Bei Gold steigen derzeit nur die Kosten

Die fast schon panikartigen Verkäufe von Gold in den letzten Tagen haben die Spreads von Gold-ETFs bzw. ETCs massiv ansteigen lassen. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht.

Im Herbst 2011 habe ich an einer Konferenz teilgenommen, bei der „Gold“ das große Thema war. Zu diesem Zeitpunkt stand der Preis nach einer beeindruckenden Rally über $1,700 pro Unze, und es ging nun darum, wie weit der Goldpreis noch steigen wird. Aber spätestens wenn jeder darüber spricht und sogar Ihr Friseur anfängt über Gold zu reden, sollten Sie eher über einen Ausstieg nachdenken. Seit dieser Konferenz hat sich beim Goldpreis kaum etwas getan, und auch in den Schlagzeilen war wenig zu diesem Thema zu finden. Bis Ende letzter und Anfang dieser Woche der Goldpreis massiv eingebrochen ist. Alleine am Montag sackte der Kurs um über 9% ab und markierte ein Zweijahrestief. Innerhalb von zwei Tagen hat das Edelmetall $200 pro Unze an Wert verloren, soviel wie seit der Einführung des Gold-Futures im Jahre 1974 nicht. Zwar hat der Goldpreis kontinuierlich seit Oktober letzten Jahres an Wert verloren, da Investoren zunehmend wieder in Aktien anlegen, der massive Kurseinbruch innerhalb weniger Tage sucht aber historisch seines Gleichens. Getrieben wurde der Preisverfall durch Zyperns Ankündigung, Teile ihrer Goldreserven abzustoßen, um den Schuldenberg zu reduzieren. Weiter zugespitzt haben sich die Ereignisse dann am Montag, als China – Großabnehmer des Edelmetalls – schlechtere Wirtschaftsdaten veröffentlichte als erwartet.

Wenn Sie nun eine Anlagestrategie wie Warrent Buffett fahren (hoffentlich mit demselben Erfolg) und kaufen, wenn alle verkaufen, hilft unser wöchentlicher Spread-Bericht Ihre Kosten beim Goldpreis zu minimieren. Denn ein antizyklisches Vorgehen hilft auch, die Handelskosten zu minimieren, wie wir gleich sehen werden.

Zum Hintergrund: Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das Eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade in illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese häufig übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Insgesamt gibt es zahlreiche ETFs bzw. ETCs, die den Goldpreis abbilden. In dieser Ausgabe wollen wir aber nicht nur  wie sonst an dieser Stelle die engsten Spreads der vergangenen 30 Handelstage betrachten, sondern zeigen, dass „Panikverkäufe“ wie in den letzten Tagen beim Gold die Spreads stark beeinflussen können. Es kommt also nicht nur darauf an, wo Sie welches Produkt kaufen, sondern auch wann. Es sollte zudem beachtet werden, dass es unterschiedliche rechtliche Strukturen zwischen Gold-ETFs aus der Schweiz von Gold-ETCs im restlichen Europa gibt. In der Schweiz gelten Gold-ETFs als Sondervermögen und können daher als Fonds klassifiziert werden. Im Gegensatz dazu sind Gold-ETCs in Europe rechtlich gesehen Schuldverschreiben, obwohl Sie auch meist mit Gold physisch besichert sind. Laut der EU-Fondsrichtlinie Ucits darf ein Fonds nicht zu mehr als 20%, in Ausnahmefällen 35%, in Titel eines Emittenten oder in einen Rohstoff investiert sein. Damit soll eine ausreichende Diversifikation gewährleistet werden.

In der folgenden Tabelle haben wir wie üblich den 30-Tagesdurchschnitt aller Gold-ETFs bzw. Gold-ETCs in Europa aufgelistet und diese mit den Spreads der vier Handelstage von Donnerstag dem 11. April bis Dienstag den 16. April verglichen.

Die „kritischen“ Tage für Gold waren der Freitag und vor allem der Montag. Am Donnerstag lagen die Spreads bei den Produkten noch um den 30-Tagesdurchschnitt, sind dann aber am Freitag und insbesondere am Montag regelrecht explodiert. Nehmen wir als Beispiel den ZKB Gold ETF (USD), der mit einem Fondsvermögen von €5,7 Milliarden das größte Produkt am Markt ist. In den 30 Handelstagen vom 4. März bis 16. April lag der Spread bei durchschnittlich 9 Basispunkten, wie auch noch am Donnerstag vergangener Woche. Am Freitag ist der Spread dann bereits auf 13 Basispunkte gestiegen, bevor das Produkt am Montag mit 19 Basispunkten – also doppelt so weit wie im Durchschnitt üblich – am Markt gehandelt wurde. Dasselbe Phänomen finden wir bei anderen Produkten auch. Der Lyxor Gold ETN ist sogar von einem durchschnittlichen Spread von 28 Basispunkten auf 106 Basispunkte explodiert. Der Spread beim Source Physical Gold P-ETC ist hingegen lediglich um 19% angestiegen. Am Dienstag haben sich die Spreads dann wieder Richtung 30-Tagesdurchschnitt beruhigt.

Dennoch, der Xetra-Gold ETC hebt sich etwas aus der Masse heraus. Zwar explodieren die Spread des von der Deutschen Börse Commodities GmbH emittierten Produkts wie bei allen anderen auch, jedoch sind die Spreads immer noch sehr günstig. In den 30 Handelstagen, weist der ETC einen Spread von lediglich 3 Basispunkten auf und ist damit um über die Hälfte günstiger als das Produkt von ETF Securities auf dem zweiten Platz mit 7 Basispunkten. Noch deutlicher wird der Unterschied am Montag als der Spread beim Xetra-Gold ETC auf 5 Basispunkten ansteigt, während das zweit günstigste wieder ein ETF Securities-Produkt ist, dass jedoch ein Spread von bereist 13 Basispunkten aufweist.

Der Spreadanstieg ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die „Panikverkäufe“ zu einem Überangebot bei den Market Makern geführt haben und sowohl das Hedging teurer wurde, als auch die Handelsbücher größer, was wiederum zu steigenden Kosten führte. Diese Kosten werden letztendlich auf den Anleger umgelegt, auch mit der Hoffnung, dass die weiten Spreads und die damit verbundenen hohen Handelskosten Investoren abschrecken.

Wie immer sollten bei der Kostenanalyse aber auch die Management-Gebühren im Auge gehalten werden. Die durchschnittlichen Spreads reichen von 3 Basispunkten beim Xetra-Gold bis zu 58 Basispunkte beim ETF EUR Daily Hedged Gold ETC. Bei den Management-Gebühren verlangen die Anbieter zwischen 25 Basispunkten (iShares) und 80 Basispunkten (Lyxor).

Über den Autor

Gordon Rose, CIIA, CAIA,

Gordon Rose, CIIA, CAIA,  ist Fondsanalyst bei Morningstar.

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