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Für immer am Boden zerstört? China A-Shares ETFs in der Übersicht

Seit Beginn des Crash im Juni 2015 illustriert die Entwicklung von A-Shares ETFs eindrucksvoll die Gefahren heiss gelaufener Märkte. Unsere Übersicht zeigt, dass die meisten ETF-Anleger dieses Marktsegment meiden wie der Teufel das Weihwasser. 

Ali Masarwah 17.06.2016

Wohl kaum ein Marktsegment wurde Mitte 2015 so hochgejubelt wie chinesische Festlands-Aktien. China A-Aktien eilten von Rekordhoch zu Rekordhoch, ungeachtet der Tatsache, dass die Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft auch seinerzeit alles andere als ermutigend waren. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir ETFs der Kategorie Aktien China A-Shares anderen China-Indexprodukten in einer Übersicht gegenübergestellt:

„Der absolute Renditebringer waren Indizes auf chinesische A-Shares, die auf Jahressicht allen anderen China-ETFs mit einer Performance von knapp unter 200% davongelaufen sind… Investments in Emerging Markets sind erfahrungsgemäss volatiler als Kapitalanlagen in europäische oder US-amerikanischer Standardwerte. Anleger sollten sich daher bei ihren Investmententscheidungen der historisch höheren Volatilität bewusst sein und starke Nerven mitbringen.“ 

Zwölf Monate später lecken vermutlich einige Anleger ihre Wunden. Die Blase platzte, und bei China A-Shares ETFs fielen Verluste von gut 40% an. Dennoch gilt dieses Segment als prinzipiell attraktiv für Investoren, wie die Diskussion um die Aufnahme von A-Shares in globale und regionale MSCI Emerging Markets Indizes dieses Jahr wieder zeigte. Auch wenn sich der Indexanbieter dagegen entschied, haben wir festgestellt, dass etliche aktiv verwaltete Fonds – zwar auf niedrigem Niveau – ihre China A-Quote erhöht haben. Anlässlich dieser Diskussion wollen wir auf den Markt der ETFs der Kategorie Aktien China A-Shares blicken. Wir wollen uns deshalb die Kategorie erneut anschauen. 

Fangen wir mit der Nachfrage von Investoren an. Interessanterweise entgingen offenbar viele ETF-Investoren dem Crash, der ab Juli 2015 einsetzte: Bereits lange davor setzten im Dezember 2014 Gewinnmitnahmen aus europäisch domizilierten A-Shares ETFs ein, die sich bis zur Jahresmitte 2015 fortsetzten. Das verwaltete Vermögen der ETFs am Markt erreichte im Dezember 2014 mit 2,13 Milliarden Euro seinen Höhepunkt. Danach setzten hohe Abflüsse ein, wie die untere Grafik zeigt. Per Ende Juni hatte sich das Vermögen der ETFs auf 1,14 Milliarden Euro fast halbiert, bedingt durch Mittelabflüsse. Bemerkenswerterweise setzten bereits ab Oktober 2015 wieder vereinzelt Investitionen ein, wenn auch auf niedrigem Niveau. 

Grafik: Mittelflüsse in europäisch domizilierte China A-ETF seit 2013

 

Halten wir also zunächst fest, dass viele ETF-Anleger offenbar kein so schlechtes Investment eingegangen sind. Das meiste Geld war bis zum Spätsommer aus den Produkten abgeflossen. Kommen wir nun zu den wichtigsten A-Shares Indizes am Markt, denen die ETFs dieses Segments folgen. 

CSI 300 CNY 

Der CSI 300 besteht aus den 300 grössten chinesischen Unternehmen, die in Shanghai und Shenzhen (A-Shares) in Yuan gelistet sind und deckt 70% der Marktkapitalisierung ab. A-Shares waren ursprünglich nur Anlegern des chinesischen Festlands vorbehalten und für ausländische Investoren nur schwer und unter Berücksichtigung strenger Auflagen zugänglich. 

Auch wenn der Handel mit A-Shares, die ursprünglich nur Anlegern des chinesischen Festlands vorbehalten waren, nach wie vor staatlich reglementiert ist, wird das Segment inzwischen schrittweise ausländischen Investoren zugänglich gemacht. Sie können A-Shares über ihren Status als „(Renminbi)Qualified Foreign Institutional Investors“, (R)(QFIIs) oder über das so genannte Shanghai-Hong Kong Stock Connect Programm handeln. 

Grundlage für die Gewichtung der Einzelwerte im CSI 300 ist die im Streubesitz befindliche Marktkapitalisierung. Bei diesem Index handelt es sich um einen Preisindex Ist, was bedeutet, dass Dividendenzahlungen nicht berücksichtigt werden.

Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen die Aktien seit mindestens drei Monaten an der Börse in Shenzhen und Shanghai gelistet sein, zu den 60% der liquidesten A-Shares gehören und die Unternehmen dürfen keine finanziellen oder rechtlichen Probleme aufweisen. Zudem dürfen die Kurse der Aktien keinen auffällig hohen Schwankungen unterliegen, die ein Hinweis auf Preismanipulationen sein könnten. Der Index wird zweimal im Jahr überprüft und ggf. angepasst. Das Indexkomitee hat jedoch die Entscheidungsfreiheit, Aktien, die nicht länger alle Voraussetzungen erfüllen, nicht umgehend zu entfernen.  

In der Vergangenheit wies der CSI 300 relativ gute Diversifikationseigenschaften auf, da die Korrelation mit dem MSCI World in den letzten drei Jahren bei 33% lag. Mit dem MSCI China Index korrelierte er im selben Zeitraum mit etwa 74%. Das ist deutlich mehr als noch vor einem Jahr, was darauf hindeutet, dass der Gleichlauf von A-Shares mit globalen Märkten zugenommen hat.


Finanzunternehmen sind mit gut 41% gewichtet. Danach folgen Industrietitel (16%) und Konsumwerte (11%). Die Top 10 Aktien machen einen Anteil von 23% im Index aus, er ist also nicht sehr kopflastig. 

FTSE China A 50 

Der FTSE China A 50 besteht aus den 50 grössten und liquidesten chinesischen Unternehmen, die in Shanghai und Shenzhen (A-Shares) in Yuan gelistet sind. Grundlage für die Gewichtung der Einzelwerte ist die im Streubesitz befindliche Marktkapitalisierung. Bei diesem Index handelt es sich um einen Net Total Return Index. Dividendenzahlungen werden also – abzüglich Quellensteuern - berücksichtigt. Dieser Index umfasst lediglich 25% der Marktkapitalisierung des „Mutterindex“ FTSE China A All Share Index. 

Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen die Aktien auch ein Mindestmass an Liquidität erfüllen. In der Vergangenheit wies der FTSE China A 50 relativ gute Diversifikationseigenschaften auf, da die Korrelation mit dem MSCI World in den letzten drei Jahren bei 23% lag. Mit dem MSCI China Index korrelierte er im selben Zeitraum mit etwa 67%.

Finanzunternehmen dominieren mit einem Anteil von 70% diesen Index. Danach folgen Industrietitel (13%) und Konsumwerte (8%). Die Top 10 Aktien machen einen Anteil von 53% im Index aus, er ist also recht kopflastig. 

MSCI China A 

Auch dieser Index ist nach der Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien, die in Shenzhen und Shanghai gelistet sind. Er umfasst derzeit 420 Unternehmen, deren durchschnittliche Marktkapitalisierung bei 1,9 Milliarden US-Dollar liegt. Er kommt vergleichsweise ausgewogen daher. Auch er enthält grosse und mittelgrosse chinesische Unternehmen. Bei der Sektorgewichtung machen Finanzwerte als grösste Branche „nur“ 36,5% aus, gefolgt von Industriewerten (17,9%), Luxuskonsumgütern (9,9%) und IT-Unternehmen (7.8%). Auch bei den Top-10-Werten ist der MSCI China A deutlich weniger kopflastig: Zusammen haben sie ein Gewicht von knapp 17%, neun davon sind allerdings Finanzwerte.

Die meisten ETFs folgen dem CSI 300 und dem MSCI China 

Kommen wir nun zu den Produkten am Markt. Die untere Tabelle zeigt die A-Shares ETFs am europäischen Markt, sortiert nach den Indizes, die diese Produkte abbilden. Innerhalb dieser Gruppierung haben wir nach verwaltetem Vermögen sortiert. Wir haben je drei Produkte auf den CSI 300 und MSCI China A und zwei auf den FTSE China A50 ausgemacht.

Die meisten ETFs am Markt sind jung und weisen keine langfristige Historie auf. Das älteste Produkt, der db x-trackers CSI300, wurde im Februar 2010 aufgelegt. Kein anderer ETF weist auch nur eine dreijährige Performance-Historie auf. Entsprechend mussten wir uns mit Zweijahres-Historien auf der Performance und Risikoseite begnügen. 

Doch auch die Zeiträume haben es in sich, wie die Performance der vergangenen 12 Monate und der maximale Verlust innerhalb der vergangenen zwei Jahre zeigen. Die beste Bilanz zeigten die Produkte auf den FTSE China 50, doch auch sie verloren seit Juni 2015 gut 33%. Die schwächste Bilanz zeigten die ETFs auf den MSCI China A mit Verlusten von über 42%. Wer allerdings seit zwei Jahren „dabei“ ist bzw. blieb, kann auf eine positive Performance von bis 32% zurückblicken. 

Tabelle: Rendite und Risiko der ETFs am Markt

Wie die Übersicht über das verwaltete Vermögen zeigt, sind China A-Shares ETFs heute weit von ihren Höchstständen von 2,13 Milliarden Euro im Dezember 2014 entfernt. Sie brachten es per Ende Mai insgesamt auf gerade einmal 621 Millionen Euro. Auch wenn die Mittelabflüsse seit einigen Monaten abgeebbt sind und in einigen Monaten dieses Jahres Zuflüsse zu verzeichnen waren, dürften sich angesichts der Talfahrt der vergangenen 12 Monate nur die mutigsten Anleger an dieses Segment heranwagen. 

Ungeachtet der hohen Risiken könnten sie belohnt werden: Aktuell befinden sich die Kurse nur unwesentlich über ihren Januar-Tiefs. Die Stimmung für Schwellenländer-Aktien sind mies, und kaum jemand traut der chinesischen Wirtschaft, der chinesischen Währung und erst recht nicht dem chinesischen Aktienmarkt noch etwas zu. Sehr risikobereite Investoren könnten sich in dieser Situation an die kaufmännische Regel erinnert fühlen, die bekanntlich auch in der Welt der Kapitalanlage gilt, und nach welcher der Gewinn im Einkauf liegt.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.