Aus eins mach vier: Granulare Portfolios für das Anlegervolk!

Im ersten Teil unserer Serie haben wir gezeigt, dass man auch mit kleinen Sparraten Portfolios bauen kann. Im zweiten Teil analysieren wir die Möglichkeiten, sukzessive ein noch diversifizierteres Portfolio aufbauen zu können.

Gordon Rose 09.07.2013

Im ersten Teil unserer Serie zum Aufbau eines Portfolios haben wir ein einfaches 60/40-Portfolio gebaut, das in den MSCI World Index und den Barclays Euro Aggregate Bond Index investiert. Ausgehend vom diesem Portfolio können wir nun – abhängig von der Sparrate und dem Gesamtvermögen – bei der Portfoliostruktur sukzessive granularer werden, um die Diversifikation des Portfolios zu verbessern.

Im ersten Schritt kann der MSCI World Index in einzelne Regionen unterteilt werden. Die Ländergewichtung des Index sieht derzeit wie folgt aus:

 

ETFs auf die einzelnen Länder zu kaufen, um den MSCI World Index nachzubilden, ist auf Grund der Transaktionskosten teuer und daher nicht empfehlenswert. Viel zielführender ist es, die Länder in Regionen zusammenzufassen, um ein Weltportfolio zu konstruieren, das anhand der Marktkapitalisierung gewichtet ist. Das haben wir im unteren Schaubild getan. Bei den Ländern „Andere“ handelt es sich um Märkte mit einer sehr geringen Gewichtung. Für unsere Zwecken investieren wir diesen Anteil in Schwellenländer, obwohl der MSCI World Index lediglich in Industriestaaten investiert. Damit schaut unser Aktienportfolio wie folgt aus:

Wir investieren also anstatt wie bisher in einen ETF nun in vier. Für Investoren, die nur in einen Aktien-ETF investieren können und trotzdem in Schwellenländer investieren möchten, bietet sich als Alternative der MSCI ACWI oder der FTSE ACWI an. Beide decken sowohl Schwellenländer als auch Industriestaaten ab. Die Indizes unterscheiden sich zum MSCI World Index in Bezug auf die Ländergewichtung nur geringfügig. So taucht beim MSCI ACWI z.B. China in den Top-10 mit 2% auf, wobei die Niederlande nur noch mit 1% gewichtet ist. Die USA, Großbritannien und Japan bleiben weiterhin die drei größten Länder im Index.

Im nächsten Schritt widmen wir uns den Anleihen in unserem Portfolio. Der eingangs erwähnte Barclays Euro Aggregate Bond Index besteht zu 60% aus Staatsanleihen. Hierzu würde sich der Markit iBoxx € Liquid Sovereigns Capped 1,5-10,5 Index anbieten. Der Index bildet die 25 liquidesten auf Euro laufenden Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 1,5-10,5 Jahren ab und bietet daher ein diversifiziertes Investment über Länder und Laufzeiten. Die restlichen 40% der Anleihenquote sollten dann in Unternehmensanleihen, wie z.B. den Barclays Euro Corporate Bond Index, investiert werden. Auf Grund der Korrelation zwischen den Zinsen und der Inflation und dem Währungsrisiko sollten Investoren bei Anleihen vorzugsweise auf Euro lautende Produkte kaufen.

Zusammenfassend könnte die Entwicklung unserer Portfoliostruktur wie folgt ausschauen:

 

Dank der vielfältigen Auswahl an ETFs, die mittlerweile Zugang zu den kleinsten Nischenmärkten anbietet, können Investoren problemlos ihr Portfolio noch granularer gestalten. Im konkreten Beispiel könnte man Europa in die Eurozone und Großbritannien aufteilen, und Asia Pazifik in Japan und Asia Pazifik ex Japan. Auch bei Anleihen kann man in einzelne Länder investieren und eventuell Anleihen auf andere Währungen beimischen. Investoren sollten jedoch ab einem gewissen Punkt überlegen, ob die Vorteile einer derartigen Diversifikation nicht durch die zusätzlichen Handelskosten aufgefressen werden. Ab einer gewissen Portfoliogröße kann dies durchaus Sinn machen. Vorher ist es jedoch ratsam, eher alternative Anlageklassen beizumischen. Alternative Anlageklassen können eine unkorrelierte Rendite zu Aktien und Anleihen erzielen und das Portfolio dadurch besser durch volatile Märkte steuern. 

Ausgehend von unserer Ausgangsallokation können wir zunächst 2,5% der Aktien- und 2,5% der Anleihenallokation in einen breit aufgestellten Rohstoffkorb investieren. Da viele Anleger bereits direkt in  Immobilien investiert sind, können diese ein ETF auf REITS vernachlässigen. Die restlichen Investoren können hingegen jeweils weitere 2,5% der Aktien- und Anleihenquote in Immobilien umschichten. Hierzu sollte jedoch beachtet werden, dass es sich bei Immobilien-ETFs um indirekte Anlagen in Immobilien handelt und daher eine relativ hohe Korrelation zum Aktienmarkt besteht.

Unser Portfolio könnte sich nach der Beimischung der alternativen Anlageklassen wie folgt darstellen:

Die Handelskosten im Überblick behalten

Nachdem wir einige mögliche Asset-Allokationsansätze diskutiert haben, sollten wir nun ein Auge auf die Portfoliopflege werfen. Kritische Investoren werden sich zudem die Frage stellen, wie die monatliche Sparrate angesetzt werden soll, bzw. aus wie vielen ETFs ein Portfolio bestehen kann bzw. sollte. Hierzu sind natürlich die Handelskosten ausschlaggebend. Viele Banken bzw. Vertriebsplattformen bieten heutzutage ETF-Sparpläne an.

Für ETFs, die nicht im Sparplan des jeweiligen Broker sind, fallen folgende Gebühren an:

 

Beim Verkauf entstehen hingegen immer Kosten. Hierfür verlangen die Broker meist eine relative Gebühr zum Handelsvolumen, jedoch gibt es bei manchen eine Mindest- oder Maximalgebühr. Nachstehende Tabelle zeigt die Handelskosten der drei größten Broker (gemessen an der Anzahl der sparplanfähigen ETFs) im Vergleich. (Stand: Mai 2013)

 

Wer also einen ETF im Wert von €500 verkauft, zahlt mindestens 5% an Gebühren. Macht wenig Sinn, oder?

Aber ab welchem Volumen sind die Handelskosten akzeptabel? Dies hängt natürlich zum einen von der bisherigen Rendite des zu Verkauf stehenden ETFs ab und zum anderen von den persönlichen Präferenzen. Generell kann man jedoch 1% Handelsgebühren als realistisch und akzeptabel betrachten. Bei kostenloser Besparung sind auch 2% Verkaufsgebühren zu verkraften.

Wie legt man also sein Geld mit einem Sparplan an, um ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen, aber gleichzeitig die Handelskosten im Griff behält? Insbesondere in Hinblick auf das Rebalancing sollten sich Investoren zu diesem Thema Gedanken mach. Wir haben bereits in der Vergangenheit das Thema Rebalancing abgehandelt, mit dem Ergebnis, dass jährliches Umschichten in die Ausgangsposition sinnvoll ist. Dabei sollte auch jeweils die aktuelle Asset-Allokation mit der eigenen Lebenslage angepasst werden. So sollte bei einem Portfolio für die Altervorsorge z.B. sukzessive im letzten Drittel der Investmentphase die Aktienquote reduziert werden. Besteht das Portfolio aus mehr als zwei ETFs, sollte zudem beim Rebalancing die Gewichtung der einzelnen Regionen überprüft werde – nicht nur das Aktien-Anleihen-Verhältnis. Verschiedene Portfolio-Strategien können Investoren in unserem Artikel „Sind Sie ein Dynamiker?“ nachlesen.

Wie bereits oben erwähnt, lesen Sie im ersten Teil unserer Serie, wie Sie Ihre Sparrate bestimmen und das regelmäßige Rebalancing handhaben können.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.