Strategic Beta ETFs: Erhoffter Mehrwert hat seinen Preis

Neue Morningstar Studie macht die Kosten der alternativen ETFs transparent. Deutlich höhere Kosten gegenüber herkömmlichen Indexfonds nur schwer zu rechtfertigen.

Ali Masarwah 26.02.2016

Wir haben häufig über die Tatsache berichtet, dass Strategic Beta ETFs deutlich höhere Kosten aufweisen als herkömmliche Indexfonds. Die ETF-Industrie bezeichnet diese Produkte gerne als „smart“, weil sie den Anspruch haben, entweder ein besseres Risikoprofil aufzuweisen als klassische Indizes, oder aber sie versprechen Outperformance-Potenzial. Doch rechtfertigt der Anspruch alleine die Kosten? Nicht unbedingt, wie eine aktuelle Analyse unseres ETF-Analysten-Teams hervorgebracht hat. „Assessing the True Cost of Strategic-Beta ETFs“ zeigt im Detail, Kategorie für Kategorie, auf, wie hoch die Kosten sind, die Anleger für diese Produkte tragen müssen. Auch die Handelskosten haben wir mit denen herkömmlicher ETFs verglichen.

Anleger müssen in der Regel bis zu dreimal höhere Gesamtkostenquoten (TER) für Strategic Beta ETFs tragen als das bei herkömmlichen ETFs der Fall ist. Bei Einzelfällen ist der Unterschied sogar noch grösser. Bei den günstigsten ETFs auf den S&P 500 Index werden nur fünf Basispunkte pro Jahr fällig, so beim UBS ETF (IE) S&P 500 SF oder beim Source S&P 500 ETF. Hingegen müssen Anleger, die auf den iShares US Equity Buyback Achievers setzen, jährliche Kosten von 55 Basispunkten tragen.

Doch es gibt nicht nur grosse Unterschiede zwischen Strategic Beta ETFs und herkömmlichen Indextrackern. Auch bei vergleichbaren Strategic Beta Produkten können die Kosten sehr deutlich voneinander abweichen. So gibt es den Amundi ETF S&P 500 Buyback bereits für 15 Basispunkte zu haben. Das sind 40 Basispunkte weniger als beim oben erwähnten iShares-Produkt fällig werden, das auch auf die Buyback-Könige unter den US-Unternehmen setzt. 

Mit Vorsicht zu geniessen sind die häufig gehörten Argumente, wonach die Indexkosten deutlich höher bei Strategic Beta ETFs seien als bei nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes. Hierfür haben wir keine Anzeichen gefunden, zumal etliche Anbieter, etwa WisdomTree, Ossiam und First Trust, ihre eigenen Indizes kalkulieren und hier keine externen Lizenzgebühren anfallen.

Indes können höhere Umschlagkosten eine plausible Erklärung für die höheren Handelskosten sein, die bei Strategic Beta ETF zu beobachten sind. Während der Portfolioumschlag bei Strategic Beta bei üblicherweise zwischen 20 und 30% liegt, beträgt er bei herkömmlichen ETFs nur zwischen drei und acht Prozenzt. 

Am Ende des Tages sollten Anleger beachten, dass auch bei Strategic Beta ETFs das Motto gilt: Die Kosten sind der beste Indikator für die künftige relative Wertentwicklung. Günstige Produkte haben eine bessere Chance ihre teureren Pendants zu übertreffen. Deshalb, so unsere Studie, sollten Anleger von der Robustheit der Investment-Algorithmen wirklich überzeugt sein, wenn hierfür höhere Kosten als für klassische ETFs fällig werden. 

Interessant ist allerdings, dass – parallel zu den stark gefallenen Kosten bei Standard-ETFs –die Kosten von Strategic Beta ETFs rückläufig sind. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft -- und freut den Kunden, wie die untere Grafik zeigt. In den vergangenen fünf Jahren sind die Kosten von Strategic Beta ETFs im Schnitt von 43 auf 39 Basispunkte gefallen.

Grafik: Steigendes Vermögen, rückläufige Kosten für Strategic Beta ETFs

Hier gelangen Sie zur englischsprachigen Vollversion der Untersuchung. 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.