Wird Großbritannien der Gewinner 2014?

Mit Großbritannien scheint es langsam, aber sicher wieder bergauf zu gehen – das lassen zumindest die jüngsten Wirtschaftsdaten vermuten. Unser wöchentlicher Bericht über Indizes, ETFs - und ihre Kosten.

Gordon Rose 24.01.2014

Die Wirtschaftsdaten von der Insel haben Experten zuletzt immer optimistischer gestimmt. Grund zur Hoffnung?! Die Arbeitslosenzahl ist im November 2013 auf 7,1% gefallen. Erfreulich für die Wirtschaft ist zudem, dass auch die Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit zurückgegangen ist. Der Rückgang um 167.000 Personen ist zudem der stärkste Rückgang seit 1997. Die Bank of England ist im vergangenen Jahr nicht müde geworden, eine Zinserhöhung in Aussicht zu stellen, sollte die Arbeitslosenquote unter 7% fallen. Viele Analysten haben jedoch nicht damit gerechnet, dass die Arbeitslosenquote vor Ende 2014 oder sogar erst 2015 fällt. Auch die Inflation liegt mit 2% da, wo die Regierung sie gerne sieht. Der Inflationsrückgang ist jedoch auf einen schwächer als erwarteten Anstieg der Nahrungsmittel zurückzuführen.

Es kommt daher wenig überraschend, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für Großbritannien stark nach oben korrigiert hat. Nachdem der IWF im letzten Bericht noch von 1,9% Wachstum ausgegangen ist, erwartet der Fonds nun ein Wachstumsplus von 2,4% für 2014 – so viel wie für kein anderes europäisches Land. Für 2015 werden 2,2% Wachstum vorhergesehen. Aber auch die Unternehmens-Bosse sind so optimistisch wie seit langem nicht mehr. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC gehen über 90% der befragten CEOs optimistisch ins Jahr 2014. Der weltweite Durchschnitt liegt zum Vergleich bei 50%.

Sollten auch Sie zu den Optimisten gehören und über ein Investment in Großbritannien nachdenken, hilft Ihnen unser wöchentlicher Bericht eine fundierte Entscheidung bei der Produktauswahl zu treffen.

Wir wollen uns daher britische Aktienindizes näher ansehen. Da die Auswahl an Produkten recht groß ist, haben wir eine kleine Vorauswahl getroffen, um einen guten Überblick der erhältlichen Indizes zu geben. Investoren können bei Standardwerten zwischen dem FTSE 100, FTSE 250, dem FTSE All-Share und dem MSCI UK Index auswählen. Wie der Name bereits verrät, deckt der FTSE 100 Index die 100 größten Standardwerte in Großbritannien ab und repräsentiert ca. 85% der dortigen Marktkapitalisierung. Beim FTSE 250 Index sind es folglich die 250 größten Unternehmen. Der MSCI UK Index enthält 106 Unternehmen und deckt damit einen vergleichbaren Teil des Marktes ab wie der FTSE 100. Der FTSE All-Share Index umfasst hingegen alle Aktien, die an der London Stock Exchange gelistet sind und repräsentiert 98-99% der Marktkapitalisierung.

Ein Blick auf die Rendite und es wird schnell deutlich, dass es nicht primär um den Anbieter geht. Vielmehr ist die Indexauswahl wesentlich entscheidender. So liegen zwischen dem FTSE 100 Index mit einer annualisierten Dreijahresperformance von 10,3% und dem FTSE 250 Index über 6% pro Jahr. Auf drei Jahre gesehen macht das einen Unterschied von insgesamt 24% aus. Der MSCI UK Index zeigt eine vergleichbare Rendite zum FTSE 100 Index. Das dürfte aber auf Grund des sehr ähnlichen Aktienuniversums nicht überraschen. Der FTSE All Share Index deckt den FTSE 100 und FTSE 250 Index ab. Da dieser aber auch anhand der Marktkapitalisierung gewichtet ist und daher den Top-Unternehmen wesentlich mehr Gewichtung zukommt, ist die Rendite nur minimal besser als beim FTSE 100 Index.

Tabelle: Eine Auswahl an Großbritannien-Aktien-ETFs

Kommen wir nun zu den Kosten. Bei ETFs fallen vielfältige Gebühren an. Die Management-Gebühren sind dabei das eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese oft übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).  Neben den wichtigsten Kennzahlen der ETFs am Markt enthält unsere Tabelle auch eine Aufschlüsselung der Kostenkomponenten.

Bei den Spreads dürfte es wenig verwunderlich sein, dass die Produkte auf den FTSE 100 Index auf Grund der Liquidität des Indexes am günstigsten sind. So liegt der Spread beim Vanguard FTSE 100 ETF zwischen den Handelstagen vom 5. Dezember bis 22. Januar bei 7 Basispunkten, dicht gefolgt vom iShares FTSE 100 (Inc) und Lyxor ETF FTSE 100 mit 8 bzw. 10 Basispunkten. Der im Handel teuerste ETF auf den FTSE 100 Index stammt mit 18 Basispunkten von der Schweizer Großbank UBS.

Die beiden Produkte von Amundi und iShares auf den MSCI UK Index sind mit 14 und 34 Basispunkten wesentlich teurer. Dies dürfte auf die „Unbeliebtheit“ des Referenzwertes zurückzuführen sein. Da der FTSE 100 Index der Referenzwert für britische Standardwerte ist, leiden die Spreads beim MSCI UK unter der mangelnden Nachfrage. Ein weiteres Indiz hierfür ist das relativ kleine Fondsvolumen dieser Produkte.

Auch die Spreads beim FTSE 250 und dem FTSE All Share liegen etwas höher. Dies ist zum einen auf das größere Aktienuniversums und zum anderen auf die kleineren (und daher illiquideren) Unternehmen zurückzuführen.

Bei den Management-Gebühren ergibt sich ein sehr ähnliches Bild. ETFs auf den FTSE 100 Index sind im Schnitt am günstigsten, während die übrigen ETFs teurer sind. Der günstigste ETF stammt von Vanguard und kostet 10 Basispunkte. iShares und die Deutsche Bank sind mit jeweils 40 Basispunkten am teuersten. Interessant ist, dass der iShares MSCI UK Index in diesem Fall günstiger ist als die iShares-ETFs auf den FTSE 100 oder FTSE 250 Index .

Bei den Estimated-Holding Costs macht der SPDR FTSE UK All Shares mit -5 Basispunkten den „besten“ Job, dicht gefolgt vom Vanguard FTSE 100 ETF mit 10 Basispunkten. Abgesehen vom Lyxor ETF FTSE 100 Index mit 16 Basispunkten auf der einen Seite der Skala und der iShares FTSE 250 mit 43 Basispunkten auf der anderen Seite der Skala liegen die restlichen ETFs recht nahe beieinander.

 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.