Im Juni gerieten vor allem Value-Aktien unter die Brexit-Räder

Unsere monatliche Auswertung nach Investment-Stilen zeigt nur für kleine europäische Wachstumswerte höhere Verluste als bei den drei Value-Feldern unserer Style Box.  

Nachdem im Mai noch eitel Sonnenschein geherrscht hatte, sorgte das Brexit-Referendum Ende Juni für hohe zwischenzeitliche Verluste am europäischen Aktienmarkt. Auch wenn unser Morningstar Marktbarometer durch die Bank Verlustzeichen in allen neun Feldern unserer Performance-Matrix zeigt, war das Minus im Bereich der europäischen Substanzwerte besonders ausgeprägt. Wieder einmal. Unser monatliches Format misst die Performance des Morningstar Europe Developed Market Index, der die entwickelten Märkte Europas abbildet, und zwar gemäss seiner Style- bzw. Size-Bestandteile. Die untere Style-Box illustriert die kurz- und langfristige Performance der neun Aktiensegmente.  

Grafik: Der europäische Aktienmarkt in der Morningstar Style Box-Ansicht

 

Am besten entwickelten sich im Juni mittelgrosse Unternehmen des Bereichs Blend mit einem Minus von durchschnittlich 1,7 Prozent, gefolgt von Standardwerten Growth, die 2,7 Prozent verloren. Grösser vielen die Abgaben bei Mid Cap Growth Aktien (minus 5,0 Prozent) aus. Heftig erwischte es den Bereich Small Cap Growth (minus 7,3 Prozent). Nicht weit entfernt waren Mid Cap Value Aktien mit einem Juni-Verlust von 7,2 Prozent. Small Cap Value Aktien büssten 6,6 Prozent ein. 

Die Style Box oben rechts zeigt die Performance nach Investment-Stil in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Auch hier sehen wir die vor allem in den drei Value-Feldern hohe Verluste. Wie schwer es Value-Investoren in den vergangenen Jahren hatten, geht aus der Style Box unten rechts hervor: Kumuliert lagen die Value-Felder mindestens 24 Prozentpunkte (Standardwerte) hinter ihren Growth-Pendants. Bei kleinen Werten belief sich der Renditeabstand sogar auf knapp 1.000 (sic!) Basispunkte. 

Blicken wir nun auf die Performance nach den Sektoren des Morningstar Europe Developed Market Index. Hier findet sich ein wichtiger Grund für das erneut schwache Abschneiden von Value-Aktien. Finanztitel brachen im Schnitt um 14 Prozent ein, vor allem britische und Euroland-Banken verloren kräftig, so etwa Lloyds Banking Group PLC (-30,9 Prozent), Banco Santander (-20,1 Prozent), Royal Bank of Scotland (-35.9 Prozent) oder Barclays PLC (-30,1 Prozent). 

Am anderen Ende der Skala standen Energietitel, die im Juni im Schnitt um 8,6 Prozent zulegten, angetrieben von den britischen Ölgiganten Royal Dutch Shell PLC und BP PLC, die um 14,3 bzw. 12,9 Prozent (in Euro) gewannen.

Mit Blick auf die Bewertungen waren per Ende Juni Energie-Titel mit einem Kurs-/Fair-Value-Verhältnis (K/FVV) von 1,5 am höchsten bewertet. Auch Rohstoff-Aktien notierten deutlich über der 1,0-K/FVV-Marke, die den fairen Wert eines Unternehmens gemäss unserer Aktienmethodologie signalisiert. Besonders günstig waren Finanztitel mit einem K/FVV von 0,77 zu haben. Technologie-, Gesundheits- und Versorger-Aktien waren dagegen fair bewertet und oszillierten um die K/FVV-Marke von 1,0. 

Tabelle: Performance und Bewertung europäischer Sektoren im Juni

Wenig überraschend kommt das Bewertungsbild entsprechend der Neun-Felder-Matrix. Hier weisen gross- und kleinkapitalisierte Standardwerte Value mit einem K/FVV von jeweils 0,96 die günstigsten Bewertungen auf. Standardwerte Growth sowie die Mid Cap-Segmente Value und Growth waren ebenfalls per Ende Juni leicht überbewertet, wie aus dem letzten Schaubild unten hervorgeht.

Grafik: Die Bewertung des europäischen Marktes per Ende Juni nach Stilen

Über den Autor

Fernando Luque und Ali Masarwah  Fernando Luque ist Chefredakteur Morningstar Spanien, Ali Masarwah ist Chefredakteur von Morningstar Deutschland, Österreich und Schweiz