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Rohstoff- und China-Aktienfonds hui, Russlandfonds pfui

Aktien-, Obligationen-, Mischfonds: Wir starten eine neue monatliche Übersicht über die besten und schlechtesten Fondskategorien. Im November bewegen vor allem Fremdwährungen die Fonds-Performance.

Auf Anhieb hätte vermutlich kaum ein Anleger damit gerechnet: Aktienfonds, die auf Edelmetallunternehmen setzen, konnten im November die beste Performance unter allen Morningstar-Aktienkategorien erzielen. Fonds dieser Kategorie investieren hauptsächlich in Aktien von Minenunternehmen, wobei der Schwerpunkt in der Regel auf Goldförderer liegt. Mit einem Plus von 8,2% auf Monatsbasis lief keine andere Aktienfondskategorie besser. Einerseits.

Das positive Novemberbild trübt sich allerdings ein, wenn man sich die längerfristige Bilanz dieser Kategorie vor Augen führt. In den vergangenen drei Jahren büssten Goldminenfonds im Schnitt 26,3% ein – pro Jahr! Auch in den vergangenen fünf Jahren mussten diese Fonds mit einem Minus von jährlich 15,9% hohe Verluste verkraften. Das zeigt, dass die gehebelte Wette auf den Goldpreis auch in der Abwärtsbewegung gilt!

Warum Performance-Hitlisten mit Vorsicht zu geniessen sind

Damit sind wir auch schon zum Kern der Sache vorgedrungen. Wir starten heute eine neue Rubrik, in der wir monatlich Bilanz zur Fonds-Performance auf der Ebene der Morningstar Kategorien ziehen. Damit folgen wir der Einsicht, dass Anleger sehr stark auf Vergangenheitsrenditen achten. Diese Neugier, die für den Bestandsanleger normal und legitim ist ("Wie hat mein Fonds abgeschnitten?"), kann für Renditejäger höchst unangenehme Folgen haben. Wer unkritisch die Performance-Hitlisten "konsumiert", läuft Gefahr, grosse (und schlechte) Risiken einzugehen. Mit unseren Monatsbilanzen wollen wir eben keine der herkömmlichen Performance-Rennlisten liefern, die allzu oft im Vertrieb als Kaufempfehlung fungieren (nach dem Motto: „Das hätten Sie gewinnen können, aber Sie können noch dabei sein!“).

Mit unserem Format wollen wir den unauflöslichen Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko illustrieren. Sie werden es sehr schnell merken: Fondskategorien, die sich weit oben bzw. weit unten in den Rennlisten finden, zählen zu den riskantesten Investments, die sich zumeist für risikotolerante Langfristinvestoren eignen. Rendite und Risiko sind die zwei Seiten einer Medaille!

Wie sind wir vorgegangen? Ausgangspunkt sind die Morningstar Fondskategorien - es sind 349 an der Zahl. Sie ermöglichen Fondsanlegern eine granulare Übersicht über Fonds mit vergleichbaren Anlageuniversen. In unserer neuen Monatsübersicht finden Sie die wichtigsten Kennzahlen tabellarisch aufbereitet. Präsentiert werden die Informationen zu den wichtigen 3 Obergruppierungen: Aktienfonds, Obligationenfonds, Mischfonds.

Unsere Fondskategorien beschränken sich nicht nur auf Anlagefonds, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz zum Vertrieb zugelassen sind, sondern sind paneuropäisch angelegt. Die Performance einer Morningstar-Fondskategorie spiegelt also die Performance aller in Europa vertriebenen Fonds wider und nicht nur die Bilanz der hierzulande erhältlichen Produkte. Wir unterscheiden dabei nicht zwischen Dachfonds und herkömmlichen (Ziel-)Fonds. Die Oberkategorie „Aktienfonds global blend“ umfasst also auch Dachfonds, die in globale Standardwertefonds investieren.

Zahlreiche Performance- und Risikodaten

Neben den Performance-Daten für die Zeiträume 1 Monat sowie 3 und 5 Jahre (beide annualisiert) finden Sie in unseren Berichten auch Angaben zur Volatilität, also der jährlichen Schwankungsintensität des Fondspreises, den maximalen Verlust in drei Jahren sowie die Zeit, die benötigt wurde, um den maximalen Verlust wieder aufzuholen. Gerade letztere Angaben zeigen, dass es mitunter lange dauern kann, bis das Ausgangsniveau vor dem Beginn einer Verlustphase wieder erreicht ist.

Das wollen wir am Beispiel der Top-Performer-Kategorie im November illustrieren. Kommen wir zu den Top-Performern Edelmetall-Aktienfonds. Der Maximalverlust von über 62% seit Ende November 2011 in diesem Zeitraum deutet an, warum sich immer mehr Anleger von diesen Fonds verabschieden. Aufgrund der Kursverluste sowie Anteilsscheinrückgaben der Anleger verringerte sich das in Edelmetallaktienfonds investierte Vermögen europaweit von 15,4 Milliarden Euro per Ende November 2011 auf nur noch 5,4 Milliarden Euro per Ende Oktober 2014.

Tabelle: Tops und Flops unter den Aktienfondskategorien im November

Die beiden Spalten rechts von den diversen Renditeangaben in der oberen Tabelle vervollständigen das Bild. Hier finden sich die wichtigen Angaben, wann die Phase der Verluste wieder gut gemacht wurde. Um im Beispiel der Edelmetallaktienfonds zu bleiben: Die Performance-Talsohle wurde erst im Oktober 2014 erreicht - die positive November-Bilanz kann also bestenfalls der erste Schritt auf dem Weg aus einem tiefen Tal gewesen sein. 

Kommen wir zurück zu den Top-Performern im November. Ebenfalls sehr gut entwickelt haben sich Fonds für chinesische Aktien, die in das so genannte A-Segment des chinesischen Markts investieren (Sie finden eine Erläuterung zu den Unterschieden zwischen den Segments des chinesischen Aktienmarkts hier). Diese Fonds legten um durchschnittlich 7,1% zu und setzten damit ihren guten Lauf seit dem Sommer fort. In den ersten elf Monaten lieferten China-A-Fonds ein Plus von knapp 20%.

Dass sich diese Entwicklung vor dem Hintergrund einer schwächelnden Konjunktur und eines überhitzten Immobilienmarkts vollzieht, sollte Anleger allerdings vorsichtig stimmen. Die lockere Zentralbankpolitik in China unterstützt spekulative Investments in allen Asset-Klassen.

Türkische Lira treibt die Performance - dieses Mal nach oben

Auch Türkei-Fonds zählten zu den Gewinnern. Doch so positiv die Performance von Türkei-Aktienfonds im November und auch im gesamten bisherigen Jahresverlauf war: Auch hier ist eine warnende Fussnote angebracht: Der Währungseffekt – die türkische Lira erholte sich gegenüber Euro und Franken 2014 merklich - spielt bei der Performance der Aktienfonds von Plus 36% in diesem Jahr eine sehr gewichtige Rolle. Doch das ist keine Einbahnstrasse: Sollte die US-Notenbank 2015 die Zügel anziehen, könnten Schwellenländerwährungen erneut wie in der zweiten Jahreshälfte 2013 erneut gen Süden tendieren.

Fremdwährungen sind nicht nur eine zusätzliche Rendite-Quelle, sondern treiben ein Aktien-Minus gegebenenfalls noch weiter tiefer nach unten. (Viele Investoren vertreten deshalb die Meinung, dass Währungsrisiken "schlechte" Risiken sind und sichern Fremdwährungen konsequent ab.)

Erfreulich war ebenfalls die Performance der Fonds für deutsche Standardwerte (6,3%) und deutsche Small- und Mid-Caps-Fonds (+4,7%). Auch die Langfristbilanz der deutschen Aktienfonds ist hervorragend. Umso bedauerlicher, dass diese Fonds seit gut drei Jahren kontinuierlich mit Mittelabflüssen zu kämpfen haben.

Zu den Kategorien mit Aktienfonds, die im November kein gutes Bild liefern, gehören die Global Frontier Markets (-3,55%), Fonds mit Schwerpunkt Islamic Malaysia (-4,7%), Aktien Malaysia (-4,9%) , Aktien Australien & Neu Seeland (-5,4%) und auf dem letzten Platz: Aktienfonds mit Anlagefokus Russland (-7,7%).

Bis Ende November brachen Russland-Fonds um 23,7% ein, eine Entwicklung, die sich Anfang Dezember noch beschleunigte. Auch hinter dieser rasanten Talfahrt steht in erster Linie der Einbruch der russischen Währung.

(Hier gelangen Sie zur Bilanz der Obligationen-, hier zur Bilanz der Mischfonds-Kategorien)

 

Über den Autor

Ali Masarwah und Michael Haker  Ali Masarwah ist Chefredakteur von Morningstar Deutschland, Österreich und Schweiz; Michael Haker ist freier Mitarbeiter von Morningstar in Frankfurt