Ein DAX für alle Fälle

Der DAX kämpft derzeit um die Marke von 10.000 Punkten. Deutsche Standardwerte sind nach wie vor für Anleger attraktiv, auch wenn dieser Stand zunächst nicht gehalten werden sollte.

Gordon Rose 13.06.2014

Der DAX übersprang am Pfingstmontag erstmals die 10.000-Punkte-Marke. Ein historischer Tag im Leben des deutschen Leitindex! Am 10. Juni schafft es der DAX sogar, über dieser bisherigen Höchstmarke aus dem Handel zu gehen. Seitdem zeigt die Richtung zwar wieder nach unten, insgesamt gibt es aber gute Gründe, warum der Index früher oder später wieder über die 10.000 Punkte klettern wird.

Eine Korrektur zum jetzigen Zeitpunkt ist nichts Ungewöhnliches, zumal die nachhaltige Überwindung einer historischen Höchstmarke bevorsteht. Hier könnte die Chart-Analyse zum Einsatz kommen. Der jüngste Sprung über die 10.000 Punkte-Marke vollzog sich bei einem geringen Handelsvolumen. Eine nachhaltige Überwindung setzt demnach ein hohes Handelsvolumen voraus. In positiven Märkten sollte der Index also bei hohem Handelsvolumen steigen und mit geringem Handelsvolumen fallen, so die Markttechnik. Das ist beim DAX jedoch derzeit nicht der Fall.

DAX-Preisindex ist noch unter den alten Höchstmarken

Sollten Sie nichts auf diese Kaffeesatzleserei geben und lieber auf die Analyse von Fundamentaldaten setzen, stehen die Zeichen für Aktien auch nicht schlecht. Die Unternehmensgewinne steigen weiter (wenn auch nicht so stark wie in der Vergangenheit), und die Konjunkturprognosen lassen auf eine Erholung der Eurozone hoffen, dem primären Handelspartner Deutschlands. Nicht zuletzt hat der DAX unter Herausrechnung der Dividenden noch nicht seine alten Hochs überwunden. 

Zudem werden die Produkte attraktiver. Etliche ETF-Anbieter senken derzeit die Kosten vieler ETFs, und darunter befinden sich auch Deutschland-Produkte, wie z.B. beim DAX ETF der Deutschen Bank der Fall. Mehr zur Entwicklung der ETF-Kosten finden Sie hier.

In unserer heutigen Analyse haben wir uns daher auf ETFs konzentriert, die deutsche Standardwerte abbilden. Obwohl der DAX der deutsche Leitindex ist, gibt es insgesamt drei verschiedene Indizes auf deutsche Standardwerte.

Drei Indizes in der Auswahl

Der wichtigste deutsche Standardwerte-Index umfasst die 30 größten Unternehmen, die an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Die Bewertung des DAX basiert auf der Streubesitz-Markkapitalisierung und dem Handelsvolumen. Die maximale Gewichtung der einzelnen Unternehmen liegt bei 10%. Der DAX gehört zu den wenigen Leitindizes, die Performance-basiert sind. Das bedeutet, dass Dividenden nicht ausgeschüttet, sondern fortlaufend reinvestiert werden.

Der MSCI Germany Index enthält in etwa die 60 größten Unternehmen Deutschlands. Gewichtet werden die Wertpapiere ähnlich wie beim DAX - nach der im Streubesitz befindlichen Marktkapitalisierung. Die maximale Gewichtung der einzelnen Unternehmen liegt ebenfalls bei 10%.

Der FAZ-Index wiederum umfasst die 100 größten Unternehmen. Die Bewertung des Index basiert auf der Streubesitz-Markkapitalisierung. Der Marktwert der einzelnen Indexbestandteile muss mindestens €250 Millionen betragen. Beim Dax 30 und auch beim MSCI Germany handelt es sich um Indizes, die nur großkapitalisierte Werte umfassen. Der FAZ-Index ist hier deutlich breiter aufgestellt. Er ist zudem ein Preis-Index. Aber es gibt keinen Grund zur Sorge: Die ETFs auf den FAZ-Index schütten die Dividenden brav aus – im Gegensatz zur Praxis so mancher Zertifikate, die die Dividenden in die Taschen der Emittenten umleiten.

Wie der Blick auf die Tabelle unten zeigt, liegt die Performance der unterschiedlichen Indizes relativ nahe beieinander. So liegt über einen Dreijahreszeitraum zwischen dem iShares Core DAX (DE) am unteren Ende und dem Amundi ETF MSCI Germany auf der anderen Seite des Spektrums 1,00% pro Jahr. Der Großteil der Outperformance wurde 2013 erzielt, als der ETF von Amundi eine Rendite von 27,16% versus 25,46% erzielte.

Kommen wir nun zu den Kosten. Bei ETFs fallen vielfältige Gebühren an. Die Management-Gebühren sind dabei das eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese oft übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr). Neben den wichtigsten Kennzahlen der ETFs am Markt enthält unsere Tabelle auch eine Aufschlüsselung der Kostenkomponenten.

In den 15 Handelstagen vom 26. Mai bis zum 12. Juni waren der ComStage ETF DAX TR und der ComStage FR DAX ETF an der Stuttgarter Börse quasi um sonst zu haben. Aber auch die restlichen DAX-ETFs liegen sehr nahe beieinander. So liegen die weiteren Produkte auf den DAX zwischen 2 und 5 Basispunkten. Lediglich für den Amundi ETF MSCI Germany mussten Investoren mit 8 Basispunkten relativ gesehen wesentlich mehr bezahlen. Man sieht an den ComStage Produkten einmal mehr, dass das größte Produkt nicht immer den engsten Spread aufweisen muss.

Bei den Management-Gebühren auf DAX-Produkte sollten Investoren seit der Preisreduzierung der Deutschen Bank lieber zweimal hinschauen. So kostet das Produkt von db X-trackers lediglich 9 Basispunkte. Bei iShares müssen Investoren immerhin 16 Basispunkte bezahlen. Der französische Anbieter Amundi fällt mit 25 Basispunkten etwas negativ auf, bildet aber auch einen wesentlich breiter aufgestellten Index ab.

Bei den Estimated-Holding-Costs sind die Unterschiede etwas größer. So suggeriert der ComStage DAX TR ETF mit 10 Basispunkten das beste Tracking. Beim ComStage ETF DAX FR sollten sich Investoren zwar zukünftig um die höchste Outperfromance freuen, jedoch ist die Kennzahl in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen. Der Referenzwert ist ein Preisindex, was die Kennzahl etwas verfälscht. Mehr dazu hier. Das schlechteste Tracking bietet hingegen der db x-trackers DAX ETF DR mit einer Estimated-Holding-Cost von 33 Basispunkten.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.