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Kommentar: Die ungeliebten Assets sind oft einen zweiten Blick Wert

Die Situation ist paradox: Anleger lieben Aktien, die an der Börse gut gelaufen sind, obwohl viel dafür spricht, dass deren künftige Renditen unterdurchschnittlich ausfallen werden. Ein Plädoyer für zwei höchst unbeliebte Asset Klassen. 

Ali Masarwah 18.04.2016

Wir sind heute Zeugen einer fast schon paradoxen Situation: Der Markt für Hochzinsanleihen wird von den Weltuntergangsszenarien geprägt, die für die US-Energiebranche gezeichnet werden. Auch wenn der Verfall des Ölpreises Umsätze und Gewinne vor allem der Schieferöl- und -gasproduzenten schwer getroffen hat, ist die gesamte Asset Klasse in Mitleidenschaft gezogen worden. So haben sich seit Anfang 2015 sogar die Renditeaufschläge für US-Autohersteller um 300 Basispunkte ausgeweitet und belaufen sich nunmehr auf rund 740 Basispunkte gegenüber US-Staatsanleihen. Zur Erinnerung: Autohersteller profitieren von fallenden Ölpreisen! 

Nicht anders geht es Aktien aus den Schwellenländern. Auch hier stehen die Zeichen auf Sturm: Das Wirtschaftswachstum hat sich in den ehemaligen Hoffnungsträgern vieler Investoren abgeschwächt, die Kapitalflüsse zwischen Industrie- und Schwellenländern haben die Richtung gewechselt. Die von uns erhobenen Daten zeigen, dass der Anteil an Schwellenländeraktien in global investierenden heute auf dem niedrigsten Stand seit März 2009 ist. 

Diese beiden Asset Klassen haben eines gemeinsam: sind zutiefst unbeliebt. Das sind die Situationen, in denen Chancen entstehen. Zur Erinnerung: 2008 fielen Emerging Markets Aktien um durchschnittlich 50% und die Kurse sanken bis März 2009 noch weiter. Danach hoben sie zu einer fulminanten Erholungsrally an, 2009 stand ein Jahresplus von 73% unter dem Strich. (Ähnlich rasant erholten sich damals auch Hochzinsanleihen.) Hier drängt sich Warren Buffetts Empfehlung auf, gierig zu sein, wenn andere Angst haben. 

Investoren sollten allerdings auch das Bonmot von John Maynard Keynes bedenken, wonach Märkte länger irrational bleiben können als Anleger solvent. Wer sich an Risikopapiere heranwagt, sollte es mit Bedacht tun: scheibchenweise und mit Geld, das nicht kurzfristig benötigt wird, sonst stellt sich das beherzte antizyklische Investment für den Anleger möglicherweise als schmerzhafter Griff ins fallende Messer heraus.

Dieser Kommentar ist eine ausführliche Version eines Gastbeitrags, der in der aktuellen Ausgabe des "Neuen Finanzberaters" erschienen ist (Ausgabe 1/April 2016). Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Frankfurt Business Media GmbH. 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.