Telekom-ETFs: Europa als Chance oder als Risiko?

Anleger, die die defensiven Qualitäten von Telekomaktien schätzen, haben bei entsprechenden ETFs die Qual der Wahl. Auch bei der Wahl der Anlageregion bieten die Produkte am Markt Alternativen. Der wöchentliche Bericht über Indizes, ETFs, ihre Performance – und die Kosten.*

Ali Masarwah 17.10.2014

Unsere Aktienanalysten, die sich auf europäische Telekomtitel spezialisieren, haben vor wenigen Tagen Positives vermeldet: Die Dividenden europäischer Telekommunikationsaktien haben sich nicht nur stabilisiert, sondern dürften in den kommenden Jahren eher nach oben zeigen. Das ist eine gute Nachricht von einer Branche, die Anlegern in den vergangenen Jahren so manch bittere Pille zugemutet hatte. Infolge der extremen Verschuldung und den Investitionen in neue Breitband-Technologien hagelte es seit 2009 Dividendenkürzungen – dies betraf mehr als die Hälfte der Telekom-Unternehmen, die wir beobachten. Inzwischen liegt die Dividendenrendite dieser Firmen im Schnitt bei 4,2% (lesen Sie hier mehr)

Neben dem Dividenden-Bonbon weisen Telekom-Aktien eine weitere Eigenschaft auf, die sie in den heute turbulenten Börsen-Zeiten attraktiv macht: ihr defensiver Charakter. Telekommunikationsunternehmen werden durch das Auf und Ab der Konjunktur viel weniger beeinflusst als die so genannten Zykliker, wie beispielsweise Banken, Automobilhersteller oder Chemieunternehmen. Damit eine erfüllen sie eine gewisse – keinesfalls absolute – Schutzfunktion für Aktienportfolios. 

Grund genug, uns heute die ETFs am Markt anzuschauen, die Telekommunikations-Indizes abbilden. Die Auswahl ist nicht so gross, allerdings haben Anleger doch einige Auswahlmöglichkeiten. 

DJ Euro STOXX Telecommunications 30-15 

Der Indexfonds bildet den europäischen Aktienindex Dow Jones EURO STOXX (SM) Telecommunications (Kursindex) der STOXX Limited nach.  Alle Titel stammen aus dem Euroraum, wobei Spanien (30%) den grössten Anteil ausmacht. Telefonica ist die grösste Position. Weitere Länder sind Deutschland (19,4%), Frankreich (15%), die Niederlande (12,2%) und Italien (8,5%). Von den 14 Unternehmen im Index machen die grössten fünf Positionen knapp 75% des Indexgewichts aus. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass diese hohe Konzentration der Performance nicht gut getan hat. Neben der spanischen Telefonica gehören dazu die Deutsche Telekom (15%), der französische Telefonanbieter Orange (14,7%), Telecom Italia (8,5%) und KPN aus den Niederlanden (7,4%). 

iShares STOXX Europe 600 Telecommunications 

Breiter diversifiziert kommt der Dow Jones STOXX 600 (SM) Telecommunications daher. Er bildet die Performance der grössten Unternehmen des Telekommunikationssektors in Westeuropa ab. Der Index ist ein Total Return Net Index und beinhaltet 24 verschiedene Titel, wobei Unternehmen aus dem Euro-Raum 47% ausmachen, Grossbritannien 39%, und Länder in Europa, die nicht den Euro als Währung haben, machen 14% aus. 

MSCI Europe Telecommunication Services Index

Der MSCI Europe Telecommunication Services Index folgt der Wertentwicklung der europäischer Unternehmen im Telekommunikationssektor und deckt hier 85% (+/- 5%) der Marktkapitalisierung des Sektors ab. Wiederum am stärksten vertreten ist Grossbritannien (33%), gefolgt von Spanien (15%), Frankreich (14,8%) und Deutschland (11,8%). Im Vergleich mit anderen Europa-Telekom-Indizes sind die Top-5-Positionen mit 65% etwas weniger Gewicht: Vodafone (20,8%), Telefonica (15%), British Telecom (11,6%), Deutsche Telekom (10,7%) und Vivendi (7,2%). 

STOXX Europe 600 Optimised Telecommunications 

Der Dow Jones STOXX 600 Optimised Telecommunications Index ist ein kapitalisierungsgewichteter Index. Der Referenzindex wird abgeleitet vom DJ STOXX 600 Supersector Telecommunications Index. Dieser ist repräsentativ für die Branchenführer der STOXX Limited, allerdings wird der Index insofern optimiert, dass vor allem die liquidesten Titel berücksichtigt werden. Er ist auch auf der Länderebene  stärker diversifiziert als der Dow Jones STOXX 600 Index. 

54% der Titel stammen aus der Titel stammen aus der Eurozone, Grossbritannien ist mir 31,6% vertreten, Europa ex-Euro mit 14,2%. Die Top5-Titel machen fast 70% aus: Vodafone (21,8%), Telefonica (13%), Deutsche Telekom (13%), Orange (8,5%), British Telecom (7,7%). Anbieter von Drahtlosen vs. integrierte Telekommunikationsdiensten sind hier ebenfalls nahezu gleich repräsentiert. 

MSCI EM Telecommunication Services Index 

Der Index bildet die Wertentwicklung von im MSCI Emerging Market Index enthaltenen Telekommunikationsdienstleistungen ab. Unternehmen, die drahtlose Kommunikationsdienste anbieten sind hier mit 75% deutlich stärker enthalten als in globalen oder europäischen Telekom-Indizes. China macht mit 29,6% den grössten Anteil aus wobei China Mobile nahezu ein Viertel (23,5%) vom Index ausmacht. Weitere Länder sind Mexico (14%), Südafrika (13%), Taiwan (6,7%) und Malaysia (5,5%). Neben China Mobile sind unter den Top 3-Positionen (zusammen 49%) America Movil (13,9%) und MTN Group (11,6%). Von den übrigen 51% macht keine Aktie mehr als 3,8% im Index aus. 

MSCI World Telecom Services Index 

Der MSCI World Telecommunication Services - Net Total Return Index beinhaltet die weltweit grössten Unternehmen, die in der Telekommunikationsbranche tätig sind, abhängig von ihrer Marktkapitalisierung. Von der Länderallokation her stammen 40% der Titel aus den USA, 13,4% aus Japan, 12,7% aus Grossbritannien und 20% aus der Eurozone. Drahtlose Kommunikationsanbieter sind mit 25% deutlich weniger als beispielsweise in Emerging Markets Telekom-Indizes vertreten – Anbieter integrierter Kommunikationslösungen machen entsprechend 75% im Index aus. Die Gewichtung auf den Top-Positionen ist hier etwas geringer als in anderen Indizes: Verizon (18,2%), AT&T (16,2%). Vodafone (7,8%), Softbank (6,1%). 

Ein Blick auf die globalen Indizes lohnt sich

Anleger haben also die Qual der Wahl. Die untere, alphabetisch sortierte Tabelle enthält die wichtigsten Telekom-ETFs am europäischen Markt. Sie lesen die Tabelle so: Neben ETF-Namen und ISIN finden Sie die laufenden jährlichen Kosten und das verwaltete Vermögen des jeweiligen ETFs. Weiter rechts befinden sich die Performance-Daten über verschiedene Zeiträume sowie die wichtige Risikokennzahl „maximaler Verlust“. Abgerundet wird die Tabelle von den Handelskosten des jeweiligen ETFs, ausgedrückt durch die durchschnittliche Handelsspanne der vergangenen 30 Börsentage. Beispielsweise war der erste ETF unserer Tabelle, der Amundi ETF MSCI Europe Telecom Services, in den vergangenen 30 Handelstagen am günstigsten an der Deutschen Börse zu haben. Die Geld-Brief-Spanne lag im Schnitt bei 0,15%. 

Last but not least finden Sie aussen links die Replikationsart der ETFs. „SR“ steht für synthetische Replikation, „FR“ für eine physische Indexabbildung, und das Wort „Sample“ deutet an, dass der ETF ein statistisches Verfahren zur Indexabbildung verwendet, mit dem eine repräsentative Auswahl an Wertpapieren für einen gegebenen Index getroffen wird.   

Tabelle: Global, Emerging, Europa, Euroland: Die Telekom-ETFs am Markt 

Die obere Tabelle zeigt, dass es grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Indizes gibt. Sie reflektiert, wie sehr europäische Telekomaktien in den vergangenen Jahren unter der Konsolidierung der Branche gelitten haben. Die mit Abstand beste Wertentwicklung der vergangenen Jahre haben global investierende ETFs erzielt. Dabei liegt in der Dreijahresbilanz der Deutsche-Bank-ETF, der den MSCI World Telecom Services abbildet, einen Tick vor seinem Lyxor-Pendant – und deutlich vor den Produkten, die Europa-Indizes abbilden. Letztere lagen übrigens mit Renditen von 7-8% pro Jahr seit dem Herbst 2011 weit vor dem einzigen Euroland-ETF von iShares, der in den vergangenen drei Jahren mit -0,72% pro Jahr als einziger ETF unserer Auswahl eine negative Performance aufwies.

Antizyklischer Call auf europäische Telekoms könnte sich lohnen

Anleger sollten aus diesem Befund jedoch die richtigen Schlüsse ziehen: Trifft die Prognose unserer Aktienanalysten ein und erholen sich europäische Telekoms, dann könnten die Schwergewichte aus der Eurozone überproportional gewinnen. Anleger haben also die Wahl zwischen der antizyklischen Euro- und der – nur vermeintlich sicheren – globalen  Karte. Spiegelbildlich zur sehr ungünstigen Performance schnitten die Euroland-Telekoms auch beim Risikoverhalten in der Vergangenheit am schlechtesten ab. In den vergangenen drei Jahren betrug der maximale Verlust beim Eurozonen-ETF von iShares bei extrem hohen 28% - nur der Emerging-Markets ETF der Deutschen Bank wies ein annäherndes Risikoprofil auf. Das günstigste Risikoprofil zeigten globale Telekom-ETFs. Preisfrage: Wird das so bleiben? 

Kommen wir nun zu den Kosten. Auch hier gibt es sehr grosse Unterschiede zwischen den Produkten unserer Wahl. Die höchsten laufenden Gebühren müssen Anleger für den db x-trackers MSCI Emerging Markets Telecom Services berappen, der pro Jahr 0,65% kostet. Die günstigsten europäischen Telekom-ETFs sind von Amundi und Comstage und kosten pro Jahr nur 0,25%. 

Handelskosten für taktische Investoren eine wichtige Grösse

Zum Schluss noch einen Blick auf die Handelskosten. Anleger, die einen aktiven Ansatz verfolgen und eher taktisch investieren, werden den Handelskosten grössere Bedeutung einräumen als Langfristanleger, für die die laufenden Kosten die entscheidende Grösse mit Blick auf die Kosten darstellen. Im Handel kommt der Deutsche-Bank-ETF auf den Emerging Markets Index Anleger am teuersten, was keine Überraschung ist - Schwellenländer-Wertpapiere sind nun einmal nicht so liquide und einfach zu handeln wie, sagen wir, Euroland-Standardwerte. Entsprechend günstig sind im Handel die STOXX 600 Sektor-ETFs. Die engsten Spreads finden sich bei den Produkten von ComStage, Lyxor und db x-trackers auf den Index STOXX 600 Europe Telecom.

*Mitarbeit: Michael Haker

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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