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Analyse: Risiken für PIMCO sind nicht unüberwindlich, aber Vorsicht ist geboten

Der Abgang von Bill Gross wird PIMCO verändern. Möglicherweise zum Positiven. Der Morningstar Stewardship Grade, mit dem Morningstar die Qualität einer Fondsgesellschaft beurteilt, bleibt nach dem abrupten Abschied des PIMCO-Gründers zunächst bei „Neutral“.

Natalia Wolfstetter 30.09.2014

Morningstar hat den Stewardship Grade für PIMCO im Zuge des Abgangs von Bill Gross aktualisiert. An der neutralen Bewertung halten wir fest. Wir sehen zwar unverkennbar neue Risiken, aber für PIMCO bringt der Wechsel von Gross zu Dan Ivascyn und seinem Team auch Chancen.

Den Stewardship Grade vergeben die Fondsanalysten von Morningstar anhand der Beurteilung von fünf Faktoren: Unternehmenskultur, Qualität der Fondsaufsichtsräte, Managerentlohnung, Gebühren und regulatorische Historie.  Nach dem überraschenden Rückzug von Bill Gross, dem Gründer und ehemaligen Chief Investment Officer (CIO) von PIMCO, dürfte die größte Aufmerksamkeit der Unternehmenskultur gelten, zumal sich schon seit geraumer Zeit Querelen in der Führungsebene des Fondshauses abgezeichnet haben. Wir fassen unsere wichtigsten Überlegungen im Folgenden zusammen.* 

Zu viel Dampf im Kessel

Die Unternehmenskultur bei PIMCO gilt schon immer als sehr leistungsorientiert und fordernd - nicht zuletzt getrieben durch Bill Gross selbst. In den vergangenen Jahren traten in diesem System zunehmend Spannungen zutage. Diese kulminierten Anfang dieses Jahres im Rücktritt von Mohamed El-Erian, der für viele unerwartet kam, nicht zuletzt da der ehemalige Chief Executive Officer (CEO) ein langjähriger Weggefährte von Gross war und als sein favorisierter Nachfolger gehandelt wurde. Diesem Schritt war offenbar ein schweres Zerwürfnis zwischen beiden vorangegangen.

Ohne El-Erian verfügte das Investmentkomitee, dessen Entscheidungen  für die Ausrichtung der PIMCO-Anleihen- und Multi-Asset-Fonds maßgeblich sind, über kein Mitglied, das es in Bezug auf seine Erfahrung und Stellung mit Bill Gross, dem ein sehr dominanter Führungsstil und ein cholerisches Temperament nachgesagt werden, aufnehmen konnte.

Keine One-Man-Show

Nach dem Aufsehen erregenden Abgang von El-Erian installierte PIMCO ein Team von sechs stellvertretenden Investmentchefs (CIOs) als Gegengewicht zu Gross. Dabei kam dem Unternehmen zugute, dass es über eines der herausragenden Investmentteams in der Branche verfügt. Von den 200 Portfoliomanagern werden alleine 70 als Schlüsselpersonen betrachtet, die auf umfangreiche Erfahrung und eine beeindruckende Leistungsbilanz verweisen können. PIMCO hat auch in der Vergangenheit gezeigt, dass es bei Wechseln von wichtigen Personen – von denen es in den letzten Jahren einige gab - schnell für adäquaten Ersatz sorgen konnte.

Neues Team – neues Glück?

PIMCOs Zukunft ohne Bill Gross hängt nun von einem  relativ neuen Führungsteam ab. Neuer Investmentchef und damit Nachfolger von Bill Gross wurde Dan Ivascyn, der zuvor dem neu geschaffenen Team aus sechs Co-CIOs angehörte. Ivascyn war u.a. Morningstar Fund Manager of the Year 2013, eine Auszeichnung, die er für sein erfolgreiches Management des PIMCO Income Fund erhielt.

Die Veränderungen in der Unternehmensführung sind signifikant und werden auch für die Investmentprozesse bedeutsam sein. Es bleibt abzuwarten, ob das neue Führungsteam den Anleiheriesen in ruhigeres Fahrwasser bringen kann. Die Chance besteht durchaus, dass sich das Unternehmensklima verbessert und der Starmanagerkult rund um Bill Gross einer stärkeren Teamorientierung weicht. Andererseits besteht durch den Verlust des lange Zeit unumstrittenen Vordenkers Gross die Gefahr, dass das ‚gewisse Etwas‘ verloren geht, was das Unternehmen überhaupt erst so erfolgreich machte.

Was tun die Anleger?

PIMCO wird ohne Zweifel mit weiteren Abflüssen konfrontiert sein, die die Mitarbeiter weiter verunsichern und damit auch die Anlageergebnisse beeinträchtigen könnten. Das von Gross gemanagte Flaggschiff PIMCO Total Return hat bereits 16 Monate in Folge mit Abflüssen zu kämpfen. Zwar könnte man diese auch als Reaktion auf die Performanceschwäche der letzten Jahre und die internen Querelen bei PIMCO werten, doch dürfte es mit dem Rückzug von Bill Gross sicherlich zu weiteren, potentiell massiven Abflüssen kommen.

Viele Investoren werden ihre Investmententscheidung in den nächsten Monaten überdenken und PIMCO wird unter intensiver Beobachtung stehen, was im Unternehmen viele Ressourcen binden und die Manager von ihren eigentlichen Kernaufgaben ablenken dürfte. Die Situation könnte sich weiter verschärfen, falls sich Anleger generell verstärkt von Anleihen abwenden. Je nach Ausmaß würden damit auch die Gewinne von PIMCO und deren Muttergesellschaft Allianz unter Druck kommen, was sich letztlich in höheren Gebühren oder Personalkürzungen niederschlagen könnte. Beides wäre nicht im Interesse der Anleger in den PIMCO-Fonds.

Wie gravierend sind die Liquiditätsrisiken?

Der PIMCO Total Return hatte bisher keine Probleme, seine Abflüsse zu bedienen, da er traditionell den Schwerpunkt auf sehr liquide Anlagen legt. Das Volumen des Fonds verringerte sich in den 12 Monaten bis August 2014 um 17%. Mit mehr als 220 Mrd. US-Dollar ist der Fonds allerdings weiterhin einer der größten aktiv gemanagten Fonds. Der Fonds zählt schon seit langem zu den Volumenschwergewichten, was der langfristigen Rendite nicht geschadet hat.

Mehr Sorgen muss man sich machen, falls es bei anderen PIMCO-Schwergewichten, die in weniger liquiden Anlagesegmenten unterwegs sind, zu Abflüssen kommt. Zu nennen wären bspw. die High-Yield-Strategien, bei denen wir die mangelnde Bereitschaft des Unternehmens, Fonds für neue Anlegergelder zu schließen, wenn sie zu groß werden, schon seit längerem sehr kritisch sehen.

Andere kritische Punkte sind die hohen Gebühren der meisten nicht-institutionellen Anteilsklassen und die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC, die derzeit die Bewertung von Anleihen im Pimco Total Return ETF überprüft. 

Vorsicht ist angebracht

Die hohe Gebührenbelastung und das aus unserer Sicht ungenügende Kapazitätsmanagement haben schon seit längerem dafür gesorgt, dass der Stewardship Grade von PIMCO nicht über ‚Neutral‘ hinauskommt. Die Unsicherheiten, die aus dem Weggang von Bill Gross und den Veränderungen in der Führungsebene resultieren, aber auch aus der Ungewissheit darüber, inwieweit die Anleger dem Unternehmen treu bleiben, bestärken uns in unserer abwartenden Haltung. Es gibt Grund für Optimismus, aber der Druck ist hoch und er könnte durch einen schwächelnden Anleihenmarkt noch weiter steigen.

*Interessierten Lesern stellen wir den ausführlichen Bericht zum Stewardship Grade von PIMCO zur Verfügung (mehr). Bitte beachten Sie, dass es sich um einen englischsprachigen Bericht handelt und der Morningstar Stewardship Grade derzeit nur für US- und kanadische Fondsgesellschaften vergeben wird.

Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar