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Ökofonds überzeugen nur in der “Skandalbilanz”

Im zweiten Teil unserer Serie zu Nachhaltigkeitsfonds blicken wir auf die Bilanz von Fonds der Kategorie „Aktien Ökologie“. Dass diese Fonds in der Nachhaltigkeitsbilanz gut abschneiden, klingt logisch, basiert indes nur auf einer Eigenschaft. Die Details.

Ronald van Genderen 21.07.2016

Im ersten Teil unserer Serie haben wir einen Überblick über die Nachhaltigkeitsfonds am europäischen Markt gegeben. Wir haben nachgesehen, in welchen Kategorien sich die Fonds befinden, wie ihre Nachhaltigkeits-Ratings ausfallen, wie das Rendite-Risiko-Profil aussieht, und welche Kosten Anleger für diese Fonds en Gros berappen müssen (lesen Sie hier mehr). Im zweiten Teil unserer lockeren Serie blicken wir nun auf Fonds der Kategorie "Aktien Ökologie". Sie investieren in Unternehmen, die Produkte herstellen oder Dienstleistungen anbieten, die darauf abzielen, die Umwelt zu schonen. Diese Fonds halten etwa Aktien von Herstellern alternativer Energien, Spezialisten für Wasseraufbereitung oder von Firmen, die sich auf Energieeffizienz spezialisiert haben.

Unsere Datenbank zeigt, dass Fonds dieser Kategorie im Schnitt 75 Prozent ihres Vermögens in Aktien investieren; 50 Prozent der Assets stecken in reinen Ökoaktien aus den oben erwähnten Bereichen. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Viele Ökofonds verfolgen heute einen Best-in-Class-Ansatz, was bedeutet, dass sich viele Unternehmen in ihren Portfolios finden, die man nicht unbedingt als „Öko“ einstufen würde.

In der Kategorie „Aktien Ökologie“ befinden sich derzeit 84 Fonds. ETFs gibt es keine. Von diesen 84 Fonds verfügen derzeit 59 über ein Morningstar Sustainability Rating; 25 halten kein Rating, da nicht hinreichend viele Unternehmen vom Klassifizierungssystem unseres Datenproviders Sustainalytics erfasst werden. Zur Erinnerung: Wir vergeben dann Nachhaltigkeits-Ratings für Fonds, wenn mehr als 50 Prozent des Fondsvermögens über ein Sustainalytics Rating verfügt (lesen Sie hier mehr zu unseren Sustainability Ratings).

Nachhaltigkeits-Bilanz von Ökofonds ist nicht umwerfend

Wie zu erwarten ist, schneiden Ökofonds in unseren Sustainability Ratings, gemessen am Portfolio Sustainability Score, gut ab. Im Schnitt liegt er 53,84 (per Ende Mai). Das ist besser als der Durchschnitt anderer Kategorien für globale Aktien. Fonds der Kategorie Aktien Global Standardwerte Value (die überwiegend über kein Nachhaltigkeitsmandat verfügen), bringen es auf einen Portfolio Sustainability Score von 50,86, globale Standardwerte Blend kommen auf einen Durchschnittswert von 50,87 und Fonds für globale Standardwerte Growth auf 49,74. Auch mit Blick auf den klassischen Standardwerte-Index MSCI World Index, die offizielle Benchmark, die wir für Ökofonds verwenden, ist weniger nachhaltig. Sie weist einen Portfolio Sustainability Score von durchschnittlich 49,37 auf.

Tabelle: ESG Bilanz von Ökofonds und anderen globalen Standardwerte-Kategorien

Doch worauf basieren die überdurchschnittlich guten Werte von Ökofonds? Da unser Sustainability Rating aus drei Teilbereichen besteht, können wir ablesen, in welchen der “ESG”-Feldern Fonds besonders gut abschneiden: im Umweltbereich, im sozialen und mit Blick auf Corporate Governance.

Die obere Tabelle zeigt, dass die Bilanz des Ökofonds-Sektors in allen drei Feldern wenig spektakulär ausfällt. Gegenüber konventionellen Benchmarks schneiden Ökofonds in der Umweltbilanz nur besser ab als Fonds für (überwiegend nichtintentional-ökologische) globale Wachstumswerte. Sie bringen es auf 56,74 in der Umweltbilanz gegenüber 55,72 Punkte bei Growth-Fonds. Die Werte der stilagnostischen (Blend) und Substanzwerte-Kategorien (Value) sowie der des MSCI World Index sind besser.

In der sozialen Bilanz kommen Ökofonds auf 54,91 Punkte. Fonds der oben erwähnten drei Morningstar Kategorien für globale Aktien liegen hier vorne, ebenso wie der MSCI Welt Index. Nur in der Governance-Bewertung schneiden Ökofonds besser als alle anderen Kategorien bzw. dem Index ab.

Des Rätsels Lösung: Ökofonds investieren in weniger skandalträchtige Unternehmen

Diese eher mittelmäßige Bilanz wird durch den ESG Score illustriert, der die drei ESG-Teilbereiche zusammenführt. Der ESG Score der Ökofonds fällt nur besser aus als der des MSCI World. Warum kommen Ökofonds in der vorletzten Rating-Stufe, also beim Portfolio Sustainability Score, dennoch auf einen deutlich besseren Schnitt als die drei Fondsgruppen und der Index?

Nun, das liegt am der so genannten “Skandalbilanz” von Unternehmen, die wir ebenfalls auf Portfolio-Ebene aggregieren und um deren Werte der ESG Score adjustiert wird. Unser Datenlieferant Sustainalytics hält Kontroversen und Skandale von Unternehmen nach. Zusätzlich zur ESG Bilanz wird die Skandalbilanz von rund 10.000 Unternehmen weltweit bewertet. Das aggregieren wir auf Portfolioebene. Ökofonds investieren also typischerweise in Unternehmen, die weniger unter ESG-relevanten Ereignissen oder Skandalen zu leiden haben. Das ist der wichtigste Treiber ihrer überdurchschnittlichen ESG-Bilanz, ausgedrückt im Portfolio Sustainability Score. Eine Durchsicht der Portfolio-Holdings der Fonds zeigt ein Übergewicht europäischer Firmen gegenüber deren Gewichtung im MSCI World – das ist stimmig, da europäischer Unternehmen im Schnitt eine überlegene Nachhaltigkeitsbilanz aufweisen als Unternehmen aus den USA und den Schwellenländern. Die Übergewichtung europäischer Unternehmen gegenüber US-Firmen mag der Performance in den vergangenen Jahren nicht gutgetan haben – aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten war dieses Vorgehen indes richtig.

Über den Autor Ronald van Genderen

Ronald van Genderen  Ronald van Genderen ist Fondsanalyst bei Morningstar an den Niederlanden.