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Bei Unternehmensobligationen ist 2014 Schmalhans Küchenmeister

Die europäischen Märkte hängen am Tropf der US-Notenbank. Das ausklingende Anleihenkaufprogramm der Fed wird die Zinsen nicht unberührt lassen. 

Dave Sekera, CFA 07.01.2014

Zum Ende des abgelaufenen Jahres lagen die Risikoaufschläge der Unternehmensanleihen im Morningstar Corporate Bond Index im Schnitt bei +120 Basispunkten - so niedrig wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr und auf dem gleichen Niveau wie im Juli 2007.

Ein Jahr zuvor, Ende 2012, betrug der durchschnittliche Spread +140 Basispunkte. Und noch im Juni 2013 waren die Spreads auf bis zu +167 Basispunkte auseinander gelaufen, als an den Märkten die Angst umging, dass ein Ende des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank der Wirtschaft schaden und die Nachfrage nach riskanteren Anlagemöglichkeiten dämpfen würde.

Doch die Federal Reserve schaffte es, diese Ängste zu zerstreuen, indem sie versprach, ein Ende der Hilfsmaßnahmen von guten Konjunkturdaten abhängig zu machen. Und auch wenn die Fed nun für monatlich zehn Milliarden Dollar weniger Anleihen einsammelt – sie schießt dem Markt damit auch 2014 noch beträchtliche Summen zu. Sollte die US-Notenbank ihre Anleihekäufe weiter in dem jetzigen Tempo reduzieren, läuft das Hilfsprogramm erst im September vollständig aus. Bis dahin würde die Fed für weitere 330 Milliarden Dollar Wertpapiere gekauft haben, in der Summe für mehr als 4,3 Billionen Dollar.

Als die Investoren in der zweiten Jahreshälfte 2013 wieder stärker ins Risiko gingen, machten die Spreads an den Anleihemärkten Boden gut und notierten enger als zuvor. Aber auch wenn die Risikoaufschläge der Unternehmensanleihen im vergangenen Jahr unter dem Strich um 20 Basispunkte zusammenliefen, verbuchte der Morningstar Corporate Bond Index im gleichen Zeitraum ein Minus von 1,50%. Denn die steigenden Zinsen machten die niedrigeren Aufschläge mehr als wett. So stieg die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen um 127 Basispunkte auf 3,03%; die der 30-jährigen Papiere um 101 Basispunkte auf 3,96%.

Enge Spreads und steigende Zinsen beeinflussen Erträge auch 2014

Wir gehen davon aus, dass Unternehmensanleihen im neuen Jahr keine großen Gewinne einbringen werden. Die Zinsen werden weiter steigen und die Spreads notieren bereits so eng wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr. Die anziehenden Zinsen dürften die Erträge aus den derzeit üblichen Renditen der Anleihen wieder zunichte machen. Schon der Zinsanstieg im vergangenen Jahr führte dazu, dass die Papiere im Morningstar Corporate Bond Index im Schnitt nur 3,20% einbrachten, nicht sehr viel mehr als zu den Tiefs 2013. Angesichts dessen und der Tatsache, dass die Investoren versuchen werden, auf andere Laufzeiten umzusatteln, dürften Unternehmensanleihen 2014 Verluste einbringen, sobald die Zinsen in den USA um mehr als 75 Basispunkte steigen (bei gleichbleibenden Spreads).

Derzeit sind die Risikoaufschläge der Titel im Morningstar Corporate Bond Index im Schnitt sehr viel geringer als in der Vergangenheit. Seit Ende 1998 lag der Spread bei  durchschnittlich +171, im Median bei +150. Selbst wenn man die Finanzkrise - vom Kollaps von Lehman Brothers bis Ende Mai 2009 - herausrechnet, liegt der historische Schnitt immer noch bei +155. Auf dem derzeitigen Niveau sind die Spreads nur 40 Basispunkte von dem Rekordtief im Februar 2007 bei +80 Basispunkten entfernt.

Kurzfristig weitere Spread-Einengung zu erwarten

Wir gehen davon aus, dass sich die Risikoaufschläge kurzfristig weiter verringern dürften - trotz der bereits erreichten Niveaus. Das hat mehrere Gründe. Zum einen das Versprechen der Fed, dass sie die Fed Funds Rate noch länger als vom Markt erwartet auf null halten wird, zum zweiten das stärkere Wirtschaftswachstum (die Angaben zum US-BIP im dritten Quartal wurden nochmals nach oben korrigiert und liegen nun bei 4,1%) und zum dritten die beruhigenden Nachrichten aus Washington, dass sich Demokraten und Republikaner auf eine langfristigere Planung des US-Budgets einigen konnten und damit kein Government Shutdown mehr droht.

Diese Faktoren scheinen den Gegenwind durch die steigenden Zinsen wettzumachen, während die Fed ihr Anleihekaufprogramm zurückfährt. Doch auch wenn die Risikoaufschläge kurzfristig noch etwas weiter schrumpfen sollten: aus fundamentaler Sicht wird die Luft dünn. Der Großteil der Bewegung dürfte bereits hinter uns liegen. Und sollten die Zinsen nicht nach und nach sondern plötzlich steigen, könnte sich das Blatt schnell wenden, weil Fondsmanager langlaufende Anleihen verkaufen um ihre Verluste zu begrenzen – und dann wären wir wieder bei einer Ausweitung der Creditspreads. 

Über den Autor

Dave Sekera, CFA  Dave Sekera, CFA, is a senior securities analyst with Morningstar.