Welche Fragen man vor dem Kauf eines aktiven Fonds stellen sollte

Wir haben einen Wegweiser für die Auswahl von aktiv verwalteten Anlagefonds erstellt. Er soll Anleger vor unangenehmen Überraschungen schützen und ihnen helfen, ihre Ziele zu erreichen. Unsere Website hilft Ihnen bei der Fondsauswahl.

Adam Zoll 26.05.2015

Es gab Zeiten, in denen es nahezu überflüssig war sich zu fragen, ob man in einen aktiven oder passiven Fonds investieren sollte. Eine derartige Frage hätte vor nicht ganz so langer Zeit sogar Unverständnis hervorgerufen. Der Befragte hätte vermutlich entgegnet: „Werden denn nicht alle Fonds aktiv verwaltet?“

Heute ist die Lage natürlich ganz anders. Die zunehmende Beliebtheit von Indexfonds – teilweise aufgrund der Tatsache, dass sie günstiger sind als aktiv verwaltete Anlagefonds – hat die Anleger sensibilisiert. Heute basiert der Kauf eines aktiven Fonds oft auf einer bewussten Entscheidung.

Wenn man sich aber für ein aktives Management entscheidet, ist es wichtig sicherzustellen, dass man auch wirklich den Mehrwert bekommt, für den man bezahlt. Wir stellen einige zentrale Kernfragen vor, die Sie beantworten sollten, wenn Sie einen aktiv verwalteten Fonds kaufen möchten. Wenn ein Fonds den Anforderungen nicht genügt, nachdem Sie alle Fragen beantwortet haben, dann sollten Sie sich anderweitig umschauen.

Vorweg ein Hinweis auf unsere Entscheidungshilfen: Auf unserer Website morningstar.de erhalten Sie Zugang zu allen Informationen. Wenn Sie den Fondsnamen oder ISIN in die Suchmaske oben rechts auf der Website eingeben, gelangen Sie zur Übersichtseite des jeweiligen Fonds. Dort sehen Sie links die Fondsnavigation (roter Rahmen in der Illustration), in der Sie die wichtigen Fondsmerkmale finden: Performance, das qualitative Analysten Research (sofern vorhanden), nähere Angaben zur Rendite, Informationen zu unseren quantitativen Sterne-Ratings und zum Risiko, eine detaillierte Portfolio Analyse, die Ihnen Aufschluss gibt über die Länder-, Branchen- und Titelallokation sowie Informationen zum Investmentstil. Grundlegende Angaben zum Fondsmanagement und zur Gesellschaft werden weiter unten. Abgerundet  werden die Informationen von den Angaben zu den Fondskosten.  

Grafik: Navigation durch die Wissensbereiche zu Fonds
Fondsnavigation

Frage 1: Was kostet das aktive Management?

Unabhängig vom Anlagestil eines Fonds ist die Kostenfrage immer ein wichtiges Auswahlkriterium. Indexfonds haben zumeist einen Vorteil, da die Abbildung eines Index günstiger ist als Personal für Research und die aktive Investmentauswahl einzustellen. Im Durchschnitt berechnen aktive Aktienfonds in Europa mindestens 1,5%; aktive Anleihfonds kommen inzwischen oft auf 1%. Indexfonds sind deutlich günstiger.

Darauf sollten Sie achten: Informationen zu den Gebühren eines Fonds sind im Bereich Übersicht auf unserer Website aufgeführt. Sie finden dort zum einen den Ausgabeaufschlag, der jedes Mal beim Kauf eines Fonds fällig wird. Diese Gebühr ist inzwischen Verhandlungssache und kann entsprechend von Vertriebsstelle zu Vertriebsstelle unterschiedlich ausfallen. – wir weisen den maximalen Ausgabeaufschlag aus. Die laufenden Kosten werden indes jedes Jahr fällig.

Frage 2: handelt es sich wirklich um einen aktiv gemanagten Fonds?

Für Inhaber eines aktiv verwalteten Fonds ist nichts frustrierender, als herauszufinden, dass sich der Fonds nahezu identisch wie ein Indexfonds verhält, obwohl er vier oder fünf Mal so viel kostet. Wenn Sie einen aktiven Fonds ausgewählt haben, dann dürfen Sie erwarten, dass der Manager kluge Anlageentscheidungen trifft und besser als sein Vergleichsindex performt. Einige Fonds weichen aber kaum von ihrer Benchmark ab. Man spricht hier von verkappten Indexfonds (lesen Sie hier mehr). Als Anleger in einen aktiven Fonds sollten Sie ein Gefühl dafür entwickeln, wie aktiv ihr Fonds verwaltet wird.

Darauf sollten Sie achten: Um eine erste Idee davon zu bekommen, inwieweit ein Fonds und seine Benchmark zusammenhängen, werfen Sie einen Blick auf die Übersicht zu einem Fonds. In der abgebildeten Grafik können Sie erkennen, in wie ein Fonds (rote Linie), seine Vergleichskategorie (orangene Linie) und seine Benchmark (grüne Linie) parallel verlaufen und auf Jahressicht performen. Einen weiteren Hinweis liefert das R-Squared, in der Fondsnavigation zu finden unter dem Bereich Rating und Risiko (grüner Pfeil). Das R-Squared weist darauf hin, in wie weit sich Fonds und Benchmark zusammen auf oder ab bewegen. Je höher der Wert, desto ähnlicher verlaufen beide. In unseren Fondsreports wird das R-Squared eines Fonds für seine Benchmark und den am besten passenden Index berechnet.

Frage 3: Verstehen sie die Strategie des Fonds?

Die Entscheidung ob Aktiv oder Passiv ist erst der Anfang der Geschichte, da aktive Fonds ganz unterschiedliche Strategien haben können. Manche haben einen Growth- oder einen Value-Ansatz. Es gibt breit Diversifizierte mit hunderten von Einzeltiteln, während andere nur ein paar duzend unterschiedliche Aktien haben. Bei Anleihe-Fonds kann es Unterschiede im Kreditrisiko geben: Einige sind etwas gewagter aufgestellt, manche fahren lieber eine sichere Schiene und Dritte investieren in bestimmte Anleihen – beispielsweise Staats- oder Unternehmensanleihen – etwas mehr als ihre Wettbewerber.

Darauf sollten Sie achten: Die Kategorisierung eines Fonds ist eine ganz gute Ausgangsbasis um eine Ahnung von seinem Investmentfokus zu bekommen. Am besten ist es aber, sich mit der Anlagestrategie eines Fonds vertraut zu machen, indem man sich den Fondsprospekt sowie das Research unserer Analysten genau durchliest, in der Fondsnavigation unter Analysten Research (schwarzer Pfeil). Dort finden Sie neben dem Investmentansatz auch eine Einschätzung zu den Fondsmanagern, der Investmentgesellschaft und den Kosten. Das Morningstar Analyst Rating hat die Stufen Negativ, Neutral, Bronze, Silber oder Gold. Es ist die qualitative Einschätzung eines Fonds und sollte als Ergänzung zu dem quantitativen Morningstar Sterne Rating gesehen werden, dass allein auf der historischen Performance basiert und auf Ebene der Morningstar Kategorien rein quantitativ berechnet wird.

Vergewissern Sie sich, dass Sie den Investmentansatz eines Fonds verstehen und dass Sie sich damit wohl fühlen, oder finden Sie im Zweifel ein geeigneteres Produkt.

Frage 4: Welche Rolle spielt ein Fonds in Ihrem Portfolio?

Anleger können sich mit einem aktiv verwalteten Fonds ein ganz bestimmtes Anlageuniversum ins Portfolio holen (beispielsweise inländische Standardwerte, ausländische Nebenwerte, Hochzinsanleihen, usw.). Es ist aber nicht verkehrt, einen Blick auf den Hintergrund der Kategorisierung eines Fonds zu werfen. Es kann gut sein, dass zwei Fonds in derselben Kategorie komplett unterschiedlich agieren – je nach Managementansatz. Manche Fonds haben beispielsweise sehr konzentrierte Portfolios mit nur 30 Einzeltiteln, die dementsprechend auch ausgeprägte Performance-Muster zeigen. Andere Fonds derselben Kategorie sind hingegen breiter aufgestellt und halten deutlich mehr Aktien. Trotz dieser deutlichen Unterschiede in den jeweiligen Portfolios können beide Fonds sogar das gleiche Morningstar Analyst Rating haben.

Auch wenn ein Fonds eine etwas volatilere Performance liefert, stellt sich die Frage: Haben Sie in ihrem Portfolio ein Gegenstück, das etwas mehr Ruhe rein bringt? Zudem sollten Sie einen Blick auf den Cash-Anteil bei einem Fonds werfen: Fondsmanager, die höhere Barbestände halten, schneiden in einer Haussephase deutlich schlechter ab, da sie nicht investiert sind. Vorteil ist hingegen, dass sie einen Teil der erzielten Rendite sichern, von Schwächephasen des Marktes nicht ganz so stark mit nach unten genommen und sich mit den Barbeständen in einer schlechten Marktphase Schnäppchen angeln können.

Darauf sollten Sie achten: Sehen Sie sich einige ganz wesentliche Kennzahlen an um herauszufinden, wie ein Fonds vorgeht. Das Morningstar Risk Rating gibt Hinweise auf die Schwankungsanfälligkeit in Relation zu seiner Vergleichsgruppe, wobei Ausschläge nach unten besonders berücksichtigt werden. Es ist Teil des Sterne-Ratings und wird zudem gesondert im Bereich Rating und Risiko (grüner Pfeil) angezeigt.

Um die Details zur Zusammensetzung des Fonds zu sehen, klicken Sie in der Fondsnavigation auf den Bereich Portfolio (gelber Pfeil). Neben dem Cash-Anteil sehen Sie dort auch die größten Einzelpositionen sowie Sektorgewichtungen. Letzteres ist gerade im Vergleich mit anderen Fonds spannend. Mit Hilfe unseres X-Ray-Tools sehen sie die Gewichtung der Länder/Regionen, Sektoren und Einzeltitel von bis zu zehn Fonds im Vergleich, wodurch sich Klumpenrisiken erkennen lassen. Sie können auch die konkrete Überschneidung auf Einzeltitelebene ermitteln. So lässt sich feststellen, welche Rolle ein Fonds in Ihrem Portfolio spielen soll und in wie weit die Kombination von mehreren Fonds ein besonders hohes Exposure auf Ebene von Sektoren oder Einzeltiteln zur Folge hat.

Frage 5: Hat sich der Fondsmanager bereits in der Vergangenheit bewährt?

Wenn ein Fondsmanager sein Können noch nicht unter Beweis gestellt hat, kann es durchaus sein, dass sich die Zusatzkosten für einen aktiven Fonds nicht lohnen. Es ist von Vorteil, wenn das Management seit zehn oder mehr Jahren im Amt ist und aus einem erfahrenen und ressourcenstarken Team besteht, das einen Markt in und auswendig kennt.

Darauf sollten Sie achten: In der Fondsnavigation finden sie im Bereich Management (blauer Pfeil) einige Details zu den Vermögensverwaltern – Unter anderem wer den Fonds managt, seit wann sie für das Mandat verantwortlich sind und wo sie ihre Ausbildung genossen haben. Zudem ist aufgelistet, welche Fonds sie noch managen.

Wenn ein Manager schon länger in der Branche tätig ist, einen Fonds aber erst seit Kurzem verwaltet, dann sollten sie einen Blick auf die Performance seiner vorherigen Mandate werfen. Wie gut war seine Leistung in Zeiten hoher Volatilität wie im Jahr 2008, als es deutlich nach unten ging, oder im Jahr 2013, als die Märkte rasch anstiegen? Achten Sie zudem auf unser Analysten Research.

Frage 6: Wie solide ist die Fondsgesellschaft?

Die Fondsgesellschaft eines aktiven Fonds kann für dessen Erfolg von kritischer Bedeutung sein. Unsere Analysten bewerten anlegerfreundliche Fondsanbieter meist positiver. Solche Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie darauf bedacht sind, gute Leute zu halten. Das ist gerade dann wichtig, wenn es um die Auswahl eines aktiven Fonds geht, der das Kerninvestment in einem Portfolio sein sollte. Denn gerade in solchen Fällen ist das Letzte was Sie möchten, dass sich das Fondsmanagement samt Investmentansatz alle paar Jahre ändern.

Gute Fondsgesellschaften zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass sie einen Fonds für neue Anleger schließen, wenn das verwaltete Vermögen zu groß wird, er dadurch an Flexibilität zu verlieren droht und so das erfolgreiche Management erschwert. Es gibt nämlich Fälle, in denen hohe Fondsvolumina die effektive Umsetzung der Anlagestrategie behindern. Das ist beispielsweise bei weniger liquiden Nebenwerten der Fall. In diesem Markt machen hohe Volumina den Kauf und Verkauf großer Positionen schwierig.

Darauf sollten Sie achten: Vergewissern Sie sich, dass der Morningstar Pillar „Fondsgesellschaft“ (Sie finden ihn im Bereich Analysten Research) ein positives Rating hat. Zudem sind die Publikationen der einzelnen Fondsgesellschaften einen Blick wert, in denen Sie über die eigene Unternehmenskultur und die Mitarbeiterführung schreiben. Am Ende sollten Sie sich für einen Anbieter entscheiden, der die Anlegerinteressen in den Vordergrund stellt und auf Stabilität beim Fondsmanagement setzt.

Über den Autor

Adam Zoll  Adam Zoll is an assistant site editor with Morningstar.com