Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Chancen und Risiken in der „Wolke“

Bei IT-Firmen ist das Cloud-Geschäft derzeit das A und O. Was hinter diesem stark wachsenden Geschäftsfeld steckt und wer vom Konsolidierungsdruck profitieren wird.

Die Cloud, oder auf Deutsch die Wolke, beschreibt den Umstand, dass Computing-Ressourcen nicht mehr lokal in den Unternehmen vorgehalten werden, sondern von externen IT-Anbietern gemietet werden. Verbesserungen in Hardware, Software und Netzwerken haben in Kombination mit dem gegenwärtigen Trend zum Outsourcing die Ära des Cloud Computing eingeläutet. Die Skaleneffekte der Datenfernzentren, die durch externe IT-Dienstleister verwaltet werden, ermöglichen es den Unternehmen, einige oder alle ihre Rechen- und Speicherlasten abzugeben oder auszulagern. Der Einsatz von Cloud-Anwendungen ist besonders für kleinere und mittlere Anwender kostengünstig, denen Kapital, Personal oder Know-how fehlen, ihre eigenen Rechenzentren aufzubauen und zu pflegen.

Sonnige Aussichten für Clouds

Anlaufkosten für ein Rechenzentrum inklusive Immobilien, Energie, Software-Lizenzen, Server, spezialisierte Infrastruktur, Netzwerkausrüstung, IT-Spezialisten und wiederkehrende Wartungs- und Upgrade-Kosten können siebenstellige Summen verschlingen. Für Nutzer, die regelmäßig sehr hohe Rechenlasten haben, ist es sehr effektiv, die Cloud-Services für Spitzenlasten zu nutzen, anstatt eine eigene IT-Infrastruktur aufzubauen und zu warten. Die Betreiber von Cloud-Datenzentren wiederum können Know-how aufbauen und Skaleneffekte nutzen, die für die meisten Benutzer nicht zur Verfügung stehen.

Der zunehmende Wettbewerb unter den Drittanbietern von Rechenzentrumsleistungen hat zu einem Preiskampf unter den großen Anbietern geführt, obwohl sie ihre Dienstleistungen und Angebote ständig erweitert haben. Sie kämpfen, um Marktanteile zu gewinnen.

Das ist typisch für die Sturm-und-Drang-Phase von Unternehmen, die neue, innovative Technologien anbieten, und wir gehen davon aus, dass sich der Zyklus der Cloud-Einführung noch immer in einem frühen Stadium befindet. Folgerichtig erwarten wir, dass die Ausgaben für die Cloud von beiden Seiten, von Anbietern sowie auch von Kunden, in den nächsten Jahren stark wachsen werden. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert für den Zeitraum 2013 bis 2017 eine jährliche Wachstumsrate von 17% für die weltweiten Ausgaben für Cloud-basierte Geschäftsprozessdienstleistungen, Anwendungen (SaaS – Software as a Service), Plattformen (PaaS -Platform as a Service), Infrastruktur (IaaS – Infrastructure as a Service), Management und Sicherheit, sowie Werbung.

Verschiedene Clouds für unterschiedliche Endnutzer

Zunächst zu den Grundlagen. Es gibt mehrere Arten von Clouds und unterschiedliche Nutzer.

Öffentliche Cloud (Public cloud). Ein externer IT-Dienstleister bietet Computing-Services wie Datenbank, Betriebssystem, Speicher- oder Web-Server, unter anderem über ein Netzwerk, das für die öffentliche Nutzung zur Verfügung steht. Beispiele für Public-Cloud-Anbieter sind Amazon (AMZN) Web Services, Microsoft (MSFT) Azure, Google (GOOG) App Engine und IBM (IBM) Smartcloud / Softlayer.

Private Cloud (Private cloud). Die Computing-Ressourcen oder Rechenzentrumsinfrastruktur werden nur für ein einzelnes Unternehmen oder einen einzelnen Nutzer betrieben und können intern oder von einem Dritten verwaltet werden. Private Clouds bieten in der Regel nicht das gleiche Kosteneinsparpotenzial, wie sie durch die Skaleneffekte bei öffentlichen Clouds entstehen. Aus Sicherheits- oder regulatorischen Bedenken kann es dennoch sinnvoll oder notwendig sein, diese Lösung zu wählen.

Gemeinschaftliche Cloud (Community cloud). Cloud-Infrastruktur und -Kosten werden unter mehreren Organisationen geteilt. Die Verwaltung kann intern oder von einem Dritten erfolgen.

Hybrid Cloud (Hybrid cloud). Eine Kombination der oben genannten Arten von Clouds, aus der Perspektive des Endnutzers. Eine Hybrid-Cloud oder Teile der Hybrid-Cloud können intern oder von einem Drittanbieter gehostet werden.

Drei Dienstleistungen im Mittelpunkt der Cloud-Geschäftsmodelle

Cloud-Anbieter bieten den Kunden Infrastruktur- (IaaS) und Plattform-Dienstleistungen (PaaS). IaaS ist die Zuordnung von Rechnern, entweder physisch oder virtuell, auf denen die Benutzer ihre eigene Software oder Entwicklungsumgebungen installieren können. In einer PaaS-Umgebung stellt der Cloud-Anbieter neben der Hardware für die Rechenleistung auch die Software, wie z. B. das Betriebssystem, Datenbanksoftware, Speicher und weitere Extras, wie in einer einfach zu bedienenden bzw. betriebsfertigen Computing-Lösung.

Die wichtigsten Cloud-Services finden sich in den Bereichen SaaS, IaaS und PaaS). Hier werden auch die höchsten Ausgaben getätigt. Für die drei Bereiche geht das Institut Gartner in Summe von jährlichen Wachstumsraten von 26% für die nächsten fünf Jahre aus und liegt damit deutlich über den Schätzungen für die gesamten öffentlichen Cloud-Ausgaben. Die Wachstumsratendiskrepanz ist darauf zurückzuführen, dass IaaS, PaaS, SaaS die Dienstleistungen sind, bei denen die Nutzer die meisten wirtschaftlichen und technologischen Vorteile und die deutlichsten Verbesserungen der Nutzerfreundlichkeit erhalten können. Daher sind das auch die Bereiche, in die Drittanbieter am meisten investieren.

Red Hat: Chancen und Risiken

IaaS, PaaS, SaaS: Diese drei Bereiche finden sich im Geschäftsmodell von Red Hat (Morningstar Fair-Value-Schätzung: 50 US-Dollar pro Aktie). Obwohl Red Hat im Wettbewerberfeld gut positioniert scheint und bei seinen Produkten soliden Rückenwind erhält, veranschaulichen die Unterschiede zwischen IaaS und PaaS, welchem Druck sich die Unternehmen in der Cloud ausgesetzt sehen. Auf der positiven Seite ist zu sehen, dass die Nutzer in einer IaaS-Umgebung ihre eigene lizenzierte Software oder Betriebssysteme, wie z. B. Red Hat Enterprise Linux (RHEL), installieren können. Doch in einer PaaS-Umgebung eines Drittanbieters stehen die Red-Hat-Dienstleistungen möglicherweise nicht zur Auswahl. Zwar gibt es eine Vielzahl von Linux-Service-Providern, darunter Ubuntu, Suse und Oracle (ORCL), von denen das gleiche Linux-Betriebssystem OS angeboten wird (wegen der Open-Source-Community-Regeln); der einzige Punkt, in dem man sich unterscheidet, ist der Dienstleistungsvertrag und die Preisgestaltung.

Aus unserer Sicht sollte die Anzahl der Cloud-Anbieter im Laufe der Zeit jedoch konsolidieren, da das derzeitige Niveau des Preiswettbewerbs - AWS, Microsoft und Google haben alle bei den jüngsten Preissenkungen nachgezogen - wahrscheinlich für alle, ausgenommen die größten und am besten kapitalisierten Anbieter, unhaltbar ist. Dies bedeutet, dass der Status quo für Red Hat weitgehend positiv ist. Während der öffentliche Cloud-Einsatz potenziell negativ für das Unternehmen ist, bieten Vor-Ort- und Private-Cloud-Computing ein schönes Gegengewicht. Auf längere Sicht bieten Cloud-Wachstum und -Einsatz Wachstumschancen für Red Hat, basierend auf dem Erfolg seiner Cloud-Infrastruktur-Projekte.

Eine durchwachsene Vorhersage für Red Hat bei der Suche nach blauem Himmel

Es wird ein langer und vielleicht holpriger Weg, wir gehen aber davon aus, dass Red Hat immer noch gut aufgestellt ist. Die geringeren Anfangsinvestitionen für Kunden, niedrigere langfristige Wartungskosten und erhöhte Flexibilität durch SaaS, IaaS und PaaS sollten den Cloud-Einsatz und Investitionen in Cloud-Lösungen weiter vorantreiben, was im Allgemeinen eine gute Sache ist. In PaaS- und SaaS-Umgebungen von Drittanbietern haben die Kunden jedoch nicht mehr die Möglichkeit, bestimmte Anbieter auszuwählen. Obwohl Red Hat Enterprise Linux (RHEL), JBoss und KVM von einigen öffentlichen Clouds angeboten werden, gibt es auch andere Open-Source-Dienstleister, zusätzlich zu den traditionellen proprietären Software-Anbietern.

Wir glauben, dass Red Hat der bevorzugte Anbieter für Server-Betriebssysteme in Vor-Ort-Datenzentren und bei Private-Cloud-Implementierungen bleiben wird, da damit bedeutende Kostenvorteile verbunden sind und Red Hat den Nachweis der Zuverlässigkeit erbracht hat. Linux wurde konstruiert, um Unix-Systeme zu ersetzen, seine Stabilität und Zuverlässigkeit sind ein Verkaufsargument: Es wird von allen großen globalen Börsen und daten- und rechenintensiven Unternehmen wie der NASA, der National Security Agency (NSA) und Telekommunikations- und Finanzdienstleistungsunternehmen eingesetzt.

RHEL dürfte auch weiterhin das Betriebssystem erster Wahl bleiben und die in die Jahre gekommenen Unix-Systeme auf lange Sicht ersetzen. Dafür sprechen die Kompatibilität der Systeme, der unglaubliche Preisvorteil von RHEL gegenüber Unix (wir schätzen, dass der Listenpreis für RHEL etwa bei 2 bis 3% einer vergleichbaren Unix-Lizenz liegt) und nicht zuletzt die Gartner-Prognose, die einen anhaltenden langsamen Rückgang von Unix prognostiziert.

Die Position und der Rückgang von Unix erscheinen bezogen auf die beiden am weitesten verbreiteten Server-Betriebssysteme noch düster. Das am ehesten vergleichbare Substitut für Unix-basierte Systeme ist Linux. Wir erwarten, dass Red Hat davon direkt profitieren wird, da Unix-Lizenzen auslaufen und Systeme ersetzt oder aufgerüstet werden. Wir schätzen, dass RHEL derzeit 60 bis 75 % Marktanteil an der gesamten Linux-Distribution hat.

Grafik: Betriebssysteme der Vergangenheit, Betriebssyteme der Zukunft

 

Red Hat kann auf den zunehmenden Einsatz der Middleware JBoss und sein Virtualisierungsprodukt KVM blicken, was zeigt, dass sich das Unternehmen von einem Ein-Produkt-Unternehmen weiterentwickelt hat. Laut Management gibt es für Openstack bereits Konzeptanfragen (Proof-of-Concept) von Kundenseite, so dass wir von einer entsprechenden Nachfrage ausgehen. Dennoch hat Gartner darauf hingewiesen, dass Openstack noch ein unfertiges Produkt ist, das etwa 12–24 Monate zusätzliche Entwicklungszeit benötigt, bevor es in Unternehmen eingesetzt werden kann.

Landschaft der Infrastruktursoftware verändert sich

Die Entscheidungen der Cloud-Anbieter werden Auswirkungen auf die Marktanteile der Infrastruktursoftwareanbieter und die Nutzung durch den Kunden haben. Im Ergebnis führt das dazu, dass Open-Source-Anbieter versuchen, als Investition und Einsatzerweiterung ihr Produktangebot zu vergrößern, um die Zahl potenzieller Anwendungen in der Cloud zu erhöhen. Zu diesem Zweck unterstützt Red Hat zwei Open-Source-Cloud-Produkte: Openstack und Openshift. Openstack ist das Open-Source-Äquivalent zum proprietären IaaS-Angebot. Openshift ist das Open-Source-Äquivalent – und insbesondere Red Hats Antwort – auf die PaaS-Angebote. Da Openshift ein Projekt unter der Marke von Red Hat ist, erfordert es RHEL, ist aber offen für andere Open-Source-Optionen für andere PaaS-Funktionen wie Speicherung, Virtualisierung und IT-Management.

Die Strategie hinter Openstack und Openshift besteht darin, nicht nur den Endbenutzer mit Open-Source-Optionen zu versorgen, sondern auch den Cloud-Infrastruktur-Anbietern eine Open-Source-Option als Grundlage für ihre Cloud-Infrastruktur zu bieten.

Obwohl sich beide Projekte immer noch in einer relativ frühen Entstehungsphase befinden, glauben wir, dass sie in der Open-Source-Community und bei Cloud-Anbietern gleichermaßen großes Potenzial haben. Wir gehen davon aus, dass in dem Maße, wie sich die Reihen der öffentlichen Cloud-Anbieter weiter lichten, sie sich zunehmend zu Open-Source-Lösungen hinbewegen werden, um Stabilität und Kosteneinsparungen zu erlangen, sollten die Entwicklungsanstrengungen erfolgreich sein.

Openshift und Openstack bieten Steigerungspotenzial

In unserem Basisszenario für die Umsatzwachstumsprognosen erwarten wir in einem kurz- bis mittelfristigen Zeitraum keine signifikanten Einsätze, weder von Openshift noch von Openstack, obwohl wir davon ausgehen, dass sie bescheiden zum beschleunigten Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2016 beitragen werden. Stattdessen gehen wir in unseren Modellannahmen für das Unternehmen vor allem davon aus, dass RHEL verstärkt zum Einsatz kommt (durch den Ablauf von Unix-Lizenzen und durch Firmenlizenzen und Private-Cloud-Implementierungen) und JBoss und KVM eine weitere Verbreitung erreichen.

Die aktuellen Umsatzwachstumsraten von JBoss liegen im mittleren zweistelligen Bereich und damit über dem breiteren Middleware-Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich. Unser Modell spiegelt in etwa die Annahmen von Gartner wider, die davon ausgehen, dass ein moderates Wachstum in den jährlichen IT-Budgets die Unternehmen dazu zwingt, den Kostenanstieg für Computer und mobile Geräte abzufangen, indem die Ausgaben in die Cloud verlagert und vorhandene Hardware- und Software-Ressourcen wiederverwendet werden. Dies führt unseres Erachtens zu einer schnelleren Aufnahme von öffentlichen Cloud-Services (wovon Red Hat nicht unbedingt profitieren würde) und Kostensenkung im Rechenzentrum (wovon Red Hat wahrscheinlich profitieren würde). Jede schrittweise Einführung von Openstack und Openshift würde zu weiterem Aufwärtspotenzial unserer Schätzungen führen.

Über den Autor

Morningstar Analysts   -