht zu unterschätzender antizyklischer Faktor, der Ihr Portfolio stabilisieren kann.

Ali Masarwah 17.04.2013

Es gibt viele Gründe, die Gewichtung der verschiendenen Assets in einem Portfolio im Zeitablauf zu verändern. Die persönliche Situation eines Anlegers kann sich dergestalt verändern, dass eine Senkung oder Erhöhung des Risikos opportun erscheint. Oder die fundamentale Einschätzung zu einer Anlageregion oder Asset-Klasse ändert sich. Es gibt jenseits dieser grundlegenden Veränderungen der Portfolio-Struktur aber eine andere Form der Adjustierung der Asset-Allokation: Das so genannte Rebalancing, also die regelmäßige Zurückführung des Portfolios auf seine Ursprungsgewichtung. Diese regelmäßige Adjustierung des Portfolios macht Buy-and-Hold-Anlegern vielleicht mehr Arbeit und kostet mehr Zeit, als sie eigentlich in ihre Portfolio-Pflege investieren wollten, ist aber eine sehr sinnvolle Mechanik, auf die wir im Folgenden eingehen wollen.

Die Asset-Allokation ändert sich in Buy-and-Hold-Portfolios im Zeitablauf

Sinn und Zweck einer derartigen aktiven Umschichtung des Depots ist in erster Linie die Risikokontrolle. Die Kurse der verschiedenen Anlageklassen (Aktien, Anleihen oder etwa Rohstoffe) entwickeln sich unterschiedlich, so dass sich im Laufe der Zeit auch ihre Gewichtung im Portfolio verändert. Damit weicht ein Buy-and-Hold-Portfolio von der eigentlichen Asset-Allokation des Anlegers und somit von seiner eigentlichen Zielsetzung ab. Inwiefern? Nun, meist schwankt der Wert riskanterer Investitionen stärker als der anderer Investitionen - dafür bringen diese üblicherweise aber auch mehr Rendite. Bei steigenden Märkten erhöht sich im Laufe der Zeit ihr Anteil im Portfolio. Damit verändert sich auch das Risiko. Schichtet man Geld von der einen in die andere Anlageklasse um, wird das Risiko wieder auf den Ausgangswert zurückgeführt.

Doch das ist nicht der einzige Effekt des Umschichtens. Anleger können damit auch die Rendite steigern. Dazu sollte man bei hohen Kursen verkaufen und bei niedrigen Kursen kaufen – eine Paradedisziplin der disziplinierten Geldanlage. Dahinter stehen folgende Überlegungen: Langfristig steigt der Markt. Verschiebt man also sein Geld aus einer gut gelaufenen Anlageklasse in eine unterbewertete Anlageklasse, verhält man sich konträr zur Masse der prozyklischen Investoren, die die Märkte dominieren. Aber auch wenn der Markt fällt, kann sich diese Strategie auszahlen. Verliert ein Markt stark an Wert, ist es wahrscheinlich, dass er sich langfristig wieder in Richtung seines langfristigen Durchschnitts bewegt und somit dem vorausschauenden Investor erfreuliche Erträge einbringt.

Verschiedene Methoden führen alle zum Ziel

Es gibt verschiedene Arten des Rebalancings. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Die meisten Investoren gehen nach dem Faktor Zeit vor: Sie schichten ihr Portfolio zu festen Terminen um, etwa jedes Quartal oder einmal im Jahr. Man kann aber auch einen Schwellenwert festlegen, der eine Umschichtung auslöst, etwa, indem man sich einen Prozentsatz überlegt, den die Gewichtung einer Asset-Klasse nicht überschreiten darf. Beide Methoden führen zum Ziel. Dabei kann man entweder Anteile gut gelaufener Fonds verkaufen, oder aber zusätzliches Geld oder das Geld aus Dividendenausschüttungen in die untergewichtete Anlageklasse investieren. Wie Sie da vorgehen, hängt von Ihren persönlichen Präferenzen ab und davon, wie viel Geld Sie zur Verfügung haben.

Wie Sie sehen, muss man keinen großen Aufwand betreiben, um sein Portfolio stabil zu halten. Dennoch haben wir beobachtet, dass viele Investoren dennoch kein Rebalancing vornehmen. Über die Gründe scheiden sich die Geister. Möglicherweise nehmen sie sich einfach nicht die Zeit, oder sie haben kein Interesse, sich regelmäßig mit Geldangelegenheiten zu beschäftigen.

Die klassischen Anlegerfehler vermeiden

Verhaltensforscher vermuten aber, dass noch ein anderer Grund dahintersteckt: Investoren reagieren bei Schwankungen am Markt nicht so, wie es gut für sie wäre. Während einer Hochphase nehmen Anleger üblicherweise höhere Risiken in Kauf (wer will schon eine gute Gelegenheit verpassen?), auch wenn es wenig wahrscheinlich ist, dass die Anlageklasse weiter in diesem Ausmaß und Tempo steigt. Dennoch passen die Anleger ihre Positionen nicht an und stecken manchmal sogar noch mehr Geld in die gut gelaufenen Assetklassen. Im Gegensatz dazu schrecken viele Anleger davor zurück, bei fallenden Kursen mehr in Anlageklassen zu investieren, die sich schlechter entwickelt haben und deren Gewichtung dadurch gesunken ist. Je höher die erlittenen Verluste sind, desto zurückhaltender werden die Investoren.  

Es gilt also, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und sich in Disziplin zu üben.

Dieses Verhalten lässt sich vor allem bei jungen Investoren beobachten, weil sie häufig auch nur kleine Summen zur Verfügung haben. Wenn man nur ein paar Tausend Euro investieren kann, schmerzt jeder Basispunkt Verlust. Deswegen laufen besonders junge Investoren Gefahr, die Vorteile einer Umschichtungen zu unterschätzen. Dabei kann eine Umschichtung zwar kurzfristig dazu führen, dass der Wert des Portfolios stärker schwankt – auf lange Sicht aber bleibt das Risiko konstant.

Es gilt also, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und sich in Disziplin zu üben. Übrigens sollten vor allem junge Anleger, die noch eine lange Ansparphase vor sich haben, ihr Depot aktiv anpassen und damit einen wichtigen Grundsatz der disziplinierten Geldanlage beherzigen. Oft ist es so, dass Investoren nur beim Aufbau eines Portfolios auf das Risiko achten, das sie eingehen. Setzt man sich aber schon bei der Zusammenstellung seiner Anlagen klare Regeln für die Zukunft und befolgt diese, erspart man sich irrationale Ängste.

Gerade die jungen Anleger sollten dabei bleiben

Als junger Anleger mit einem langen Zeithorizont hat man die Möglichkeit, Schwankungen auszusitzen und muss nicht fürchten, dass sich die Märkte bis zur Rente nicht mehr erholen. Dessen sollte man sich stets bewußt sein. Schließlich soll sich das Portfolio über einen Zeitraum von über 40 Jahren entwickeln. Unruhige Zeiten, selbst so große Verwerfungen wie in den Jahren 2008/2009, sind da nicht mehr als eine vorübergehende Schwächephase.

Beim Umschichten sollten Sie einen strikten Zeitplan einhalten, um diszipliniert vorzugehen und sicherzustellen, dass Sie nicht zu oft umschichten. Zudem sollten Sie das Risiko im Auge behalten. Nach Abzug der Kosten macht es keinen großen Unterschied für den Ertrag und Risiko, ob Sie täglich, monatlich, vierteljährlich oder jährlich umschichten. Aus psychologischen und steuerlichen Gründen aber sollten Sie Ihr Depot möglichst selten anpassen.

Am einfachsten ist es sicherlich, einen festen Termin im Jahr oder Quartal einzuplanen. Sind Sie sehr risikoscheu? Dann sollten Sie Ihr Depot möglichst selten überprüfen. Für etwas risikofreudigere Anleger kann es sinnvoll sein, das Portfolio einmal im Quartal zu checken und sich einen Schwellenwert von 5% zu setzen. Überprüfen Sie dann zum Ende jedes Quartals, welche Gewichtung jede Anlageklasse in Ihrem Portfolio hat! Ist eine Assetklasse mehr als 5% von dem Ausgangswert entfernt, sollten Sie eingreifen. Und mit Blick auf die Steuer sollte man dann vielleicht frisches Geld investieren, um die Gewichtung der Assetklassen wieder in die richtige Balance zu bringen. Wenn Sie aber ganz neue Investitionen vornehmen, achten Sie darauf, dass diese zu Ihrer Strategie und Ihrer Risikoneigung passen. Viel Spaß beim Investieren!

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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