Spreads von Türkei-ETFs explodieren

Die türkische Wirtschaft entwickelt sich solide – eigentlich. Die Unruhen haben allerdings viele Investoren zu Panikverkäufen veranlasst. Das hatte Folgen für die Handelskosten. 

Bisher war die Türkei eine Insel der Stabilität. Das Land ist eingekesselt zwischen dem kriselnden Euroraum und dem politisch angespannten Mittleren Osten. Auch wenn die Schuldenkrise nicht spurlos an der Türkei vorbeiging, wächst die Wirtschaft weiter. Das Wachstum blieb letztes Jahr zwar mit 2,2% deutlich unter den Erwartungen der Regierung von 4% zurück. Für das laufende Jahr geht die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung aber wieder von 3,7% und der IWF von 3,4% BIP-Wachstum aus.

Viele Investoren setzen auf eine weitere Kreditheraufstufung des Landes. Fitch hat die Türkei bereits Ende 2012 auf Investment-Grade heraufgestuft, Moody’s und S&P raten das Land eine Stufe darunter. Durch ein zweites Investment-Grade-Rating dürften viele institutionelle Investoren, die derzeit aus regulatorischen oder anderen Gründen nicht in die Türkei investieren dürfen, massiv Geld in den türkischen Aktienmarkt spülen und damit für eine Kursrally sorgen.

Felix Türkei? Heute stehen die Unruhen für Anleger im Vordergrund

Mittlerweile haben das Land aber auch die politischen Unruhen aus den Nachbarländern eingeholt. Grund für die Proteste ist Premierminister Recep Tayyip Erdogan, der dem Land offenbar mehr Islamismus einhauchen möchte. Das trifft jedoch bei Teilen der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe. Als Folge der Krawalle am Wochenende ist der Aktienmarkt am Montag um über 10% eingebrochen. Die hohe Volatilität spiegelt sich auch in den Spreads wieder. Um die Rendite zu maximieren, sollten Investoren immer ein Auge auf die Kosten werfen und in Tagen extremer Marktvolatilität überlegen eventuell abzuwarten, um die Handelskosten gering zu halten.

Zum Hintergrund: Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das Eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade in illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese häufig übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Insgesamt können Investoren zwischen 8 ETFs auf den türkischen Aktienmarkt auswählen. Die Indexauswahl ist mit dem MSCI Turkey Index und dem DJ Turkey Titan Index jedoch eher beschränkt. Auf den ISE 100-Index etwa gibt es keinen ETF. Der MSCI Turkey Index ist anhand der Marktkapitalisierung gewichtet und hält derzeit 25 türkische Unternehmen. Der Index ist sehr kopflastig, wobei die drei größten Unternehmen circa 35% des Gesamtindex repräsentiert. Der DJ Turkey Titans 20 Index deckt hingegen lediglich die 20 größten Unternehmen ab und beschränkt die maximale Gewichtung je Aktien auf 10%. Dennoch repräsentieren die fünf größten Unternehmen die maximal erlaubte Gewichtung von 50%.

In den 30 Handelstagen vom 23. April bis 5. Juni weist der Lyxor ETF Turkey (DJ Turkey Titan 20) mit 20 Basispunkten den engsten Spread auf. Auf den Plätzen folgen die beiden iShares MSCI Turkey mit jeweils 24 Basispunkten.

Tabelle: Welche Türkei-ETFs die niedrigsten Handelskosten aufwiesen 

Ab dem viertplatzierten, der UBS-ETF MSCI Turkey I, mit einem Spread von bereits 38 Basispunkten geht es Schlag auf Schlag weiter bis zum HSBC MSCI Turkey ETF, der bereits ein Spread von 67 Basispunkten aufweist und damit mehr als dreimal so teuer ist wie der ETF von Lyxor.

Interessant ist der ETF von UBS mit seinen zwei Anlageklassen. Die Anlageklasse „I“ ist primär für institutionelle Anleger gedacht und weist daher eine geringere Management-Gebühren aus. Die Anlageklasse „A“ ist für Privatinvestoren und weist daher eine höhere Management-Gebühr auf. Da die Anteilsklasse „I“ eher außerbörslich gehandelt wird, hatten diese Produkte in der Vergangenheit eigentlich immer einen weiteren Spread. Diesmal scheint dies nicht der Fall zu sein. Eventuell handeln institutionelle Anleger dieses Produkt eher über die Börse und da es eine Mindestanlage von €10,000 gibt, kann das höhere Handelsvolumen die engeren Spreads erklären.

Spreads explodierten bei Türkei-ETFs - jedenfalls bei fast allen

Aber zurück zu den politischen Unruhen in der Türkei. Nach den Ausschreitungen am vergangenen Wochenende ist der türkische Aktienmarkt am Montag dem 3. Juni um über 10% eingebrochen. Neben den Kursverlusten sind auch die Spreads im Vergleich zum 30-Tagesdurchschnitt in die Höhe geschossen. Die Spreads beim EasyETF DJ Turkey Titans 20 sind um über 50% angestiegen. Aber auch bei anderen Anbietern sind die Spreads meist um 20%-40% explodiert. Nur der in Deutschland ansässige ETF von iShares zeigte sich nahezu immun gegen die Demonstrationen. Der Spread stieg hier lediglich um 8% an.

Die höheren Spreads sind unter diesen Gegebenheiten rational erklärbar. Market Maker müssen sich in der Regel beim Handel gegen Kursbewegungen absichern, bis sie entweder den ETF beim ETF-Anbieter kreieren oder einlösen können. Eine große Preiskomponente beim Hedging wird durch die Marktvolatilität bestimmt. Bricht also ein Markt um über 10% ein, springt die Volatilität sprunghaft an und das Hedging wird teurer. Das lassen sich Market Maker natürlich in Form höherer Spreads durch den Investor bezahlen.

Investoren sollten also an solchen Tagen immer die Kosten gegen das Kurspotenzial abwiegen. Sollte der Aktienmarkt am nächsten Tag sich wieder erholen, dann spielen 20 Basispunkte mehr oder weniger beim Spread eine untergeordnete Rolle. Erholt sich der Markt jedoch nicht, dann macht es einen Unterschied, ob der Spread 50% weiter ist als üblich. Risiko und Rendite gehen in der Finanzwelt immer Hand in Hand.

Über den Autor

Gordon Rose, CIIA, CAIA,

Gordon Rose, CIIA, CAIA,  ist Fondsanalyst bei Morningstar.

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