18-Milliarden-Euro-Fonds von Nordea erhält „Bronze“ Rating

Nordea Stable Return Fund zeichnet sich durch einen disziplinierten, quantitativ getriebenen Prozess aus, der Investments breit streut. Der Fonds hat viel, was uns gefällt. Klarere Aussagen zur Kapazitätsgrenze wären angesichts des sehr hohen Vermögens allerdings im Interesse der Anleger.

Ali Masarwah 17.08.2016

Der ausgewogene Mischfonds Nordea Stable Return Fund hat im Erst-Rating die Note „Bronze“ erhalten. „Dieser Fonds weist etliche Eigenschaften auf, die uns gefallen“, schreibt Morningstar Fondsanalyst Thomas Lancereau in seiner Analyse zu dem Fonds. Seit Auflage im Mai 2005 wird dieses global investierende Produkt von Asbjorn Trolle Hansen, Claus Vorm und Kurt Kongsted verantwortet. Insgesamt besteht das Multi Asset Team von Nordea aus 40 Mitarbeitern. Im Vordergrund steht bei diesem Fonds die Risikokontrolle. Es geht also nicht um die Maximierung der Erträge, sondern um die Vermeidung von Verlusten. Wichtig zu beachten ist allerdings, dass der Zeithorizont hier bei drei Jahren liegt. Nordea vermeidet so also die Falle, in die bisher viele Anbieter so genannter „Absolute-Return“ Fonds getappt sind, die für jedes Kalenderjahr positive Erträge – freilich unverbindlich – als Ziel in den Vordergrund rücken. 

Performance gut, Risikokontrolle besser

Per 16. August erzielte der Fonds im laufenden Jahr ein Plus von 7,1 Prozent, gut 5,1 Prozentpunkte besser als der Durchschnitt der ausgewogenen Mischfonds mit globaler Ausrichtung und sogar 2,8 Punkte über dem Niveau der für Mischfonds sehr schwer zu übertreffenden 50:50 Aktien-Obligationen-Benchmark. In den vergangenen drei Jahren lag der Fonds freilich 2,1 Prozentpunkte p.a. hinter dieser Benchmark. Das ist das Ergebnis der konservativen Vorgehensweise des Managements: Das Beta gegenüber der Fonds-Benchmark lag bei 0,4, und das Morningstar Risiko war über alle gemessenen Zeiträume niedrig. (Unsere Risiko-Kennzahl legt den Fokus auf die Verluste eines Fonds und nicht auf seine Volatilität im Allgemeinen – jeder Anleger mag es, wenn der Fondspreis nach oben strebt!). 

Die Investmentpraxis sieht bei diesem Fonds so aus: Um starke direktionale Wetten zu vermeiden, diversifiziert das Team über verschiedene Investment-„Cluster“, wie etwa niedrig schwankende Aktien aus den Industrieländern, Staatsanleihen, Währungskörbe oder Emerging Markets Aktien. Diese verschiedenen Themenkörbe werden kombiniert und in der Regal auf monatlicher Basis optimiert. Dabei kommen auch die langfristigen Renditeerwartungen des Teams zum Tragen, die allerdings ergänzt werden um die Volatilitäten der Investment-Körbe und deren Korrelationen zueinander. Zusätzlich können auch taktische, tagesaktuelle Optimierungen vorgenommen werden, die allerdings nicht als taktisches Asset-Allocation Modell missverstanden werden sollten. In der Praxis ist die Umschlagquote des Portfolios gering. 

"Weltbilder" führen in der Praxis oft zu direktionalen Wetten

Der leitende Manager Hansen hatte uns gegenüber vor einigen Monaten seinen Ansatz gegenüber anderen Mischfonds wie folgt abgegrenzt: „Bei den allermeisten Asset-Allocation Modellen konzentrieren sich die Manager auf die breiten Aktien- und Obligationenmärkte und gehen dabei überwiegend direktionale Wetten ein, die ihrem Weltbild entsprechen und sich gegenseitig verstärken und somit nicht zur Diversifikation beitragen. Aber die Märkte, auf denen die meisten Fonds agieren, sind hocheffizient. Die meisten taktischen Modelle gehen durch binäre Entscheidungen ein sehr hohes Risiko ein. Flexibilität ist gut, aber es sollte meines Erachtens darum gehen, Ideen so zu generieren, dass das Portfolio im Ergebnis nicht hoch zu den klassischen Markt-Betas korreliert ist.“ 

Per Ende Juni lag die Aktienquote des Fonds bei 38%, was eher am unteren Ende der seit 2008 zu beobachtenden Spanne von 35 bis 50 Prozent liegt. (Der Aktienprozess ist identisch mit der bereits mit „Bronze“ bewerteten Global Stable Return Equity-Strategie.) Bemerkenswert ist allerdings, dass die Schwellenländer-Aktienquote 16% des Aktienanteils ausmacht, was relativ hoch ist im Vergleich zu Fonds der identischen Morningstar Kategorie. Die Bond-Seite wird heute als Risk-off-Tool verwendet und besteht in erster Linie aus „AAA“-Staatsanleihen und Pfandbriefen, wobei aufgrund der Renditeunterschiede US-Treasuries vor Bundesanleihen den Vorzug erhalten (das US-Dollar Exposure wird derzeit abgesichert). 

Bei Staatsobligationen werden Treasuries deutschen Bunds vorgezogen

Hansen hatte vor wenigen Monaten seine derzeitige Bond-Strategie so erläutert: „Deutsche Bunds und andere sichere Staatsanleihen waren in der Vergangenheit hervorragende Diversifizierer. Aber je höher der Bund Future nach oben tickt, desto dünner wird die Luft. Ich sehe nur noch sehr begrenztes Renditepotenzial für Bundesanleihen. Anleger, die heute ihre Aktienrisiken diversifizieren wollen, müssen mehr tun, als sich an historischen Korrelationen zu orientieren.“

Das bringt das Nordea-Management zu der für Mischfonds keinesfalls üblichen Schlussfolgerung: High Yields sind für Hansen und seine Kollegen keine Alternative zu Bunds oder Treasuries. „Deren Kurse werden ähnlich wie bei Aktien vom niedrigen Ölpreis und den sinkenden Unternehmensgewinnen unter Druck gesetzt“, so Hansen. Im Gegensatz dazu ist bei vielen Mischfonds zu beobachten, dass mit sinkenden Bond-Renditen immer stärker auf riskantere Unternehmensobligationen gesetzt wird, was das Rendite-Risiko-Profil vieler Fonds verändert. 

Wann wird der heute 18 Milliarden Euro schwere Fonds geschlossen?

Allerdings gibt es mit Blick auf den Nordea Stable Return Fund einen Wermutstropfen zu vermelden: Die nicht hinreichend klar kommunizierten Kapazitätsbeschränkungen. Da der langfristige und kurzfristige Erfolg des Fonds Anlegern und Beratern nicht verborgen geblieben ist, haben die Mittelzuflüsse inzwischen ein extremes Ausmaß angenommen:  In diesem Jahr sammelte der Fonds per Ende Juli europaweit 8,4 Milliarden Euro ein, in den vergangenen drei Jahren waren es insgesamt 15,5 Milliarden Euro netto. Per 16. August lag das Fondsvermögen bei etwas über 18 Milliarden Euro. „Auch wenn die hohen Zuflüsse die Fähigkeiten des Teams, Mehrwert zu schaffen, bisher nicht eingeschränkt haben, würden Anleger von klareren Aussagen zur Kapazitätsgrenze des Fonds profitieren“, so die vorsichtig formulierte Kritik meines Fondsanalysten-Kollegen Thomas Lancereau.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.