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Sind die Abflüsse aus ETFs ein Vorbote für das vierte Quartal?

Aus europäischen ETFs sind im September 2,5 Milliarden Euro geflossen - so viel wie seit April 2012 nicht. Die hohe Konzentration der ETF-Assets in Aktien- und dabei in Standardwerte-ETFs könnte sich in diesen Zeiten als Fluch erweisen. 

Jose Garcia-Zarate 16.10.2014

Noch ist die Wachstumsstory von ETFs in diesem Jahr intakt. Die Nettoneuinvestitionen beliefen sich in den ersten neun Monaten auf 33,4 Mrd. Euro . Mittelzuflüsse und Wertzuwachs kombiniert ließ das in europäischen ETFs verwaltete Vermögen von knapp über 300 Milliarden Euro Ende 2013 auf 360 Milliarden Euro anwachsen. 

Insgesamt stimmen die Daten positiv. Die Netto-Zuflüsse sind bereits jetzt höher als in jedem einzelnen der vergangenen drei Jahre, und das Vermögen in ETFs ist ebenfalls deutlich gestiegen. Trotz dieser scheinbar guten Aussichten enthalten die Daten aus dem dritten Quartal eine Warnung. Der Europäische ETF-Markt hat im September das erste Mal in diesem Jahr Mittelabflüsse verzeichnet. Insgesamt sind es zwar „nur“ 2,5 Milliarden Euro, aber diese Zahl stellt dennoch eine Delle in der Wachstumsstory dar. 

Wie unsere Analyse der Daten zeigt, kamen die Abflüsse im September vor allem aus zwei Aktienmarktsegmenten: deutsche und Eurozonen-Standardwerte (lesen Sie hier weiter). Ein Indiz dafür, dass Investoren auf die jüngst negativen Wirtschaftsdaten reagieren - insbesondere aus Deutschland - und ihre Long-Positionen in Aktien reduziert haben. 

Saisonale Faktoren scheinen für den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland im zweiten Quartal eine Rolle gespielt zu haben. Selbst wenn es im dritten Quartal eine potentielle, technische Erholung geben soll, werden die kurz- bis mittelfristigen Aussichten für das erwartete Wachstum in Europas größter Volkswirtschaft - und damit die Eurozone als ganzes – inzwischen skeptischer beurteilt. Auch die deutsche Bundesregierung hat inzwischen ihre Konjunkturprognose für 2015 nach unten korrigiert. Der Grund für die pessimistische Einschätzung ist viel mehr als bloß die sparsame Fiskalpolitik der Regierung Merkel. Die Erwartungen für das Weltwirtschaftswachstum haben sich eingetrübt, was letztlich auch einen Schatten auf die Entwicklung der exportorientierten deutschen Wirtschaft wirft.  

Es stellt sich nun die Frage, ob sich diese Gemengelage negativ auf den ETF-Markt im vierten Quartal auswirken wird. Natürlich gibt es keine Gewissheiten. Tatsache ist aber, dass der ETF-Markt in Europa aktienlastig ist, wobei Blue-Chip-Standardindizes am beliebtesten sind. Negative makroökonomische Aussichten könnten bei Standardwerte-ETFs in den kommenden Monaten durchaus zu weiteren Abflüssen führen. 

Doch das muss für die Branche nicht zwangsläufig negativ sein. Denn das Geld, das aus Aktien-ETFs fließt, verschwindet nicht einfach von der Bildfläche. Investoren

müssen Alternativen finden. Und hier kommt die Breite an Anlageinstrumenten am ETF-Markt ins Spiel. Es ist heute recht einfach, ein Portfolio aus ETFs aufzubauen, das alle Asset-Klassen abdeckt. Allein die Auswahl innerhalb des Aktienuniversums ist beachtlich: Anleger können sich zwischen Größe, Sektoren, Ländern oder Anlagestrategien (z.B. Value, Growth, Dividenden) entscheiden. Das gleiche gilt für Anleihe-, Rohstoff- und alternative Assetklassen wie Immobilien. 

Eine vollkommen andere Frage ist allerdings, ob der Rücksetzer auf der Makroebene Anleger dazu bewegen könnte, zunächst Cash-Positionen aufzubauen. Das könnte im vierten Quartal tatsächlich zu einem Problem werden - nicht nur für ETFs sondern für den Fondsmarkt als ganzes.

Über den Autor

Jose Garcia-Zarate  is an ETF analyst with Morningstar UK.