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Rendite-Anstieg stimmt Fondsanleger vorsichtig

Verluste am Obligationenmarkt bewirken Verkaufswelle in etlichen Bond-Kategorien. Aktienfonds stehen ebenfalls auf der Verkaufsliste europäischer Fondsanleger. Mischfonds und Alternatives dagegen unverändert gefragt. Der Morningstar Fondsabsatzbericht für den Monat Mai.

Ali Masarwah 02.07.2015

Anleger in Europa haben sich im Mai bei Fondsinvestments im Vergleich zu den Vormonaten zurückhaltend gezeigt. Wie aus den Morningstar Mittelflussdaten hervorgeht, sanken die Zuflüsse in Obligationenfonds auf 5,54 Milliarden Euro; das war das niedrigste Niveau in einem Monat seit Ende 2014. Aktienfonds mussten per Saldo Abflüsse hinnehmen, wobei das Bild im Mai keinesfalls einheitlich war. Aktiv verwaltete Aktienfonds mussten Abflüsse von 820 Millionen Euro hinnehmen, die Rückgaben bei nicht-bösennotierten Aktien-Indexfonds beliefen sich auf 160 Millionen Euro; Aktien-ETFs sahen dagegen Zuflüsse von 540 Millionen Euro.

Die Gewinner waren wieder einmal Mischfonds und alternative Produkte. Diese beiden Produktgattungen sahen erneut sehr stabile Zuflüsse, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau als in den ersten Monaten des Jahres.

Geldmarktfonds mussten hohe Abflüsse von 13,55 Milliarden Euro verkraften.

Tabelle: Zuflüsse im Mai nach Asset Klassen (ex ETFs)

Ein Blick auf die Absatzbilanz nach Morningstar Kategorie illustriert eindrucksvoll den Stimmungswandel europäischer Anleger. Hatte sich der Renditeanstieg bei Staatspapieren nicht in den April-Mittelflüssen widergespiegelt, so brachen im Mai regelrecht die Dämme: Diversifizierte Euro-Rentenfonds wurden so stark verkauft wie zuletzt im Dezember 2008. Aus diesen Anlagefonds flossen 2,64 Milliarden Euro ab.

Auch Euro-Staatsobligationenfonds und Euro-Corporates sahen substanzielle Rückflüsse. In den Sog der Verkäufe gerieten auch US-Dollar-Hochzinsfonds. Diese Rückflüsse drückten die Nachfrage nach Bond-Fonds im Mai deutlich.

Tabelle: Die Kategorien mit den höchsten Abflüssen im Mai (ex Geldmarkt)

Kontinuität war dagegen bei den Kategorien mit der höchsten Nachfrage in den vergangenen Jahren angesagt. Im Fokus standen vor allem defensive und ausgewogene Mischfonds sowie alternative Multistrategiefonds. Letztere Kategorie konnte mit gut drei Milliarden Euro die höchsten Zuflüsse auf Kategorieebene im Mai verbuchen. Getragen wurden diese Investments vor allem von den zwei Fondstranchen der GARS Strategie von Standard Life Investments, die kombiniert 1,27 Milliarden Euro an Zuflüssen sahen. Invesco Perpetual Global Targeted Returns sammelte netto 236 Millionen Euro ein, und der DWS Concept Kaldemorgen verbuchte Zuflüsse in Höhe von 185 Millionen Euro.

Defensive, global anlegende Mischfonds konnten ebenfalls mehr als drei Milliarden Euro einsammeln. Unter den Fonds mit der stärksten Nachfrage waren hier der Ethna-Aktiv und Carmignac Portfolio Capital Plus, die auch im gesamten bisherigen Jahresverlauf den stärksten Absatz in der Kategorie zeigten.

Interessant ist, dass im Mai eine verstärkte Nachfrage nach flexiblen Mischfonds gesehen wurde, einer Kategorie, die im Vergleich zu anderen Mischfonds mit klaren Rendite-Risiko-Profilen in den vergangenen Monaten ins Hintertreffen geraten war. Hier sahen der FvS Multiple Opportunities und M&G Dynamic Allocation die höchste Nachfrage.

Tabelle: Die Kategorien mit den höchsten Zuflüssen im Mai (ex Geldmarkt)

Das erfolgreichste Fondshaus im Mai war BlackRock. Der weltgrößte Vermögensverwalter verzeichnete in seinen europäisch domizilierten Fonds (ex iShares ETFs und ex Geldmarktfonds) Zuflüsse in Höhe von 2,94 Milliarden Euro. Das Gros der Gelder floss in Fonds der Kategorie Rentenfonds global flexibel, Euro-Kurzläufer und Schwellenländer Bonds. Fonds der alternativen Kategorie Debt Arbitrage waren ein weiterer Treiber für BlackRock.

Die Schweizer UBS profitierte von der Nachfrage nach Global Emerging Markets Bond Fonds. Auch US-Standardwertefonds der UBS sahen hohe Zuflüsse.

Erneut konnten die italienischen Asset Manager Pioneer und Eurizon mit ihren Laufzeit-Mischfonds punkten. Insbesondere der Vermögensverwalter von Intesa Sanpaolo war mit diesen, vor allem im Bankenvertrieb platzierten Produkten in diesem Jahr erfolgreich.

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Zuflüssen (ex Geldmarkt)

Hohe Abflüsse mussten dagegen vor allem M&G, Franklin Templeton und Aberdeen hinnehmen. Diese drei Asset Manager litten unter unterschiedlichen ungünstigen Konstellationen. Während Aberdeen und Franklin Templeton mit der Unbeliebtheit von Schwellenländer-Investments zu kämpfen hatten, geriet bei M&G erneut der langjährige Vertriebs-Renner M&G Optimal Income unter Druck. Der defensive Mischfonds erhielt den zweiten Monat in Folge die Quittung für die sehr konservative Aufstellung in diesem Jahr. Der Fonds partizipierte in den ersten vier Monaten kaum vom rasanten Renditerückgang bei Anleihen – vor allem bei Langläufern, was eine markante Underperformance zur Folge hatte. (Freilich kam diese Ausrichtung gerade ab Mitte April Investoren zugute).

Deka Investment, Santander und BNP Paribas lagen vor allem aufgrund von Abflüssen aus Euro-Rentenfonds im Mai hinten.

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Abflüssen (ex Geldmarkt)

Die Absatzbilanz der grössten Anlagefonds in Europa im Mai einerseits von Abflüssen aus großen Bond-Produkten geprägt, wobei die Gründe mannigfaltiger Natur waren: Litt der M&G Optimal Income unter einer zu konservativen Aufstellung (die im Berichtszeitraum zwischen Mitte April und Ende Mai freilich für ihn arbeitete!), so dürften die substanziellen Abflüsse aus den beiden globalen Franklin Templeton Bond-Fonds vor allem auf die Nervosität von Investoren über das hohe Schwellenländer-Exposure zurückgehen. Auch der AllianceBernstein Global High Yield Portfolio wurde im Zuge der negativen Stimmung für US-Hochzinsbonds in großem Stil verkauft.

Die hohen Zuflüsse in die SLI Global Absolute Return Strategies (GARS), JPM Global Income und Carmignac Patrimoine spiegeln indes die hohe Nachfrage nach gemischten Fonds wider – auch wenn das Momentum der Zuflüsse beim Carmignac Patrimoine zuletzt abgenommen hat.

Zurückhaltend zeigen sich Anleger dagegen bei Aktien – sogar bei Dividendenprodukten, die von Fondsanbietern in Zeiten extrem niedriger Zinsen gerne als Bond-Ersatz hervorhoben werden. Beim DWS Top Dividende sank die Nachfrage zuletzt merklich, und bei dem in Großbritannien vertriebenen Invesco Perpetual High Income fielen hohe Abflüsse an, was freilich auch eine Spätfolge des Abschieds des ehemaligen Fondsmanagers Neil Woodford sein könnte.

Tabelle: Absatzbilanz der grössten Publikumsfonds in Europa (ex Geldmarkt)

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.