Misch- und Obligationenfonds bleiben die Eckpfeiler im Fondsvertrieb 2015

Rücksetzer am Euroland-Bondmarkt macht sich (noch) nicht in den Geldflüssen in Fonds bemerkbar. Nachfrage nach Aktienfonds unverändert schwach. Der Morningstar Fondsabsatzbericht für den Monat April.

Ali Masarwah 08.06.2015

Misch- und Obligationenfonds sind weiter im Fokus europäischer Investoren. Wie aus der Morningstar Absatzstatistik für europäische Fonds hervorgeht, haben Anleger auch im April vvor allem Bond- und Mischfonds gekauft. In Aktien und Bonds gemischt investierende Anlagefonds sammelten netto 18,63 Milliarden Euro ein, Obligationenfonds sahen Zuflüsse von netto 17,46 Milliarden Euro. Das ist allerdings deutlich unter dem Niveau des Vormonats, als beide Fondsgruppen Rekordzuflüsse sahen. Alternative Fonds, die Hedgefonds-ähnliche Strategien verfolgen, konnten acht Milliarden Euro einsammeln, das zweithöchste jemals in einem Monat gemessene Absatzniveau.

Aktienfonds mussten dagegen Abflüsse in Höhe von 2,16 Milliarden Euro hinnehmen. Während Indexfonds relativ gemässigte Abflüsse in Höhe von 490 Millionen Euro verzeichneten, waren die Anteilsscheinrückgaben bei aktiv verwalteten Anlagefonds mit 1,67 Milliarden Euro deutlich höher. (Diese Zahlen inkludieren nicht die Absatzbilanz von Aktien-ETFs, die wegen hoher Abflüsse aus dem iShares Core DAX im April ebenfalls deutlich im Minus waren.)

Geldmarktfonds sahen mit Zuflüssen von 12,07 Milliarden Euro erneut eine solide Nachfrage. Angesichts des Nullzins-Umfelds sowie der haussierenden Aktienmärkte bis Ende April überrascht die Tatsache, dass diese kurzfristigen Vehikel vier Monate in Folge positive Mittelflüsse verbucht haben. Treiber der Zuflüsse waren im April Netto-Investments von 24,6 Milliarden Euro in Geldmarktfonds mit Domizil Frankreich.

Tabelle: Mittelflüsse im April nach Asset Klasse

Kommen wir zu den Mittelflüssen nach Morningstar Kategorie. Zählt man die alternativen Multistrategie Fonds hinzu, machten Mischfonds im April sechs der zehn Kategorien mit den höchsten Zuflüssen aus. Die stärkste Nachfrage sahen defensive und ausgewogene Kategorien. Zu den vertriebsstärksten defensiven Mischfonds zählten der Ethna Aktiv, der 455 Millionen Euro netto einsammeln konnte. Auch der Invesco Pan European High Income Fund sah mit 407 Millionen Euro hohe Zuflüsse.

Hinter den hohen Zuflüssen bei Multistrategie-Fonds standen vor allem zwei Produkte: Die beiden Tranchen des Standard Life Investment GARS, die insgesamt 1,32 Milliarden Euro an Nettomittelzuflüssen auf sich vereinen konnten. Auch der in Grossbritannien vertriebene IP GlobalTargeted Returns Fund und der DWS Concept Kaldemorgen zählten mit Zuflüssen von 339 Millionen bzw. 256 Millionen Euro zu den erfolgreichsten Fonds dieser Kategorie.

Die hohen Zuflüsse in Bondfonds setzten sich ungeachtet der scharfen Korrektur bei EUR-Staatsanleihen ab Mitte des Monats im April fort, wie aus der unteren Tabelle ebenfalls hervorgeht. Selbst Fonds der Kategorie EUR Staatsobligationen lagen mit Zuflüssen von insgesamt 1,22 Milliarden Euro (nicht in den Top 10 Kategorien vertreten) in positivem Terrain.

Tabelle: Die Morningstar Kategorien mit höchsten Zuflüssen im April (ex Geldmarkt)

Hohe Abflüsse in Höhe von 2,45 Milliarden Euro mussten indes global investierende Aktien-Schwellenländerfonds hinnehmen. Dies war der 7. Monat in Folge, in dem diese Kategorie negative Absatzzahlen hinnehmen musste. Besonders bluten musste der SKAGEN Kon-Tiki, der im vergangenen Jahr eine sehr schwache Performance verbuchte und im 94. Perzentil seiner Vergleichsgruppe landete. Er verlor netto 434 Millionen Euro. Auch der Fidelity FF Emerging Markets sowie der BlackRock ISF EM Fundamental Weighted Index Fund hatten unter Anteilsscheinrückgaben von 380 Millionen bzw. 334 Millionen Euro zu leiden.

Auch USA-Aktienfonds blieben auf der Verkaufsliste von Investoren, auch wenn die Mittelabflüsse nicht mehr so hoch waren wie in den Vormonaten. Ungeachtet satter Währungsgewinne zum Jahresanfang hinken aus der Sicht von Eurozonen-Investoren US-Standardwerte-Aktienfonds vergleichbaren Europa-Fonds deutlich hinterher.

Etwas diffuser fällt das Bild auf der Bond-Seite aus. Hier scheint die strukturelle Nachfrage alle anderen Faktoren zu überlagern. Zwar mussten Schwellenländer-Bondfonds für lokale Währungen Abflüsse hinnehmen, aber die ebenfalls bedeutsame Kategorie der Schwellenländerfonds, die in Hartwährungsanleihen investieren, konnten Nettozuflüsse von über 1,1 Milliarden Euro generieren. US-Dollar-Hochzinsfonds sahen im Gegensatz zu USA-Aktienfonds im April mit einem Absatzplus von knapp 800 Millionen Euro eine solide Nachfrage.

Tabelle: Die Morningstar Kategorien mit den höchsten Abflüssen im April

Auf Ebene der Anbieter setzte die italienische Eurizon Capital ihren Siegeszug in Europa fort. Die Tochtergesellschaft der Bank Intesa Sanpaolo war auch im April das Vertriebs-Power-Haus – vor allem dank dem Absatz von Laufzeitfonds. Es handelt sich dabei größtenteils um Mischfonds, die – ungeachtet begrenzter Laufzeiten – auch signifikante Aktienquoten aufweisen. Wir bei Morningstar sehen den Einsatz dieser Produkte aufgrund der geringen Flexibilität und ihrer hohen Kosten eher kritisch.

Der grösste Asset Manager Europas, BlackRock, zählte ebenfalls mit Zuflüssen von 2,85 Milliarden Euro zu den absatzstärksten Gesellschaften. Das US-Haus profitierte vor allem von der hohen Nachfrage nach Renten- und Mischfonds. Die höchsten Zuflüsse sahen dabei der BGF Euro Short Term Duration Bond Fund (747 Millionen Euro), der BGF European Equity Income sowie der BlackRock China Fund.

Standard Life profitierte, wie bereits oben erwähnt, von hohen Zuflüssen in seine alternative Fonds.

Tabelle: Die Asset Manager mit den höchsten April-Zuflüssen

In der Liste der Anbieter mit den höchsten Abflüssen hatte Franklin Templeton erneut die rote Laterne. Interessanterweise gehen die Rückgaben dabei nicht nur auf das Konto der beiden grossen global investierenden Bond-Fonds, Templeton Global Bond Fund und Templeton Global Total Return, die ebenfalls einen weiteren schwachen Monat im Vertrieb verzeichneten. Von allen Templeton-Fonds in Europa musste der Templeton Asian Growth mit Anteilsscheinrückgaben im Umfang von 481 Millionen Euro die höchsten Abflüsse hinnehmen. Der von Mark Mobius verantwortete Fonds musste in diesem Jahr bereits knapp eine Milliarde Euro an Abflüssen verkraften.

Ungewohnt war das Bild beim britischen Anbieter M&G. Die Abflüsse gingen fast ausschliesslich auf Rückgaben beim Flaggschiff M&G Optimal Income zurück. Per Ende April machte dieser defensive Mischfonds knapp 30% der Fondsgelder der Briten europaweit aus. Wohl und Wehe von M&G hängt also inzwischen von den von Richard Woolnough verantworteten Fonds ab.

Angesichts der großen Bedeutung von Schwellenländer-Investments kommen die Abflüsse bei Aberdeen, BlueBay, Skagen (und Franklin Templeton) nicht überraschend.

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Abflüssen im April

Ein letzter Blick auf den Erfolg und Misserfolg der größten Publikumsfonds in Europa (ex Geldmarktfonds). Obwohl die – deutlich kleinere – Luxemburger Tranche des SLI GARS mit ihren Zuflüssen von gut 800 Millionen Euro nicht in der unteren Tabelle enthalten ist, findet sich die alternative Strategie der schottischen SLI ganz weit oben im Absatz-Ranking.

Wie oben erwähnt, musste dagegen der bisher im paneuropäischen Vertrieb sehr erfolgreiche M&G Optimal Income Abflüsse von gut einer Milliarde Euro hinnehmen. Hier lohnt sich ein etwas genauerer Blick: Die Abflüsse gehen auf die Rückgaben von Anlegern in der Eurozone zurück. Das ist ein neues Phänomen: Während der Fonds auf dem britischen Heimatmarkt schon lange kein Renner mehr ist, hat die Nachfrage von Investoren aus der Eurozone in den vergangenen Jahren den M&G Optimal Income zum zeitweilig größten Publikumsfonds in Europa gemacht. Zweidrittel der Fondsgelder stecken heute in institutionellen und Retail-Tranchen des Fonds, die zwischen 2012 und 2014 gut 16 Milliarden Euro an Zuflüssen anzogen. Eine naheliegende Erklärung ist die Underperformance des Fonds seit 2014, was in erster Linie auf die tiefe Aktienquote zurückgehen dürfte. Allerdings verfügt der Fonds ungeachtet seiner derzeitigen Schwächephase über die zweitbeste Note im Morningstar Analyst Rating („Silver“).

Den beiden von Michael Hasenstab verwalteten Bond-Fonds Templeton Global Bond und Templeton Global Total Return litten ebenfalls unter einer schwachen Performance, und der schlechte Newsflow über die hohen Investitionen des US-Hauses in Ukraine Bonds dürften ebenfalls dazu beigetragen haben, den Absatz im April in den roten Bereich zu drücken.

Hohe Zuflüsse zogen indes der Carmignac Patrimoine und der JPMorgan Global Income an. Letzterer weist mit einer organischen Wachstumsrate von knapp 30% in den vergangenen 12 Monate die dynamischste Entwicklung unter den großen Tankern auf.

Tabelle: Die Absatzbilanz der grössten Publikumsfonds (ex Geldmarkt) im April

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.