Aktiv verwaltete Aktienfonds: Gruß aus der Nische?

Indexfonds verbuchen bereits seit Jahren hohe Zuwachsraten, während aktiv verwaltete Aktienfonds im Vertrieb bestenfalls stagnieren. Wir haben uns angeschaut, in welchen Kategorien die einen gewinnen und die anderen verlieren. Teil II unserer Serie „Aktiv vs. Passiv“.

Ali Masarwah 20.10.2015

Wir haben die hohen Abflüsse aus aktiv verwalteten Aktienfonds im August zum Anlass genommen, auf das Anlageverhalten von Investoren in Europa näher zu schauen. Im ersten Teil dieser Serie zur Frage „Aktienfonds: aktiv oder passiv?“ haben wir uns die längere Historie der Mittelflüsse in Aktienfonds in Europa angesehen und festgestellt, dass in den vergangenen zwei Jahren ein klarer Trend hin zu Index-Aktienfonds zu beobachten ist. Sie sammelten beständig mehr Geld ein als aktive Fonds, die zudem über weite Strecken dieses Jahres Mittelabflüsse verbuchen mussten (lesen Sie hier mehr). 

Im zweiten Teil unserer Serie wollen wir nun jenseits dieser Schlagzeile dem Trend auf den Grund gehen und auf die Aktienfonds-Kategorien schauen, in die Anleger überproportional viel Geld in Indexfonds gesteckt haben. Spiegelbildlich schauen wir auf die Kategorien, aus denen Anleger überproportional viel Geld aus aktiv verwalteten Fonds abgezogen haben. 

Tabelle: Zuflüsse in Indexfonds nach Morningstar Kategorien

 

Wie aus der oberen Tabelle hervorgeht, haben Anleger in den vergangenen 12 Monaten besonders viel Geld in Indexfonds für Euroland-Standardwerte angelegt, per Ende August waren es 11,66 Milliarden Euro. Die drei Top-Seller waren ETFs von iShares, Lyxor und db x-trackers mit jeweils gut 2 Milliarden Euro an Nettozuflüssen in diesem Zeitraum. Mit gut 1,55 Milliarden Euro lag der nichtbörsennotierte Indexfonds Vanguard Eurozone Stock Index bereits auf Platz vier der Euroland-Indexfonds mit den höchsten Zuflüssen in den vergangenen 12 Monaten. 

Indexfonds mit dem Anlagefokus europäische Standardwerte folgen auf Platz 2 mit Zuflüssen von 8,52 Milliarden Euro. US-Standardwerte-Aktienfonds, hier größtenteils Tracker auf den S&P 500, sammelten 9,76 Milliarden Euro ein. Hier lieferten sich in den vergangenen 12 Monaten der iShares Core S&P 500 und der Vanguard S&P 500 ETF mit 5,0 Milliarden bzw. 4,2 Milliarden Euro an Nettozuflüssen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 

Stark nachgefragt waren zuletzt auch global anlegende Indexfonds, die größtenteils die Performance des MSCI World Aktienindex abbilden sowie Schweizer und japanische Aktienindexfonds. In Summe lässt sich die Liste der zehn am stärksten nachgefragten Indexfonds nach Morningstar Kategorie so zusammenfassen: Anleger kaufen bei Indexfonds vor allem Produkte auf etablierte Benchmarks. Die Stichworte Euro STOXX 50, S&P 500 und MSCI World sind bereits gefallen: Die Liste lässt sich beliebig um die Benchmarks Nikkei 225, SMI und MSCI Europe verlängern.

Und wie sieht es spiegelbildlich bei aktiv verwalteten Aktienfonds aus? Es finden sich einige Gemeinsamkeiten mit Indexfonds. Auch hier standen in den vergangenen 12 Monaten europäische und japanische Standardwertefonds auf der Kaufliste von Anlegern in Europa. Doch es dominieren die Unterschiede: Mit Fonds der Morningstar Kategorien Aktien Indien, Aktien Gesundheit und andere Branchenfonds, globale und europäische Dividendenaktien sowie Europa Growth haben Anleger aktive Fonds jenseits der großen Standardwertekategorien gekauft.

Kommen wir nun zu den Kategorien mit den höchsten Abflüssen in den vergangenen 12 Monaten. Fangen wir mit den aktiv verwalteten Fonds an. Die Liste wird „angeführt“ von Fonds der Kategorie Aktien Schwellenländer Standardwerte. Diesen Fonds flossen 10,34 Milliarden Euro ab. Dabei wurden vor allem Fonds der Gesellschaften SKAGEN, Aberdeen und First State abgestraft. Die Kategorie mit den zweithöchsten Abflüssen europaweit waren -- spiegelbildlich zu den Zuflüssen auf Indexfondsseite – global anlegende Fonds für Standardwerte.

Die bereits angesprochene Umschichtung vom UniGlobal in den UniGlobal Vorsorge sollte nicht als „technischer Sonderfaktor“ relativiert werden, da dieser Umschichtung eine reale Änderung der Asset Allocation von Millionen von Riester-Rente-Sparern von Union Investment zugrunde liegt: faktisch investieren diese Vorsorge-Sparer nunmehr nicht länger ein einen Aktien-, sondern in einen ausgewogenen Mischfonds. Auch aus aktiven Asien-Pazifik und China-Fonds zogen Anleger viel Geld ab, was vor allem mit Befürchtungen über eine nachhaltige Abschwächung der chinesischen Wirtschaft zusammenhängen dürfte.

Auffällig ist zudem, dass aktive Fonds in vier britischen und amerikanischen Standardwerte-Kategorien in den vergangenen 12 Monaten besonders unbeliebt waren.

Tabelle: Aus diesen Kategorien erlitten aktive Fonds die höchsten Abflüsse

Interessant ist der Blick auf die Kategorien, aus denen das meiste Geld aus Indexfonds abgeflossen ist. Die höchsten Abflüsse erlitten in den abgelaufenen 12 Monaten Indexfonds für deutsche Standardwerte. Wie auch auf der aktiven Seite zählten auch bei Indexfonds Schwellenländerprodukte zu den großen Verlierern. Stark verkauft wurde auch China-A-Aktien- und Asien-Pazifik-Indexfonds. Doch hier enden die Gemeinsamkeiten: Aktien Italien, global anlegende Reits, BRIC-, Kanada Aktien und Aktien Schweiz Nebenwerte waren die Kategorien, in denen Indexfonds besonders stark verkauft wurden. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Mittelflüsse der vergangenen 12 Monate einerseits in hohem Maße von den aktuellen Ereignissen an den Märkten bestimmt waren. Bei Indexfonds wie aktiv verwalteten Fonds wurden gleichermaßen Emerging Markets, China- und Asien-ex Japan verkauft. Gekauft wurden allerorts Europa- und Japan-Fonds für Standardwerte. 

Andererseits haben wir festgestellt, dass die Mittelflüsse in diese beiden Produktgruppen deutliche Unterschiede aufweisen. Während Anleger bei Indexfonds vor allem auf große Standardwerte-Kategorien schauen, finden sich aktive Fonds vor allem bei solchen Anlegern auf der Kaufliste, die Themen wie Dividenden-Investments, Einzelländer-Investments (Indien) sowie bei Sektor- und Style-Investments suchen.

Auf die Ursachen und die Perspektiven wollen wir im nächsten Beitrag, den wir im Verlaufe dieser Woche veröffentlichen werden, genauer eingehen. 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.