Das Morningstar Sustainability Rating bei Fonds mit Nachhaltigkeitsstrategie

Das Morningstar Sustainability Rating gibt Anlegern die Möglichkeit, Fonds hinsichtlich ihres Nachhaltigkeitsprofils einzuschätzen. Gerade bei Fonds, die explizit einen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen, kann so überprüft werden, ob sie ihrem Mandat gerecht werden.

Ronald van Genderen 25.04.2016

Das Morningstar Sustainability Rating misst, wie nachhaltig Unternehmen, die in einem Fonds enthalten sind, agieren – wie halten sie es mit umweltkritischen Faktoren? Wie gehen sie mit ihren Mitarbeitern  um? Wie sieht es mit ihrem sozialen Engagement aus? In der Welt der Kapitalanlage werden diese Themenfelder mit dem Akronym „ESG“ zusammengefasst. Dahinter stehen die Begriffe: environmental, social und governance.

Um die Nachhaltigkeitsbilanz verschiedener Fonds zu vergleichen und ein Nachhaltigkeitsrating zu errechnen, greift Morningstar auf Unternehmensebene auf die Daten des Analysehauses Sustainalytics zurück. Dabei müssen mindestens 50% der Holdings eines Fonds (sowohl Aktien, als auch Anleihen) ein ESG-Rating von Sustainalytics haben, damit der Fonds ein Nachhaltigkeitsrating erhalten kann.

Für die Berechnung des Nachhaltigkeitsratings sind zwei Schritte erforderlich: Zunächst berechnen wir die Portfolio Sustainability Score. Es handelt sich dabei um den gewichteten Durchschnitt der Nachhaltigkeits-Scores auf Ebene der Unternehmen. Dieser wird um die Controversy Deduction gemindert. Hierbei werden Kontroversen wie umweltbezogene, ethische, soziale, oder unternehmenspolitische Probleme und Skandale berücksichtigt (lesen Sie hier weitere Erläuterungen und Hintergründe zum Morningstar Sustainability Rating). Um nun diese unterschiedlichen Werte zu vereinheitlichen und sie zum Zwecke der Vergleichbarkeit auf eine gemeinsame Skala zu bringen, werden sie mittel seines statistischen Verfahrens normalisiert (Hier finden Sie mehr zur Methodologie des Morningstar Sustainability Ratings)

Nach Berechnung der Portfolio Sustainability Score werden alle Fonds innerhalb einer Morningstar Kategorie in fünf Gruppen aufgeteilt, die der Normalverteilung folgen. Das sichert die Vergleichbarkeit des Nachhaltigkeitsratings eines Fonds mit ähnlichen Produkten. Damit ein Fonds letztlich ein Nachhaltigkeitsrating in Form von ein bis fünf Globen erhalten kann, müssen für mindestens zehn Fonds innerhalb derselben Morningstar Kategorie auch über Portfolio Sustainability Scores verfügen.

Die Sustainability Ratings bei Nachhaltigkeitsfonds

Das Morningstar Sustainability Rating unterscheidet nicht zwischen Fonds, die explizit eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen und solchen, die andere Ansätze haben. Im Folgenden werfen wir jedoch einen dezidierten Blick auf erstere.

Mit Nachhaltigkeitsfonds sind solche Produkte gemeint, die in ihren Anlagerichtlinien (also im Verkaufsprospekt) explizit angeben, auf nachhaltige Investments zu setzen. Die Anlageentscheidungen hängen bei Nachhaltigkeitsfonds, die in unseren Datenbanken eigens als „Socially Conscious“ kenntlich gemacht sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit von Faktoren wie Umweltverträglichkeit der Unternehmen oder die Berücksichtigung der Menschenrechte ab. Ein Nachhaltigkeitsfonds kann aktive Wetten eingehen, indem er nur in Unternehmen investiert, die umweltfreundlich agieren oder sich durch arbeitnehmerfreundliche Praktiken auszeichnen. Die Fonds meiden hingegen typischerweise Unternehmen, die in der Produktion von Alkohol, Tabak, Waffen involviert sind oder mit Glücksspiel zusammenhängen.

In der Vergangenheit mussten wir diese Fonds beim Wort nehmen. Nach Einführung des Morningstar Sustainability Ratings können wir nun anhand von Kennzahlen überprüfen, ob Nachhaltigkeitsfonds  auch das enthalten, was ihre Bezeichnungen versprechen.

Nachhaltigkeitsfonds im gesamten europäischen Fondsuniversum

In Europe können Anleger aus über 39.000 Fonds und ETFs wählen, die hierzulande zum Vertrieb zugelassen sind. Per Ende 2015 waren 1.290 Produkte als Nachhaltigkeitsfonds ausgewiesen, der Großteil aktiv gemanagt (1.270 Fonds), 20 waren ETFs. Von diesem breiten Universum haben insgesamt 547 Fonds ein Morningstar Sustainability Rating.

Die Verteilung der Sustainability Ratings bei Nachhaltigkeitsfonds

Vergleichen wir die Verteilung der Sustainability Ratings für Nachhaltigkeitsfonds mit der Verteilung über alle Fonds mit Nachhaltigkeits-Rating, so wird deutlich, dass Nachhaltigkeitsfonds auch im Sustainability Rating deutlich besser abschneiden. Dieses Ergebnis unterstreicht, dass Fonds mit Sustainability-Fokus ihrem Ansatz überwiegend auch gerecht werden. Sie investieren deutlich stärker als der Durchschnitt aller Fonds in Unternehmen, die über hohe ESG Scores verfügen und somit den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. Die untere Grafik illustriert das überdurchschnittlich gute Abschneiden: Mit 35,6% haben die meisten Nachhaltigkeitsfonds das höchste Rating. Im gesamten Fondsuniversum halten dieses Rating nur 10% aller Produkte, die über ein Nachhaltigkeitsrating verfügen (Innerhalb jeder Morningstar Kategorie sind die Ratings normalverteilt und jeweils 10% entfallen auf die höchste und niedrigste Bewertung). Insgesamt 65% der Nachhaltigkeitsfonds verfügen über ein hohes oder überdurchschnittliches Sustainability Rating (fünf bzw. vier Globen). Mit Blick auf das gesamte Fondsuniversum ist dies nur bei einem Drittel der Produkte der Fall. Die Grafik unten zeigt auch, dass Nachhaltigkeitsfonds mit einem niedrigen oder unterdurchschnittlichen ESG Rating deutlich seltener sind, als die Normalverteilung erwarten lassen würde.

Grafik: die Verteilung des Morningstar Sustainability Ratings

Das bereinigte Nachhaltigkeitsrating

Für Europa lassen sich einige Morningstar Kategorien bereits aufgrund der zugrundeliegenden Investments als “nachhaltig” einstufen. Am deutlichsten ist dies bei drei Morningstar Aktienkategorien der Fall: Branchen: Alternative Energien, Branchen: Ökologie und Branchen: Wasser. Fonds dieser Kategorien investieren typischerweise in Unternehmen mit einer starken Nachhaltigkeitsbilanz. Mit Hilfe des Morningstar Sustainability Ratings, das auf Kategorieebene eine Normalverteilung ergibt, können Anleger zusätzlich durchschnittliche und unterdurchschnittliche Fonds in diesen typischen Nachhaltigkeitskategorien unterscheiden. Diese Ratings sind für das Gesamtuniversum der Nachhaltigkeitsfonds, von denen sich viele auch in anderen Aktienkategorien mit einem weniger deutlichen Nachhaltigkeitsfokus befinden, allerdings nicht folgenlos.

Wenn wir nun das Universum der Nachhaltigkeitsfonds um die Produkte aus diesen drei genannten Kategorien bereinigen, bleiben 1.184 Fonds aus einer Vielzahl anderer Morningstar Kategorien übrig. Davon halten insgesamt 473 Produkte ein Sustainability Rating, dessen Verteilung noch positiver ausfällt: Insgesamt 69,5% halten ein überdurchschnittliches oder sogar hohes Nachhaltigkeitsrating: alleine auf das höchste Rating entfallen 39,1%.

Grafik: die bereinigte Verteilung der Sustainability Ratings

Die Verteilung der ESG Scores

Das Morningstar Sustainability Rating besteht aus zwei Komponenten: Das ESG Score sowie die Controversy Score. Zunächst zu den ESG Scores der 1.184 Nachhaltigkeitsfonds ohne die Produkte der typischen Nachhaltigkeits-Kategorien. Das ESG Score bezieht sich auf das Nachhaltigkeits-Rating von Sustainalytics für jede einzelne Position im Fonds, gewichtet um ihren Anteil im Fondsportfolio. Dabei wird der ESG-Score in Relation zu vergleichbaren Fonds gesetzt und ist nach Perzentilen und fünf Gruppen (niedrig, unterdurchschnittlich, durchschnittlich, überdurchschnittlich und hoch) normalverteilt.

Betrachten wir auch hier wieder, ganz nach der Vorgehensweise wie oben, die ESG-Scores der Nachhaltigkeitsfonds im Vergleich mit allen Fonds, die ein Sustainability Rating halten: Die Verteilung fällt etwas weniger positiv aus, dennoch halten mit 56,2% über die Hälfte der Nachhaltigkeitsfonds einen hohen oder überdurchschnittlichen ESG Score. Das ist deutlich besser als bei vielen Aktienfonds ohne expliziten Sustainability-Ansatz.

Grafik: ESG Scores bei Nachhaltigkeitsfonds

 

Die Verteilung der Controversy Score

Genau wie die ESG Score lässt sich auch der Controversy Score auf seine Verteilung analysieren. Diese „Strafpunkte“, welche sich auf Vorkommnisse und Kontroversen für Unternehmen und die Branche beziehen, werden nach dem Grad der Belastung in fünf Gruppen aufgeteilt: schwerwiegende, hohe, signifikante, moderate und niedrige Risiken.

Auch hier ist die Controversy Score in Relation zu vergleichbaren Fonds gesetzt und ist nach Perzentilen und Gruppen (niedrig, unterdurchschnittlich, durchschnittlich, überdurchschnittlich und hoch) normalverteilt. Entgegen dem, was intuitiv zu vermuten wäre, bedeutet eine hohe Controversy Score allerdings, dass die Unternehmen des Portfolios insgesamt niedrigeren Risiken ausgesetzt sind. Bei einer hohen Controversy Score fällt der Abzug von der Portfolio ESG Score dementsprechend niedriger aus.

Im Vergleich mit allen Fonds, die ein Sustainability Rating haben, schneiden auch hier wieder Nachhaltigkeitsfonds besser ab. Der Unterscheid ist jedoch weniger deutlich, als wir es bei den Kennzahlen oben gesehen haben. Die höchste Controversy Score fällt auf 12,5% der Nachhaltigkeitsfonds, insgesamt 32,5% sind besser bewertet als der Durchschnitt aller Fonds.

Grafik: Controversy Score bei Nachhaltigkeitsfonds

Abschließend lässt sich festhalten, dass die meisten Fonds, die explizit einen nachhaltigen Investmentansatz verfolgen, diesen auch liefern. Ein signifikanter Anteil dieser Fonds hält ein hohes oder sogar überdurchschnittliches Morningstar Sustainability Rating.

Bei der Verteilung der ESG Score oder der Controversy Score schneiden Nachhaltigkeitsfonds deutlich besser ab als das Gros aller Fonds, die ein Morningstar Sustainability Rating halten. Für Nachhaltigkeitsfonds ist es somit nicht wesentlich, dass ein hoher ESG Score mit einem hohen Controversy Score und damit niedrigen „Strafpunkten“  kombiniert wird. Auf Ebene der Morningstar Kategorien reicht es für Nachhaltigkeitsfonds hingegen aus, eine hohe ESG Score bei einer durchschnittlichen Contoversy Score zu haben, um hinsichtlich des Nachhaltigkeit-Ratings besser abzuschneiden als Fonds derselben Kategorie, die keinen expliziten Nachhaltigkeitsansatz verfolgen.

Über den Autor Ronald van Genderen

Ronald van Genderen  Ronald van Genderen ist Fondsanalyst bei Morningstar an den Niederlanden.