Nachfrage nach Investmentfonds sackte 2015 ab

Weltweite Mittelflüsse werden vor allem von ETFs und europäischen Fonds gestützt, US-Fonds mit deutlich geringerer Nachfrage als 2014. Die globale Morningstar Fondsstatistik für das Jahr 2015.

Ali Masarwah 11.04.2016

Aufgrund einer deutlich gesunkenen Nachfrage vor allem in den USA sind die Zuflüsse in Investmentfonds weltweit 2015 merklich gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Wie aus dem Morningstar Global Asset Flows Report 2015 hervorgeht, sammelten Publikumsfonds im vergangenen Jahr 949 Milliarden US Dollar ein nach 1,41 Billionen in 2014. Die Nettoneuinvestitionen in US-beheimateten Fonds gingen um mehr als die Hälfte zurück und brachen auf 263 Milliarden Dollar ein nach 580 Milliarden Dollar im Vorjahr. 2015 waren die globalen Fondsproduktionsstandorte in Europa, vor allem Luxemburg und Dublin, die Stützen der Fondsindustrie. Sie sammelten netto 301 Milliarden Dollar ein, was allerdings auch ein deutlicher Rückgang gegenüber 2014 darstellte, als die Zuflüsse noch netto 466 Milliarden Dollar betragen hatten. 

Lokale europäische Fondsdomizile wiederum fielen 2015 mit einer Absatzleistung von 170 Milliarden Dollar hinter Asien-domizilierte Fonds zurück, die 202 Milliarden Dollar einsammelten. Damit konnte nur der Absatz von Fonds in Asien gegenüber 2014 zulegen, was allerdings auch durch den Sondereffekt zustande kam, dass die japanische Notenbank als Käuferin lokal domizilierter ETFs auf den Plan trat. 

Aufgrund der Kursrückschläge bei Obligationen und Aktien sank das weltweit in Fonds verwaltete Vermögen von 29,215 Billionen per Ende 2014 auf 28,898 Billionen US-Dollar ein Jahr später, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht. Ein Blick auf das organische Wachstum zeigt indes, dass nur in den Regionen Nahost und Lateinamerika das verwaltete Vermögen auch aufgrund von Mittelabflüssen rückläufig war.   

Tabelle: Verwaltetes Vermögen und Nettomittelzuflüsse nach Fondsdomizil

Ein Blick auf die Nachfrage nach Asset-Klassen zeigt, dass alternative Fonds und Geldmarktfonds 2015 zulegen konnten. Angesichts des Anstiegs der Volatilität an den Aktien- und Obligationenmärkten profitierten beide Produktgattungen von der Risikoaversion der Investoren weltweit. 

Deutlich rückläufig war indes vor allem der Vertrieb von Bondfonds, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte; Bondprodukte sammelten insgesamt 132 Milliarden Dollar ein (nach 385 Milliarden 2014). Auch Aktienfonds erlitten mit Zuflüssen von 305 Milliarden nach 476 Milliarden Dollar einen Dämpfer. Die Nachfrage nach Mischfonds sank nach einem positiven Start zu Jahresanfang merklich im weiteren Verlauf des Jahres und ging von 268 Milliarden 2014 auf 171 Milliarden Dollar zurück. 

Absolut gesehen war das Vermögen in Aktien-, Renten- und Mischfonds gegenüber 2014 rückläufig. 

Tabelle: Verwaltetes Vermögen und Nettomittelzuflüsse nach Asset Klasse

Der fortschreitende Trend zur Passivierung der Kapitalanlagen war eines der wichtigsten Merkmale am globalen Fondsmarkt. Passend dazu konnte sich der US Indexfondsanbieter Vanguard erneut als größtes Fondshaus mit einem verwalteten Vermögen von 3,201 Billionen Dollar behaupten. Vanguard konnte mit Nettomittelzuflüssen von 251 Milliarden auch den ersten Platz beim Absatz belegen. Platz zwei mit Blick auf das verwaltete Vermögen war Fidelity (1,942 Billionen Dollar), gefolgt von BlackRock/iShares (1,819 Billionen Dollar).

Inzwischen stecken 37,5% der Assets in USA domizilierten Aktienfonds in passiven Produkten; in Europa liegt die Indexfondsquote bei gut 22%, in Asien sogar bei 39,5%. Auch bei Bondfonds wachsen Indexfonds unaufhörlich, wenn auch das Niveau deutlich niedriger ist als bei Aktienfonds. Immerhin liegt die Quote bei 24,5% in den USA, knapp 11% der Assets in europäischen Obligationenfonds stecken in Indexfonds, in Asien sind es knapp 10%. 

Besonders eklatant zeigt sich der Trend hin zu passiven Investments in den USA, wo aktiv verwaltete Aktien- und Rentenfonds Abflüsse erlitten und ETFs sowie andere passive Fonds hohe Zuflüsse verbuchen konnten. In Europa war dieser Trend auch in den lokalen nationalen Fondsmärkten zu beobachten; in den großen europäischen Fondsdomizilen verbuchten nur aktiv verwaltete Bond-Fonds höhere Zuflüsse als ETFs und nichtbörsennotierte Indexfonds, wie aus der unteren Grafik hervorgeht. 

Grafik: Aktive vs passive Fonds in den wichtigen globalen Anlageregionen 2015

Die vollständige Fasssung des 2015 Global Asset Flow Report finden Sie hier auf Englisch.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.