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Die Welt der Nebenwerte in einem ETF

ETFs auf weltweite Nebenwerte-Indizes sind rar gesät. Ein Blick lohnt sich für solche Anleger, die ihren Nebenwerteanteil im Portfolio mit einem Produkt umsetzen wollen. Wer es granularer braucht, kann auf Einzelländer-ETFs setzen. Teil drei unserer Serie zu Nebenwerte-ETFs.

Michael Haker 15.05.2015

In den vergangenen Wochen haben wir uns deutsche Nebenwerte, Small- und Mid Caps aus der Schweiz und UK sowie europaweite Nebenwerte-Indizes angeschaut. Wir haben wesentliche Unterschiede bei der Länderallokation festgestellt, und dass die Performance im Vergleich zu Standardwerten deutlich besser ausgefallen ist. Von Anlegern fordern solche Produkte allerdings auch stärkere Nerven, wenn es darum geht, Kursrückschläge hinzunehmen. Im letzten Teil unserer Nebenwerte-Serie geht es um globale Small- und Mid Caps ETFs. Die breitere Diversifikation macht insbesondere für solche Anleger Sinn, die ihre Nebenwerte-Investments in einem Produkt bündeln wollen. Auch aus Diversifikationsgesichtspunkten ist ein global anlegendes Produkt sinnvoll.

Leider ist aber die Auswahl an ETFs auf globale Indizes noch sehr überschaubar. Zudem sind die Produkte noch jung. Das Investmentuniversum ist bei Anlegern also noch nicht angekommen – Nebenwerte auf Länderebene sind deutlich beliebter. Wie gewohnt stellen wir Ihnen zunächst die verschiedenen Indizes vor, bevor wir über die einzelnen ETFs und die Performance der vergangenen Jahre sprechen.

MSCI World Small Cap

Für globale Small- und Mid Cap-Indizes, die für Anleger auch durch ETFs zugänglich sind, ist die Übersicht recht beschaulich. Das mit Abstand wichtigste Barometer ist der MSCI World Small Cap Index. Er enthält über 4.200 Unternehmen aus 23 nach MSCI-Methodik klassifizierten „Developed Markets“ und deckt gut 14% des frei gehandelten Marktkapitals ab, wonach auch die Gewichtung der Titel erfolgt. Bei einem Blick auf die Ländergewichtung stellt man schnell fest, dass die Aufteilung auf 23 Länder weltweit eher theoretischer Natur ist. Es handelt sich hier eigentlich um einen US-Nebenwerte Index (60%), mit der Beimischung von Japan (10,8%), UK (8,2%) und Kanada (4,1%). Auf Sektorebene ist das Bild etwas ausgewogener: Im MSCI World Small Cap machen Finanzwerte 23% aus, Industriewerte sind mit 17,7% gewichtet, es folgen zyklische Konsumwerte (15,5%) und IT-Unternehmen (13,5%). Aufgrund der hohen Anzahl an Einzelwerten und der globalen Ausrichtung, bewegen einzelne Unternehmen den Index kaum. Keine Aktie hat ein Gewicht von mehr als 0,2%, wobei die Top-Werte Harman International, Lear Corp, E*Trade Group, Taylor Wimpley und Barratt Developments sind. Die Neugewichtung erfolgt halbjährlich.

MSCI World Mid-Cap Equally Weighted Index

Eine Alternative zu der sonst üblichen Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist der MSCI World Mid-Cap Equally Weighted Index. Zu den jeweiligen Rebalancing-Zeitpunkten (ebenso alle 6 Monate), wird das Gewicht aller Unternehmen auf das gleiche Niveau gesetzt. Zwischen den Zeitpunkten sorgen Kurseffekte dafür, dass sich die Gewichte der einzelnen Unternehmen im Index ändern. Aufgrund der Berechnungsmethodik können die kleineren Unternehmen den Index etwas stärker beeinflussen als bei klassischen marktkapitalisierungsgewichteten Indizes der Fall ist, da sie eben mit den größeren Unternehmen auf einer Augenhöhe stehen.
Insgesamt befinden sich im Index 894 verschiedene Aktien. Durch die Anzahl an Einzeltitel und dem Ansatz der Gleichgewichtung, machen die einzelnen Unternehmen je einen verschwindend geringen Anteil von maximal 0,3% aus. Bei der Ländergewichtung ist das Bild deutlich ausgewogener als beim MSCI World Small Cap. Die meisten Werte kommen aus den USA (36%), Japan (22,5%), UK (7,5%) und Canada (5,2%). Auch auf Sektorebene kann man dem Index keine Kopflastigkeit vorwerfen: Finanztitel, Industriewerte und zyklische Konsumwerte sind am stärksten Gewichtet (17,3-20,5%); IT-Werte machen 10,5% aus, Rohstoffe (9,4%) und Gesundheitswerte liegen bei 6,8%.

Wem die Länderaufteilung der globalen Indizes nicht zusagt, für den gibt es die Möglichkeit, Länderspezifische Nebenwerte-ETFs beizumischen. Die vom Volumen her größten Produkte folgen vornehmlich US-Amerikanischen und Japanischen Nebenwerte-Indizes, die allesamt nach dem frei gehandelten Marktkapital gewichtet sind.

Russell 2000

Er ist hierzulande der bekannteste unter den US-Nebenwerte-Indizes. Sein Mutterindex ist der Russell 3000 (er deckt 98% der US-Marktkapitalisierung ab), von dem der kleinere Ableger etwa 10% der Marktkapitalisierung zusammenfasst. Durchschnittlich haben die Unternehmen eine Größe von 2 Milliarden US-Dollar, das Größte heißt QUORVO und kommt auf gut 11 Millionen US-Dollar. Der Russell 2000 enthält damit die 1001 bis 3000 größten Firmen aus seinem Mutterindex. Dominierende Branchen sind auch hier wieder Finanzwerte (24%), IT-Werte (18%), Industrieunternehmen (15,4%), zyklische Konsumgüter (14,2%) und Healthcare-Firmen (12,2%). Einzelne Werte wiegen nicht über 0,6%.

S&P 400 US Mid Index

7% der gesamten Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes sind im S&P MidCap 400 enthalten. Damit ein Unternehmen für die Aufnahme in den Index qualifiziert, müssen mindestens die Hälfte der Aktien an der Börse gehandelt werden und die Größe muss zwischen 1,4 und 5,9 Milliarden US-Dollar liegen. Aktuell liegt die durchschnittliche Marktkapitalisierung bei 4,2 Milliarden Dollar. Wie bei den globalen Indizes sind auch hier Finanzwerte am prominentesten Vertreten (23,5%), gefolgt von IT-Unternehmen (17%), Industriewerten (16%) und zyklischen Konsumgütern (13,9%). Die Einzelnen Werte machen auch hier allesamt einen eher geringen Anteil im Index aus und wiegen nicht mehr als 0,7%.

MSCI US Small Cap Index

Nebenwerte mit einer Marktkapitalisierung von durchschnittlich 1,7 Milliarden US-Dollar finden sich im MSCI US Small Cap Index. Er umfasst 14% der Marktkapitalisierung an den US-Börsen und beinhaltet insgesamt 1849 Werte. Auch hier ist das Gewicht der einzelnen Unternehmen sehr klein und reicht nicht über die 0,3% hinaus. Bei der Sektoraufteilung zeigt sich ein bekanntes Bild: Zu beinahe drei Viertel bestimmen Finanzwerte (24%), IT-Unternehmen (16,6%), Industriewerte (15,5%) und zyklische Konsumwerte (14,2%) die Richtung des Index.

MSCI Japan Small Cap

Die Japanischen Small-Caps im entsprechenden MSCI-Index machen gut 14% der Marktkapitalisierung an der japanischen Börse aus. Insgesamt hält der Index 877 Einzelne Unternehmen mit einer durchschnittlichen Größe von 655 Millionen US-Dollar. In der Gesamtbetrachtung enthält der MSCI Japan Small Cap also die kleinsten Unternehmen. Während die Sektoraufteilung aufgrund des USA-Fokus den zuvor Beschriebenen relativ einheitlich ausfällt, zeigt sich beim japanischen Markt ein leicht anderes Bild: Finanzwerte sind hier am zweitstärksten vertreten (19,9%). Dafür machen Industriewerte etwas mehr, gut ein Viertel des Index aus. Ebenfalls zu den gewichtigsten Branchen gehören wieder zyklische Konsumgüter (17,5%) und IT-Werte (11,1%).

Bei der Neugewichtung des Indexes lässt sich Russell am meisten Zeit: das Rebalancing erfolgt hier einmal pro Jahr. Die Nebenwerte-Indizes von MSCI werden im 6-Monatsturnus neu gewichtet, beim S&P MidCap 400 passiert dies alle 3 Monate.

Dünne Auswahl an Nebenwerte-ETFs

ETFs auf globale Small- und Mid Cap-indizes sind eher rar gesät und einem Gesamtvolumen von jeweils gut 30 Millionen Franken noch nicht wirklich bei Anlegern angekommen. Allerdings sind die Produkte auch noch recht neu.

Investoren haben aktuell je nur die Wahl eines einzigen Anbieters. Am MSCI World Small Cap Index können Anleger durch einen Entsprechenden ETF von SPDR partizipieren. Die Kosten liegen bei 0,45%. Etwas günstiger ist der Nebenwerte-Index, bei dem die Einzeltitel gleichgewichtet werden: iShares berechnet für den ETF auf den MSCI World Mid Equal 0,3%.

Bei den einzelnen Länderindizes kommen Anleger auf den ersten Blick mit den SPDR-ETF auf den S&P MidCap 400 am günstigsten weg. Hier handelt es sich zugleich auch um den von Volumen her größten ETF, der aktuell 658 Millionen Franken hält.

Für den Russel 2000 Fallen zwischen 34 und 45 Basispunkte pro Jahr an. Das jüngste Produkt ist hier von Amundi. Seit knapp 1,5 Jahren ist der ETF auf dem Markt und gibt bei den Kosten das untere Ende vor. Somit verwundert es auch nicht, dass das Amundi-Produkt mit einem Volumen von 150 Millionen mittlerweile der Zweitgrößte ETF auf den Russell 2000 ist.

Der MSCI USA Small Cap Index wird nur von Comstage und dem Marktführer iShares getrackt. Beide Produkte gibt es seit gut sechs Jahren, die Fondsvolumina driften aber stark auseinander. Comstage hat bis heute gerade mal 75 Millionen Franken eingesammelt, während es der iShares ETF auf 428 Millionen Schweizer Franken bringt. Das ist insbesondere deshalb kurios, da der Comstage-ETF für immerhin 8 Basispunkte weniger an Kosten zu haben ist, und das schon seit dem Jahr 2009.

Anleger, die mit japanischen Nebenwerten liebäugeln, haben nur eine Wahl. Das entsprechende iShares-Produkt ist der älteste aller ETFs unserer Nebenwerte-Auswahl und bringt es mittlerweile auf ein Volumen von 203 Millionen Franken, kostet allerdings mit 0,58% im Jahr am meisten.

Tabelle: Globale Nebenwerte-ETF im Vergleich

Globale nebenwerte-ETFs
 

Wertentwicklung im Vergleich mit Europa

Im Vergleich mit den vorgestellten Nebenwerten in Deutschland, der Schweiz, UK, oder Europa in unseren vorherigen Berichten, sind die weltweiten Titel im laufenden Jahr am schlechtesten gelaufen und haben bislang im Null-Komma Prozentbereich performt. In der Tabelle nicht abgebildet ist der Maximale Verlust seit Januar 2014: Auf Monatsebene mussten Anleger beim MSCI World Small Cap als höchsten Rückgang 9,1% hinnehmen. Beim gleichgewichteten MSCI World Mid Equal Weight ging es seit Auflage im Oktober 2014 in einem Monat maximal 7,6% nach unten.

Amerikanische Nebenwerte ziehen in 2015 das Anlegerportfolio sogar ins Minus. Einzig die japanischen Small Caps kommen mit einem Plus von 3,7% in die Nähe europäischer Nebenwerte, wobei auch hier TecDAX, SDAX oder die Schweizer Nebenwerte um ein paar Prozent vorne liegen. Um einen längeren  Zeitraum zu betrachten, reicht die Historie der globalen Nebenwerte-ETFs noch nicht aus. Wir müssen uns daher auf den Vergleich amerikanischer und japanischer Small und Mid-Caps mit europäischen Werten beschränken.

Bei US-Nebenwerten lief auf längere Sicht der MSCI USA Small Cap um ein paar Basispunkte besser und lieferte auf drei Jahre ein Plus von 17,8%, auf fünf Jahre sind es knapp plus 10%. Der etwas breitere Russell 2000 liegt hier jeweils gut 1,5% hinter MSCI, dennoch lässt sich die Performance sehen. Auch beim maximalen Wertverlust macht der Russell 2000 eine etwas schlechtere Figur, wobei aber ein Minus auf Monatsbasis von 10,4% gegenüber 9,6% bei MSCI nicht wirklich besorgniserregend ist. Werfen wir nochmal einen Blick auf Europa: Auf Drei Jahre liefen MDAX und TecDAX besser als die USA, allerdings war auch etwas mehr Nervenstärke von den Anlegern gefordert. Paneuropäische Nebenwerte, Schweiz und UK liegen in diesem Zeitraum in etwa auf dem Niveau von US-Nebenwerten. Auf Fünf-Jahressicht heißt die Performance-Rangfolge: MDAX, FTSE250, MSCI USA Small Cap, Russell 2000, SMIM.

Japanische Nebenwerte sind im laufenden Jahr an amerikanischen vorbeigezogen, auf Sicht von drei und fünf Jahren sind sie mit einem Plus von 12,4% beziehungsweise 4,1% aber wiederum das Schlusslicht – auch im Vergleich mit Europa. Und das bei einem etwas höheren Maximalverlust von 8% auf Monatssicht. Insgesamt hatten Anleger auf längere Sicht also mit japanischen Nebenwerten weniger Freude: auf der einen Seite bleibt die Performance zurück, auf der anderen Seite ist der maximale Drawdown hier mit einer der höchsten.

Technische Feinheiten: Replikation und Ausschüttung

Die Abbildung der Indizes erfolgt größtenteils physisch, genauer gesagt durch Sampling. Das bedeutet, dass ein Teil der Aktien des Index im ETF sind, mit denen sich die Wertentwicklung des gesamten Index replizieren lässt. Das bedeutet auch, dass in Marktphasen mit hohen Kursschwankungen auch der ETF etwas stärker vom Index abweichen kann. Der Russell 2000 wird ausschließlich synthetisch repliziert. Hier werden – genau wie beim Sampling – nach einem mathematischen Modell in Wertpapiere investiert, mit denen der Index möglichst genau abgebildet wird. Diese Methode ist bei illiquideren Märkten wie Nebenwerten oder machen Emerging Markets nicht ungewöhnlich, kann aber ebenso auf höheren Tracking Error hinauslaufen.

Noch wichtiger als die Replikation ist die Ertragsverwendung. In unserer Auswahl sind lediglich der Amundi-ETF auf den Russell 2000 sowie der iShares MSCI Japan Small Cap ausschüttend. Alle anderen ETFs reinvestieren die Ausschüttungen, wodurch Anleger sozusagen vom Zinseszins-Effekt profitieren können.

Über den Autor

Michael Haker  Michael Haker ist freier Mitarbeiter bei Morningstar.