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Investieren in Hochzinsobligationen: Aktiv oder gar nicht!

Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist es ein schrecklicher Fehler, einen passiv verwalteten Fonds im Portfolio zu haben, der einen illiquiden Markt abbildet. Ausserdem sollte man den Manager mit bedacht auswählen.

Samuel Lee 08.12.2014

Bei Investments in hochverzinsliche Obligationen gehen viele Anleger etwa so vor: „Ich benötige regelmässige Ausschüttungen, und weil Staatsanleihen so niedrige Zinserträge abwerfen, greife ich eben auf hochverzinsliche Bonds zurück.“

Wer sich mit einer derartigen Erwartung hochverzinslichen Bonds (manchmal auch abfällig als Ramschanleihen, Junk Bonds, bezeichnet) annähert, läuft Gefahr, gehörig daneben zu liegen. Hochverzinsliche Papiere verhalten sich wie ein Mix aus Aktien und Staatsobligationen, weshalb sie nicht sonderlich gut geeignet sind, ein gemischtes Portfolio zu diversifizieren. Schlimmer noch: Da Hochzinspapiere illiquide sind, können sie sogar empfindliche Kursverluste bringen und damit den maximalen Verlust eines ausgewogenen Portfolios erhöhen.

Investments sind nichts anderes als ein Bündel an Faktoren und Parametern in unterschiedlichen Proportionen. Ramschanleihen spiegeln im Wesentlichen die gleichen Wachstums- und Inflations-Faktoren wie Aktien und Obligationen wider - nur eben anders verpackt. Hinzu kommt eine Illiquiditätsprämie.

Ramschanleihen spiegeln im Wesentlichen die gleichen Wachstums- und Inflations-Faktoren wie Aktien und Anleihen wider - nur eben anders verpackt. Hinzu kommt eine Illiquiditätsprämie

Wenn Sie über die letzten Jahrzehnte auf einen Mix aus Aktien und Staatsanleihen gesetzt und auf Ramschanleihen verzichtet hätten, wäre Ihre Risiko-adjustierte Rendite besser gewesen als mit Junk Bonds. (Vermutlich hätten Sie auch geringere Gebühren bezahlt.) Historisch gesehen hat ein Hochzins-Index zwar zwei Prozentpunkte mehr Rendite eingebracht als ein vergleichbarer Index, der mit Staatsobligationen mit identischen Laufzeiten bestückt ist. Allerdings ist es aufgrund der schlechten Liquidität nicht möglich, 1:1 in derartige Junk-Bond-Indizes zu investieren.

Investierbare Hochzins-Bond-Indizes haben in der Vergangenheit wiederum zwei Punkte weniger Rendite eingebracht als ihre nicht-investierbaren Pendants und damit die Überrendite, die Junk Bonds auf den ersten Blick gegenüber Staatsanleihen ermöglichen, verspielt. Junk Bond-Indizes liefern zwar der Idee nach eine Illiquiditätsprämie, diese geht in der Praxis jedoch durch zwangsläufige Konstruktionsschwächen verloren. Berücksichtigt man dann noch die Kosten von Junk-Bond-Indexprodukten, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Investor mit seinem Hochzinsinvestment keine adäquate risiko-adjustierte Rendite erzielt hat. (Die ihm der Idee nach zugestanden hätte.)

Was für Hochzinsfonds gilt, trifft auch Private Equity zu

David Swensen, Chief Investment Officer der Yale-Stiftung, geht sogar so weit, Anlegern von Unternehmensobligationen generell abzuraten. In ihrer Bond-Allokation sollten Investoren laut Swensen nur auf Staatsanleihen setzen.

Warum kaufen die Leute dann Junk Bonds? Warum habe ich selbst welche im Portfolio? Die Antwort ist einfach: Fähige Fondsmanager können in wenig liquiden Asset-Klassen stetigere und höhere Überschussrenditen erzielen, als es bei Indexinvestments der Fall ist. Hochverzinsliche Anleihen gehören deshalb zwangsläufig auf die Spielwiese der - fähigen! - aktiven Fondsmanager - sofern man derartige Spread-Produkte überhaupt im Portfolio haben möchte.

Das bringt uns zur eigentlichen Herausforderung: Man muss die guten aktiven Manager finden. Das dürfte jedoch kein unmögliches Unterfangen sein. Unfähige Manager bekommen auf illiquiden Märkten keinen Fuss auf den Boden. Denn illiquide Märkte generieren nicht automatisch höhere Renditen. Vielmehr bieten sie erfahrenen Investoren die Gelegenheit, sich auf Kosten der weniger erfahren Konkurrenten einen Vorteil zu verschaffen.

Das oben Gesagte gilt folgerichtig auf für Private Equity. Auch hier ist esum die Liquidität schlecht bestellt. Sogar noch deutlich schlechter als bei Junk Bonds. Der Private-Equity-Investor kauft eine Firma unter Einsatz einer Kombination aus Eigen- und Fremdkapital in der Hoffnung, diese nach fünf, sieben oder zehn Jahren mit Gewinn wieder zu verkaufen. Wer hierfür Geld zur Verfügung stellt, muss bereit sein, für bis zu eine Dekade auf seinen Einsatz zu verzichten. Wer seine Anteile früher zurückgeben möchte, muss signifikante Abschläge bei Auszahlung hinnehmen.

Private Equity und Venture Capital bringen wenig - im Schnitt

Man müsste nun annehmen, dass Anleger mit Private Equity-Investments exzellente Renditen erzielt haben. Aber das ist nicht der Fall. Nach einer der umfassenden Auswertungen vom Juli 2013 haben Buy-out-Fonds in diesem Jahrtausend annualisiert gerade einmal drei Prozentpunkte mehr eingebracht als der Aktienindex S&P500. Venture Capital Fonds haben sogar fünf Punkte schlechter abgeschnitten. Zum Vergleich: US-Nebenwertefonds haben den breiten Aktienmarkt dagegen mit über drei Punkten pro Jahr übertroffen.

Im Schnitt hat Private Equity also recht schlecht abgeschnitten. Trotzdem schütten Anleger Milliardenbeträge über Private Equity Gesellschaften aus. Das liegt daran, dass die besten Private-Equity-Firmen tatsächlich satte Renditen erzielen. Das macht es der Idee nach einfach, unter den vielen Manager die wirklich fähigen ausfindig zu machen. Leider werden in der Private Equity Branche aber keine einheitlichen Bewertungs- und Evaluationsstandards verwendet, was das Gesamtergebnis bei der Beurteilung der besten Vermögensverwalter verwässert. Weniger fortschrittliche Investoren setzen dadurch oft auf die Falschen!

Zusammengefasst ist es also absolut nicht empfehlenswert, einen passiv verwalteten Fonds zu besitzen, der einem illiquiden Markt folgt. Die meisten Anleger kommen besser weg, wenn sie bei qualitativ hochwertigen Aktien- und Anleiheinvestments bleiben und Ramschanleihen nur dann aus taktischen Gründen ins Portfolio holen, wenn es die Bewertungen mit Rücksichtnahme auf ihr Risiko-Profil zulassen.

Über den Autor

Samuel Lee  Samuel Lee is an ETF Analyst with Morningstar.