Anleger entdecken günstige ETFs nur zögerlich

Stellen Sie sich vor, die ETF-Anbieter senken die Kosten, und keiner greift zu. Ein Einblick in die Kostenstruktur der ETF-Anbieter und wo Investoren Ihr Geld parken.

Gordon Rose 01.08.2014

Wir haben in den letzten Wochen bereits über die Gebührensenkungen der ETF-Anbieter berichtet. Alles, was Rang und Namen hat, reduzierte die Gebühren – bei einigen ETFs sogar drastisch. Anleger kommen gerade bei so genannten Core-Produkten, welche Basis-Investments für europäische Investoren auf der Aktien- und Bond-Seite abbilden, in den Genuss sehr niedriger Gebühren. Den Anfang machte db X-trackers Anfang des Jahres.

Die Deutsche Bank brachte vier ETFs mit Gebühren von 9 Basispunkten auf den Markt. iShares wird bei sechs Fonds Gebührensenkungen von 5 bis 28 Basispunkten vornehmen. Im Zuge der Zusammenführung einiger USA-Aktien-ETFs werden die Gebühren für einen S&P 500-ETF des Marktführers auf nur 7 Basispunkte gesenkt. Amundi wiederum reduziert bei acht globalen Produkten und einem Schwellenländer-ETF die Kosten von 45 auf 20 Basispunkte; ein Schnitt um mehr als die Hälfte.

Die letzten im Bunde sind Source und ComStage. Source hat die Kosten des Source S&P 500 UCITS ETF erst kürzlich auf 5 Basispunkte reduziert und stellt damit das günstigste Produkt auf den US-Leitindex. Anfang Juli hat dann auch ComStage den Rotstift angesetzt. Der ETF-Ableger der Commerzbank hat bei 10 seiner ETFs die Gebühren gesenkt, teilweise um über 50%. Der ComStage DAX TR ETF ist mit 8 Basispunkten mittlerweile das günstige Produkt auf den Deutschen Standardwerteindex. Mehr dazu hier.

Nicht alle Core-ETFs sind günstiger geworden: Hinschauen lohnt sich!

In unseren Artikel „Das zweite Gesicht der ETF-Gebührensenkungen“ haben wir aufgezeigt, dass nicht alle ETFs so günstig sind, wie es auf den ersten Blick erscheint. Beispiel db X-trackers. So wurden Anfang des Jahres die Kosten von ETFs auf den DAX 30, FTSE 100, Euro STOXX 50 und MSCI USA auf 9 Basispunkte vereinheitlicht. Doch nicht alle ETFs auf diese Indizes sind tatsächlich günstiger geworden. Stichwort FTSE 100 ETF: Anleger sollten genau auf die ISIN achten. 9 Basispunkte kostet der Ende 2012 aufgelegte db x-trackers FTSE 100 ETF (DR) mit der ISIN LU0838780707. Nicht von der Gebührensenkung berührt ist dagegen der bereits 2007 aufgelegte db x-trackers FTSE ETF 100 (DR) Inc mit der ISIN LU0292097234. Er kostet nach wie vor 30 Basispunkte pro Jahr. Das etablierte Produkt bringt es auf ein Vermögen von knapp 350 Millionen Euro, der günstige FTSE 100 ETF ist dagegen nur 17 Millionen Euro leicht. Die allermeisten Anleger sind also nicht in den Genuss der spektakulären Gebührensenkung gekommen (die streng genommen keine war, weil der neue ETF bereits seit Auflage 9 Basispunkte kostet).

Doch das ist nicht die Regel: Ein genauerer Blick auf die durchschnittlichen Kosten der verschiedenen Anlageklassen verdeutlicht, dass Anleger durchaus in den Genuss günstig gepreister ETFs kommen. Eine volumengewichtet Auswertung ergab, dass das meiste Geld in den günstigeren Produkten liegt.

Wie die folgende Tabelle zeigt, liegen die volumengewichteten Durchschnittskosten unter den einfachen Durchschnittskosten; sprich: Das meiste Geld ist in den günstigeren Produkten investiert. Der volumengewichtete Durchschnitt liegt bei allen ETFs in Europa bei 0,33%, während ETFs am einfachen Durchschnitt gemessen 0,41% kosten. Rechnet man die Kosten für Strategic Beta Produkte heraus, so fällt lediglich der einfache Durchschnitt auf 0,40%, während der volumengewichtete Durchschnitt unverändert bleibt. Obwohl Strategic Beta Produkte teurer sind als ETFs, die herkömmliche marktkapitalisierungsgewichtete Indizes abbilden, haben sie kaum einen Einfluss auf die Durchschnittskosten, da sie derzeit nur ca. 4,5% vom gesamten ETF-Markt ausmachen.

Tabelle: Was kostet die ETF-Welt? Anleger greifen bei günstigeren ETFs zu

Schaut man sich die Daten etwas genauer an, zeigt sich, dass viele große Produkte unverändert relativ teuer sind. Dass investoren im Schnitt auf die günstigeren ETFs setzen liegt daran, dass viele neue Produkte aufgelegt werden, die günstigere Kosten aufweisen. 

Strategic Beta ETFs sind in jedem teurer als Plain-Vanilla-Produkte ...

Zudem verlangen ETF-Anbieter bei Strategic Beta-Produkten eine Prämie, insbesondere bei den Rohstoffen langen die Anleger tiefer in die Tasche als bei vergleichbaren Plain-Vanilla-Produkten.

Das gilt auch für Aktien. So kostet z.B. der aktiv verwaltete ETF Source Man GLG Europe Plus, der Europäische Standardwerte abbildet, 0,75% pro Jahr, während der iShares STOXX Europe 600 ETF bereits für 0,20% über die Ladentheke geht. Auch bei global ausgerichteten ETFs sind die Kostenunterschiede nicht zu vernachlässigen. Der Lyxor ETF SG Global Quality Income kostet 0,45%, während der iShares Core MSCI World ETF mittlerweile für 0,20% zu haben ist.

... liefern aber nicht zwingend bessere Ergebnisse

Es stellt sich nun die Frage, ob sich die Mehrkosten für den „smarteren“ Ansatz wenigstens in eine bessere Performance wiederspeigelt. Kurz gesagt: Nein! Strategic Beta ETFs müssen nicht besser performen als "einfache" Produkte. Während der erwähnte Lyxor-ETF seit Oktober 2012 eine annualisierte Rendite von 10,7% abwarf, sind es beim iShares Core MSCI World 18,3%. Auch der aktiv verwaltete Source-ETF hat den iShares-ETF auf europäische Standardwerte annualisiert um 2,5% underperformt.

Aber zurück zu den Kosten. Den einzigen Ausreißer bei der Kostenstruktur liefern Bond-ETFs. Hier liegt das meiste Geld in den teuren Produkten, sowohl bei einfach gestrickten als auch bei den alternativen Produkten. Dies liegt zum einen daran, dass der Bond-ETF-Markt noch unterentwickelt ist relativ zu Aktien-ETFs und daher sicherlich die Skaleneffekte noch etwas zu kurz kommen. Bei Strategic Beta-Produkten muss man sich wieder einer genaueren Datenanalyse behelfen. Ein Großteil des in Bond-ETFs investierten Vermögens - 58%-  liegt im PIMCO EM Advantage Local Bond Source ETF, der 0,60% an Gebühren verlangt. Daher sind die Ergebnisse etwas verzerrt. 

Im zweiten Teil des Artikels werden uns mit den Folgen der Gebührensenkungen bei ETFs für die Portfoliokonstruktion bzw. für den Anlageerfolg eines Durchschnittsanlegers beschäftigen. Lesen Sie hier weiter.  

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.