Wie aussagekräftig sind die Anlageziele?

Über Allgemeinplätze gehen viele aktive Manager nicht hinaus.

Natalia Wolfstetter 04.02.2016

Fondsanbieter sollten in der Lage sein, Anlegern zu erklären, welche  Anlageziele sie mit ihren Fonds verfolgen. Dies gilt umso mehr, als es für aktive Manager nicht alleine darum gehen kann, Marktrenditen zu liefern. Doch geschieht dies in der Praxis? Ein Blick auf die Publikumswebseiten der größten heimischen Fondshäuser fällt ernüchternd aus:  Die meisten der Branchengrößen  –  mit einer (bis zwei) Ausnahmen - bleiben im Ungefähren und beschränken sich darauf, auf langfristige Sicht Kapitalwachstum liefern zu wollen oder eine angemessene Rendite auf das eingesetzte Kapital.

Anleger stehen dann vor der Frage, was eine angemessene Rendite ist, wenn es keine Vergleichsmaßstäbe gibt, an denen ein solcher Anspruch gemessen werden könnte? Zumal die meisten Anbieter auf ihren Webseiten oder Factsheets keine Benchmarks zeigen, an denen die bisherige Leistung zu beurteilen wäre, oder in Fondskommentaren darauf eingehen, wie sich ein Fonds gegenüber Marktindizes geschlagen hat und was dafür die wesentlichen Gründe waren.  Wir meinen, dass Anleger ohne explizite Zielsetzung schwer nachvollziehen können, ob die angegeben Ziele überhaupt erreicht wurden. Auch mit Blick auf die Zukunft können genauer formulierte Anlageziele dabei helfen, realistische Erwartungen zu setzen.

Viel Verbesserungsspielraum

Aussagekräftige Anlageziele gehören zu einer guten Kommunikation von Fondsgesellschaften mit ihren (Privat)anlegern. Hier sehen wir einigen Verbesserungspielraum.  Das zeigt unsere Auswertung für die größeren Anbieter:

Allianz Global Investors: Die Anlageziele sind wenig aussagekräftig. Für den Allianz Europe Equity Growth heißt es z.B.: ‚Anlageziel ist es, auf langfristige Sicht Kapitalwachstum zu erwirtschaften‘. Der Mischfonds Kapital Plus strebt an, ‚im Anleihenteil eine marktgerechte Rendite bezogen auf den Euro-Anleihenmarkt und im Aktienteil auf langfristige Sicht Kapitalzuwachs zu erwirtschaften‘.  Der erste Teil könnte darauf anspielen, dass zumindest die Rendite eines repräsentativen Index erreicht werden soll. Konkrete Vergleichsindizes fehlen jedoch auf der Webseite oder auf Factsheets und Jahresberichten. Auch Fondskommentare, die eine Erläuterung der erzielten Ergebnisse enthalten, sind Fehlanzeige.

DeAWM/DWS: Die Deutsche Asset & Wealth Management sticht als einzige größere Gesellschaft positiv heraus.  Auf der Webseite und in Factsheets sowie Jahresberichten werden Benchmarks genannt und der Fondsrendite gegenübergestellt. Das formulierte Anlageziel ist in der Regel, die zugehörige Benchmark zu übertreffen, so z.B. in der wesentlichen Anlegerinformation des DWS Vermögensbildungsfonds I: ‚Ziel der Anlagepolitik ist es, einen nachhaltigen Wertzuwachs gegenüber dem Vergleichsmaßstab (MSCI World TR Net) zu erzielen.‘

Es gibt allerdings Ausnahmen, darunter das Schwergewicht DWS Top Dividende, dem aus nicht ganz einleuchtenden Gründen keine Benchmark zugeordnet ist.  Dadurch bleibt auch das Anlageziel unkonkret (laut Verkaufsprospekt: ‚Der Fonds strebt als Anlageziel einen möglichst hohen Kapitalzuwachs und zugleich eine angemessene jährliche Ausschüttung in Euro an.‘)

Auch bei auf absolute Renditen orientierten Fonds bleibt die Zielsetzung teilweise schwammig, so z.B. beim DWS Concept Kaldemorgen. In der wesentlichen Anlegerinformation für den Fonds heißt es: ‚Ziel der Anlagepolitik ist die Erwirtschaftung eines nachhaltigen Wertzuwachses.‘ Etwas genauer  wird es im Fondsporträt:  ‚An Aufwärtsbewegungen der Märkte soll das Fondsvermögen zu etwa zwei Dritteln teilhaben, Abwärtsbewegungen sollen dagegen nur zu einem Drittel nachvollzogen werden.‘ Hilfreich wäre allerdings eine Konkretisierung, was mit ‚den Märkten‘ gemeint ist.

Deka: Aus den Anlagezielen lässt sich wenig herauslesen. Für den DekaFonds bpsw. heißt es laut Factsheet:  ‚Das Anlageziel ist ein mittel- bis langfristiger Kapitalzuwachs durch eine positive Entwicklung der enthaltenen Vermögenswerte.‘  Bei Rentenfonds wird dies ergänzt durch die ‚Vereinnahmung laufender Zinserträge‘.  Benchmarks werden nicht angeführt. Immerhin enthalten die Fondskommentare Informationen darüber, welche Fondspositionen positiv oder negativ zur Wertentwicklung beigetragen haben. Ob diese im Indexvergleich über- oder untergewichtet waren, bleibt aber unklar.

Union Investment:  Die Anlageziele sind vage. Ziel ist es z.B. bei UniGlobal oder UniEuroRenta, ‚neben der Erzielung marktgerechter Erträge langfristig ein Kapitalwachstum zu erwirtschaften‘.  ‚Marktgerecht‘ mag auf darauf hindeuten, dass mindestens die Benchmarkrenditen erzielt werden sollen, was allerdings nicht ohne weiteres zu kontrollieren ist, da diese nicht genannt werden.  Auch die Fondskommentierung gibt keinen Aufschluss über das Abschneiden relativ zum ‚breiten Markt‘.

Universal Investment: Der Private-Label-Anbieter schneidet in puncto Anlageziele gemischt ab. Der größte angebotene Fonds, der Acatis Gane Value Event Fonds hat als Anlageziel (laut Key Investor Information) zunächst ‚einen möglichst hohen Wertzuwachs‘.  Konkretisiert wird dies allerdings mit der Angabe der Benchmark, wobei der Fonds  ‚jedoch nicht darauf abzielt, den Vergleichsindex nachzubilden, sondern die Erzielung einer absoluten, von dem Vergleichsindex unabhängigen Wertentwicklung anstrebt‘. In welcher Höhe sich diese bewegen könnte, bleibt Auslegungssache. Dieses Ziel lässt sich zudem nicht ohne weiteres mit dem zuerst genannten ‚möglichst hohen Wertzuwachs‘ in Einklang bringen, zumal kein Zeitraum genannt wird. Auch die angepeilte Bandbreite für das Beta von 0,3-0,6 zum globalen Aktienmarkt lässt einigen Interpretationsspielraum.

Der zweitgrößte über Universal Investment aufgelegte Fonds, der SEB Aktienfonds, hat laut wesentlicher Anlegerinformation das Ziel ‚eines langfristig attraktiven Wertzuwachses‘. Konkreter wird es auf dem Factsheet: ‚Durch die Selektion der Titel wird versucht, eine bessere Wertentwicklung als der DAX zu erzielen.‘ Leider wird die DAX-Performance auf dem Factsheet oder der Webseite nicht angezeigt, so dass ein direkter Vergleich nicht möglich ist.

Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar