EZB-Bazooka macht Eurobanken Spass

Die EZB hat diese Woche erstmals in der Geschichte einen Negativzins eingeführt. Chance oder Risiko für die Banken, Versicherer und Investoren? Unser wöchentlicher Bericht über Indizes, ETFs - und ihre Kosten.

Gordon Rose 06.06.2014

Die Europäische Zentralbank (EZB) kämpft mit allen Mitteln gegen die drohende Deflation und Kreditschwäche. Erstmals in ihrer Geschichte hat die EZB den Einlagensatz unter die Nullgrenze gedrückt. Zukünftig müssen Banken 0,1% zahlen, wenn sie Ihr Geld bei der Zentralbank parken möchten. Zudem wurde der Leitzins von 0,25% auf 0,15% gesenkt und zwei Geldspritzen für Eurobanken in Höhe von insgesamt €400 Mrd. in Aussicht gestellt. Die Liquidität wird den Banken im September und Dezember bereitgestellt, mit einer Laufzeit von 4 Jahren. Hierbei können die Banken bis zu 7% ihrer Kreditvergabe finanzieren, zu einem Zinssatz von 0,1%. In einem weiteren Schritt soll die Kreditverbriefung wiederbelebt werden, die zuletzt stark in die Kritik geraten ist.

Banken profitieren per Saldo vom EZB-Paket

Generell sind geringe Zinsen für Banken sehr positiv, da dadurch die Margen bei Krediten steigen. Versicherer haben hingegen mit den geringen Zinsen stark zu kämpfen. Das Problem der Lebensversicherungen ist zurzeit DAS große Thema. Leittragende der Niedrigzinspolitik sind auch die Sparer. Denn genau hier setzt der niedrige Zinssatz an. Konsumenten sollen vom Sparen entmutigt und zum Konsum ermutigt werden. Für Anleger ergeben sich mehr Anreize, in Sachwerte zu investieren, um die Wirtschaft anzukurbeln und letztendlich auch die Inflation wieder nach oben treiben.

Kritiker gehen jedoch davon aus, dass der „verzweifelte“ Schritt der EZB wenig Wirkung zeigen wird. Auf der einen Seite ist die Zinssenkung nur minimal, auf der anderen Seite ist die europäische Wirtschaft immer noch nicht richtig in Fahrt gekommen, vor allem in den südlichen Ländern herrscht weiterhin eine hohe Arbeitslosenquote, und viele Konsumenten scheuen daher vor größeren Investitionen zurück. Aber auch Unternehmen haben im Zuge der Finanzkrise die Strukturen verschlangt, Ausgaben gekürzt und sitzen oft auf großen Geldreserven. Nach dieser Lesart besteht wenig bedarf nach Krediten.

Financials ETFs am Markt leiten sich von 2 Mutterindizes ab

Und dennoch: Banken, vor allem solche aus den südlichen Euroländern, dürften zu den Profiteuren der jüngsten EZB-Maßnahme zählen. Auch wenn sich die Kurse von Bankaktien in den vergangenen zwei Jahren seit dem Höhepunkt der Eurokrise deutlich erholt haben, könnten sie auch längerfristig profitieren. Sollten Anleger an die positive Wertentwicklung von europäischen Finanztiteln glauben und vermuten, dass sich die Wirtschaft in Europa und der Eurozone zügig erholt und dadurch die Kreditnachfrage steigt, lohnt eventuell der Einstieg.

In unserer heutigen Analyse haben wir uns daher auf die 10 größten ETFs konzentriert, die europäische Finanzwerte abbilden. Zwar bieten die meisten ETF-Anbieter in Europa Produkte auf den Finanzsektor, die Auswahl der Indizes ist jedoch eher bescheiden. Die größten ETFs konzentrieren sich auf den Bankensektor. Insgesamt machen die Anbieter von quasi zwei Basis-Indizes Gebrauch, wobei es den einen, STOXX Europe 600 Index, eine optimierte Variante gibt und eine „Ableitung“ für den Euro-Aktien gibt.

Europaweite Indizes weisen hohen UK-Anteil auf

gewichten Die STOXX Europe Sektor Indizes leiten sich aus dem STOXX Europe 600 Index ab und umfassen alle Banken bzw. Versicherer im europäischen Aktienuniversum. Derzeit besteht der Bankenindex aus ca. 47 Titeln, wobei 29% auf Finanzwerte auf Großbritannien entfallen. Der Index für Versicherungen besteht aus 38 Unternehmen und gewichtet Großbritannien mit 28% am stärksten.

Für Investoren, die bevorzugt auf Banken aus der Währungsunion setzen möchten, sollten sich den EURO STOXX Banks Index anschauen. Dieser Teilindex leitet sich vom EURO STOXX Index ab und umfasst derzeit 30 Banken. Zu beachten ist, dass spanische Banken fast 39% des Index ausmachen.

Der STOXX Europe 600 Optimised Banks Index versucht hingegen, diese Konzentrationsrisiken etwas zu reduzieren. Der Index besteht derzeit aus 42 Banken, wobei Großbritannien mit „nur“ 23% gewichtet ist.

Als „Außenseiter“ gibt es dann noch den MSCI Europe Financials Index. Dieser leitet sich vom MSCI Europe Index ab, besteht aus 100 Titeln und gewichtet Großbritannien mit 31% am stärksten.

Versicherungen haben 2014 an der Börse gelitten

Wie der Blick auf untenstehende Tabelle verdeutlicht, gibt es trotz der vermeintlich starken Ähnlichkeiten nicht zu vernachlässigende Performance-Unterschiede zwischen den Finanzsektor-ETFs. So liegen zwischen dem schlechtesten und dem besten ETF (beide stammen vom Anbieter Source) alleine in diesem Jahr 8 Prozentpunkte. Der Unterschied kann daran festgemacht werden, dass der Underperformer Versicherer abbildet, die Probleme mit niedrigen Zinsen haben, während der Beste ETF auf Banken setzt.

Aber auch über einen Dreijahreszeitraum gibt es beachtliche Unterschiede. So ist der iShares EURO STOXX Banks mit Abstand am schlechtesten gelaufen. Hierbei hat sich der Optimierungsansatz von Source gelohnt - dieser ETF hat das Konkurrenzprodukt von iShares über beide Zeiträume outperformt. Die Underperformance liegt hauptsächlich daran, dass es sich hier um Euro-ETFs handelt, die unter der per Saldo schwachen Performance der Euro-Banken gelitten haben.

Tabelle: Die grössten europäischen Financials-ETF am Markt

Kommen wir nun zu den Kosten. Bei ETFs fallen vielfältige Gebühren an. Die Management-Gebühren sind dabei das eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese oft übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).  Neben den wichtigsten Kennzahlen der ETFs am Markt enthält unsere Tabelle auch eine Aufschlüsselung der Kostenkomponenten.

In den 10 Handelstagen vom 26. Mai bis 06. Juni weist der iShares EURO STOXX Banks (DE) ETF mit 6 Basispunkten den engsten Spread auf. Auf den Plätzen folgt der ComStage STOXX Europe 600 Banks ETF mit 9 Basispunkten und der Lyxor ETF STOXX Europe 600 Banks mit 13 Basispunkten. Insgesamt ist die Spannbreite bei den Spreads relativ hoch. So liegen zwischen dem günstigsten ETF und dem teuersten ETF 31 Basispunkte. Jedoch sollte man hierbei auf die unterschiedlichen Referenzwerte schauen.

Kosten sind wichtig, aber bei Financials entscheiden andere Kriterien

Bei den Management-Gebühren liegen die Kosten, mit Ausnahme zweier Produkte, hingegen sehr nahe beieinander. Abgesehen von den iShares-Produkten, die 0,51% bzw. 0,49% pro Jahr zu Buche schlagen, kosten alle anderen Produkte zwischen 0,25% und 0,30%.

Auch bei den Estimated-Holding-Costs gibt es erkennbare Unterschiede. Der „Beste“ ETF ist der iShares EURO STOXX Banks mit -0,04%. Die grösste Underperformance wird hingegen vom Source STOXX Europe 600 Optimised Banks ETF erwartet, dessen Estimated-Holding-Costs bei 0,39% liegen. Die größte Outperformance liefert der iShares STOXX Europe 600 Banks (DE) ETF.

Mit wenigen Ausnahmen liegen die Kosten der einzelnen Produkte recht nah beieinander. Daher sollte der Fokus eher auf der Sektoren- bzw. Länderallokation liegen, da daraus die größten Performance-Unterschiede resultieren. 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.