Viele Aktienfonds verpassen ihren Index nur knapp

Im zweiten Teil unseres Überblicks zur Bilanz aktiver Fonds im ersten Quartal geht es um die Verteilung der relativen Renditen. Ein qualitativer Blick auf die Out- und Underperformance aktiver Aktienfonds im Vergleich zu ihren Benchmarks.

Michael Haker 20.04.2016

Nachdem es aktive Fondsmanager im Jahr 2015 deutlich häufiger als im Jahr zuvor geschafft hatten, ihren Kategorieindex outzuperformen, fielen aktive Fonds im ersten Quartal 2016 wieder zurück, wie wir kürzlich berichteten (Outperformance, wenn die Börsen fallen?). Ein Großteil der aktiven Fonds gab in den letzten drei Monaten stärker nach als die jeweiligen Kategorieindizes. Das beantwortet jedoch nicht die Frage, wie deutlich diese Underperformance ausfiel und wie stark die Outperformer abgeschnitten haben. Wir betrachten dazu die Verteilung der Out- und Underperformance, aufgeteilt nach Performance-Clustern. Die Aufteilung erfolgte in Drei-Prozentpunkt-Schritten. Dabei markiert das untere Ende eine Underperformance von 12 Prozentpunkten und mehr gegenüber dem Kategorie-Index und reicht bis hin zur Outperformance von 12 Punkten und mehr. Die Auswertung bezieht sich auf mehr als 6.200 aktive Fonds der wichtigsten Morningstar-Aktienkategorien für Anleger in Europa

Outperformance von Standardwerte-Aktienfonds

Zunächst zu den Investmentgruppen für Fonds, die in Standardwerte weltweit, Europa und in Schwellenländer-Aktien investieren. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es für das erste Quartal 2016 kaum Kandidaten, die extrem weit über oder unter den jeweiligen Kategorieindizes lagen. Die Grafik unten zeigt, dass die Extremwerte in den Performancegruppen von -12 bis -6 Punkte Underperformance und +6 bis über 12 Punkte keine nennenswerte Population aufweisen. Die Ergebnisse der aktiven Manager im Vergleich zu ihren Kategorieindizes konzentrieren sich vielmehr um zwei mittlere Performance-Cluster.

Grafik: Performance-Cluster von Standardwerte-Aktienfonds

Verteilung Outperformance Q1_Kontinente

Die meisten Manager beendeten das abgelaufene Quartal um 0% bis 3 Punkte schlechter als der jeweilige Kategorieindex. Aus jeder der drei Investmentgruppen befinden sich 41% bis 51% der Fonds unserer Untersuchung im Performance-Cluster mit Underperformance -3 bis < 0 Punkte. Das Gros stellen global anlegende Standardwertefonds: 47,9% (964 aus 2012 Fonds). Rund 51,5% der Fonds, deren Investmentfokus auf Europa liegt, haben ebenfalls zwischen -3 und < 0 Punkte ihren Kategorieindex underperformt. Bei Schwellenländer-Fonds finden sich 41% der Produkte unserer Untersuchung im entsprechenden Performance-Cluster.

Die zweitgrößte Anzahl bilden Produkte, die per Ende März zwischen 0 und 3 Punkte besser liegen als der Kategorieindex. Wiederum auf Kategorieebene finden sich hier 37,2% aller Europa-Standardwerte-Produkte, 28,8% der globalen Aktienfonds und 25,7% der Schwellenländer-Fonds. Dies unterstreicht das Ergebnis aus dem ersten Teil unseres Quartalsrückblicks: Die Quote der Aktienfonds, die zwischen Januar und März 2016 weniger verloren als der Vergleichsindex, ist bei Fonds, die in europäische Blue Chips investieren, am höchsten (insgesamt 43%).

Ähnlich sieht es auch bei den Investmentregionen USA, Großbritannien und Japan aus. Sowohl der Russell 1000 als auch der FTSE All Shares Index zeigten sich für die meisten Manager als schwer zu übertreffende Hürde und die Outperformer-Quote für das vergangene Quartal liegt unter 35%, für den Russell 1000 bei 26%. Die meisten Fonds legen aber auch hier wieder nur knapp hinter den Kategorieindizes. Dieses Ergebnis lässt sich daran ablesen, dass der Performance-Cluster zwischen -3 bis <0 Prozentpunkte Underperformance die meisten Fonds enthält.

Grafik: Performance-Kohorten Für US,- UK- und Japan-Aktienfonds

 Verteilung Outperformance Q1_Standardwerte

Im ersten Teil unseres Quartalsfazit berichteten wir, dass rund 58% der Fonds, die in Japan investieren, den Kategorieindex hinter sich ließen. Dabei finden sich die Outperformer am häufigsten im Performance-Cluster Plus 0 bis 3 Prozentpunkte. Es wundert somit nicht, dass die blaue Kurve in der oben abgebildeten Grafik an der Spitze deutlich breiter ist als die anderen Kurven. Von knapp 300 Japan-Aktienfonds in unserer Untersuchtung beendeten 96 Fonds das vergangene Quartal zwischen 0 und 3 Punkten unter dem jeweiligen Kategorieindex, 97 Produkte (32%) erreichten jedoch eine Outperformance von 0 bis 3 Punkte. Insgesamt 64 Fonds waren noch erfolgreicher und übertrafen zwischen Januar und März 2016 die Kategorieindizes um >3 Prozentpunkte und mehr.

Mit einer der geringsten Erfolgsquoten sahen wir bei amerikanischen Standardwerten mit Growth-Fokus. Die Verteilung der 122 Fonds unserer Untersuchung wird oben durch die gelbe Linie dargestellt. Die meisten Fonds liefen geringfügig schlechter als der Russell 1000 Growth (47 Fonds), die zweitgrößte Anzahl mit 40 US Growth-Fonds findet sich im Performance-Cluster -6 bis -3 Prozentpunkte Underperformance. Nur 12 aktive Fonds verloren weniger als der Vergleichsindex Russell 1000 Growth.

Rückläufige Erfolgsquote bei Nebenwerten

Kommen wir zu den Nebenwerten: In unserer Gesamtübersicht für das vergangene Jahr hat sich gezeigt, dass in vier von fünf Investmentgruppen mit Small und Mid Caps die Quote der Outperformer über 50% lag. Für das erste Quartal ist das Ergebnis der aktiven Nebenwerte-Fonds deutlich zurückgegangen. Zum einen lag die Outperformer-Quote nur noch in zwei Investmentgruppen über 50%, zum zweiten schrumpfte die Gesamtanzahl der Fonds, die ihren Vergleichsindizes übertrafen.

Grafik: Performance-Kohorten in Nebenwerte-Kategorien

Verteilung Outperformance Q1_Nebenwerte

Zunächst zur Investment-Gruppe mit der höchsten Erfolgsquote: Aktien USA Nebenwerte, in der oberen Grafik durch die hellgrüne Linie dargestellt. Von den 58% der Outperformer (37 von 64 Fonds), befinden sich die meisten in den Performance-Clustern mit Outperformance zwischen 0 und 3 sowie 3 bis 6 Punkten. Dahinter ist das Feld dünn besetzt, und nur ein Fonds übertraf vergangenes Quartal den Vergleichsindex Russell 2000 um mehr als 6 Punkte.

Die Investment-Gruppe mit der niedrigsten Quote an Outperformern (23%) sind Nebenwerte Großbritannien. Die meisten Produkte (88 von 169) liegen ebenfalls, ähnlich wie bei den Standardwertefonds weiter oben, im Performance-Cluster-3 bis <0 Punkte Underperformance.

Mit Abstand die meisten Nebenwerte-Fonds unserer Untersuchung investieren in ganz Europa. Von 489 Fonds schafften es immerhin 247 Produkte, also etwas mehr als 51%, nicht ganz so stark zu fallen wie ihre Kategorieindizes. Auch hier sind die meisten Produkte wieder in der Performance-Kohorte mit einer Index-Outperformance zwischen 0 und 3 Punkte. Insgesamt 77 Fonds waren sogar noch erfolgreicher. Im Bereich der europäischen Nebenwerte finden sich die meisten Outperformer (118 von 164 Fonds) in der Morningstar Kategorie Aktien Europa flexibel, deren Kategorieindex der MSCI Europe ist. Insgesamt 72% der Fonds lagen vergangenes Quartal besser als der Vergleichsindex, im Jahr 2015 gelang es sogar 80% der Produkte den MSCI Europe zu überholen.

Hohe Kosten schaden der Performance

Wer sich mit dem Thema Outperformance befasst, kommt nicht an den Kosten vorbei. Etliche akademische Publikationen, aber auch unser Research haben mehrfach einen Zusammenhang zwischen der Wertentwicklung eines Fonds und seinen Gebühren belegt.

Anhand der Performance-Kohorten haben wir die durchschnittlichen lanfenden Kosten (KIID) berechnet. Bei der Darstellung unter betrachten wir die durchschnittlichen Kosten in den Performance-Clustern nach Outperformance im gesamten Vorjahr sowie für das vergangene Quartal. Letzteres ist anhand der gestrichelten Linie in der unteren Grafik zu erkennen.

Grafik: Durchschnittliche Fondskosten (KIID) nach Performance-Cluster

Durchscnittliche Kosten nach Outperformer

Es zeigt sich, dass die Fonds, die am stärksten hinter den Morningstar Kategorieindizes liegen, die höchsten durchschnittlichen Kosten ausweisen. Am rechten Rand der Grafik wird zudem die Tendenz erkennbar, dass die günstigsten Fonds nicht unbedingt die Besten sein müssen. Die durchschnittlichen Kosten nach Outperformer für das vergangene Quartal sollten jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. In die Berechnung der Performance-Cluster ist ein relativ kurzer Zeitraum eingeflossen, was dazu führen kann, dass Ausreißer produziert werden. Dies erklärt auch den starken Knick für das Performance-Cluster bei Produkten, die das vergangene Quartal 9 bis 12%-Punkte hinter ihrem Kategorieindex beendeten.

Aussagekräftiger ist hingegen die dunkle Linie. Sie weist die durchschnittlichen Kosten aller Fonds und Performance-Cluster für das Gesamtjahr 2015 aus. Als Trendlinie betrachtet bestätigt sie, dass Fonds, die überdurchschnittlich hohe Kosten haben, mittelfristig auch eine schlechtere Performance liefern. Entsprechend sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass teurere Fonds erfolgreich sein werden, die Benchmark outzuperformen. Zudem wird die Andeutung der 3-Monats-Betrachtung bestätigt: die stärksten Outperformer 2015 waren nicht die günstigsten Fonds. Diese finden sich vielmehr im Performance-Cluster, deren Fonds den Kategorieindex vergangenes Jahr um 9 bis 12 Punkte übertrafen. Entsprechende Fonds weisen jährliche Kosten von durchschnittlich 1,44% pro Jahr aus.

Über den Autor

Michael Haker  Michael Haker ist Research Editor bei Morningstar.