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Tutorial Fondssuche I – Die Welt der Indizes

Als erste Orientierung für Investmententscheidungen sind Kapitalmarktindizes das A und O. Unsere Tools bieten Ihnen allerdings mehr als die üblichen Verdächtigen wie Dow Jones, EURO STOXX oder DAX. Eine Einführung für Privatanleger.

Michael Haker 01.12.2014

In Deutschland sind über 29.000 Fonds für Privatanleger zum Vertrieb zugelassen; die Auswahl an Fondsarten und Investmentansätzen ist riesig. Zur Orientierung bieten wir Privatanlegern auf unserer Webseite zahlreiche Tools an, welche die Fondssuche, den Vergleich mehrerer Fonds sowie eine detaillierte Analyse von Fonds mit wenigen Klicks möglich machen. Unsere Research- und Analyseinstrumente sind kostenlos und stehen jedem Privatanleger unter der Rubrik „Tools“ zur Verfügung. In einer vierteiligen Serie stellen wir Ihnen die gängigsten Tools zur Fonds-Recherche vor. Wir beginnen mit einer ersten Orientierungshilfe, die sich hinter dem Bereich „Index Renditen“ verbirgt.

Indexdefinition

Bevor wir uns mit den Indextools auf unserer Seite beschäftigen, lassen Sie uns einen Schritt zurückgehen und definieren, was ein Index überhaupt darstellt. Wenn Sie zum Beispiel die Rendite der Aktienmärkte in den Schwellenländern analysieren wollen, können Sie sich jeden einzelnen Wert anschauen, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen. Dies ist zweifelsohne eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit und bis Sie den Markt letztendlich analysiert haben, hat sich das Meiste bereits wieder verändert.

Eine wesentlich einfachere Lösung ist, dies einem Indexanbieter, wie z.B. MSCI oder STOXX, zu überlassen. Diese sammeln die Daten der Wertpapiere mit gemeinsamen Eigenschaften, aggregieren diese und bieten einen präzisen Indikator für die Entwicklung des Marktes an. Der MSCI Emerging Market Index misst z.B. die Aktienperformance der Schwellenländer und spiegelt somit die Marktentwicklung dieser als Gesamtbild wieder. Ein Nachteil der Indizes ist, dass Detailinformationen fehlen und lediglich die aggregierte Information des Gesamtmarktes widergespiegelt wird. Wenn man z.B. an Indien interessiert ist, ist der MSCI Emerging Market Index ein relativ dürftiger Maßstab. Daher müsste in diesem Fall ein Länderspezifischer Index herangezogen werden. Und selbst hier kann man den Markt weiter unterteilen, wie z.B. in Growth- und Value-Aktien. Egal wie eng ein Markt bereits gefasst ist, es gibt fast immer Möglichkeiten diesen weiter zu unterteilen.

Erste Wegweiser durch Indizes

Damit Sie sich einen ersten Überblick über die verschiedenen Märkte weltweit verschaffen können, eignet sich die Funktion „Index Renditen“. Sie finden dort eine breite Auswahl an Indizes, die die Entwicklung von Wertpapieren nach unterschiedlichen Regionen, Branchen, Marktkapitalisierung, oder im Falle von Anleihen, auch nach Laufzeiten abbilden. Standardmäßig ist die Liste nach der annualisierten 3-Jahres-Performance sortiert (Abbildung unten). Das ist nicht von ungefähr der Fall: Langfristige Anleger sollten sich nicht an der Tages-Performance von Finanzinstrumenten orientieren, sondern an längeren Zeiträumen.  

Abbildung: Standard-Einstellung von Index-Renditen auf morningstar.at

 

Mit einem Klick in die oberste Zeile können Sie die Indizes auch nach der ein und fünf Jahres-Performance, nach der Wertentwicklung im aktuellen Jahr und nach den Namen auf- oder absteigend sortieren (Abb. unten, gelbe Markierung). 

 

Indexkonstruktion

Generell gilt es noch zwischen Preisindizes und Gesamtertrags­indizes zu unterscheiden. Das Hauptmerkmal liegt bei der Dividendenbehandlung. Beim Preisindex wird lediglich der Preisunterschied der Indexbestandteile berechnet und keine Dividenden oder andere Ausschüttungen berücksichtigen. Der Gesamtertragsindex rechnet hingegen Dividenden bzw. Ausschüttungen in den Index mit hinein. Hierbei gilt es zudem zwischen Netto- und Bruttoberechnung zu unterscheiden (lesen Sie hier mehr). Bei der Nettoberechnung werden Quellensteuern bei der Indexberechnung berücksichtigt. Hier finden Sie eine Auswahl wichtiger Indizes. 

Mischfonds-Indizes

Neben den oben kurz erklärten, klassischen Benchmarks sind unter „Index Renditen“ auch die Indizes aufgelistet, die zu unterschiedlichen Teilen aus Renten und Aktien bestehen. Zu erkennen sind sie an dem Anfangskürzel „Cat“ (für Category wie Kategorie). Dahinter verbergen sich die von Morningstar konstruierten Benchmarks, an denen sich Mischfonds messen lassen müssen. Der vordere Teil der Nomenklatur bezieht sich auf den Anleihe-Anteil, der hintere Teil auf den Aktien-Anteil, der für die Konstruktion des Misch-Index verwendet wurde. Die wichtigsten Morningstar-Benchmarks für gemischte Fonds sind:

Cat 25%Barclays EurAgg TR&75%FTSE Wld TR

Dieser Index setzt sich zu 25% aus Euro-Anleihen (Barclays Euro Aggregate TR) und zu 75% aus dem FTSE World Index zusammen. Morningstar verwendet den Index als Benchmark für aggressive Mischfonds, die dauerhaft einen Aktienanteil von über 65% haben.

Cat 50%Barclays EurAgg TR&50%FTSE Wld TR

Die Index-Zusamensetzung aus 50% Aktien und 50% Anleihen ist unsere Benchmark für ausgewogen in Aktien und Renten investierende Fonds, wobei der Aktienanteil zwischen 35% und 65% liegen darf. Dem Index sind zudem flexible Mischfonds zugeordnet, bei denen die Aktienquote zwischen 0 und 100 Prozent variieren kann.

Cat 75%Barclays EurAgg TR&25%FTSE Wld TR

Für defensive anlegende Mischfonds sieht die Benchmark Anleihe/Aktien-Verhältnis von 75% zu 25% vor. Wir verwenden Sie für Portfolios, bei denen der Aktienanteil dauerhaft etwas mehr, nämlich 35% nicht überschreitet.

Auch wenn die Renditen der Vergangenheit keine Indikation für die Performance der Zukunft darstellen, geben sie wichtige Hinweise, wie beliebt oder unbeliebt bestimmte Märkte sind. Indizes sind für die Fondswahl eine gute Orientierung, da sie einen ersten Anhaltspunkt geben, wie sich die Märkte bzw. Regionen, in welche ein Aktien-, Renten und Mischfonds investieren, zuletzt entwickelt haben. Es ist in höchstem Maße erklärungsbedürftig, wenn die Rendite eines Fonds substanziell von der seines Vergleichsindex abweicht.

Indizes sind also gewissermaßen Vergleichsinstrumente, mit denen Investoren den Erfolg ihrer Fonds überprüfen können. Sie sind also ein wichtiger Maßstab, auf den es zu achten gilt, und in unserem Fonds-Research werden Sie stets bei der Fondsübersicht mit aufgeführt und wird zur Berechnung von wichtigen Rendite- und Risikokennzahlen von Fonds verwendet. Wichtige Kennzahlen wie das Alpha eines Fonds oder sein Beta werden in Bezug zu einem bestimmten Index berechnet.

Sie werden im weiteren Verlauf unserer Serie wieder die Bekanntschaft mit den „Griechen“ machen – bleiben Sie also dran! In der nächsten Folge unseres Fondssuche-Tutorials werden wir Privatanleger die Welt der Morningstar Kategorien vorstellen. Wir führen Fonds mit ähnlichen Anlageschwerpunkten zusammen, um diese vergleichbarer zu machen. Unsere Kategorien sind zudem die notwendige Voraussetzung für die Kalkulation des allseits bekannten quantitativen Morningstar Sterne-Ratings.

Über den Autor

Michael Haker  Michael Haker ist freier Mitarbeiter bei Morningstar.