Morningstar Rating Analyse: Die besten Fondsstandorte in Europa

Je günstiger der Fonds, desto besser sind seine Performance-Aussichten. Dieser Leitsatz gilt auch für den Produktionsstandort. Die Niederlande und die skandinavischen Märkte weisen die beste Bilanz unter den Fondsdomizilen in Europa auf.

Ali Masarwah 25.08.2016

Wie gut das Land der Fondsauflage im europäischen Vergleich abschneidet, dürfte für die allermeisten Anleger kein Kriterium bei der Fondsauswahl sein. Doch unser Ranking der besten europäischen Fondsstandorte per Ende Juni 2016, gemessen am durchschnittlichen Morningstar Sterne Rating, könnte und sollte dies ändern. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Investment-Kultur eines Landes spielen offenbar eine grosse Rolle bei der Bestimmung der Qualität der Produkte. 

Niederländer haben die besten Fonds 

Niederländische Fonds zeigen auch per 30. Juni das höchste durchschnittliche Morningstar Sterne Rating unter den europäischen Auflagestandorten, gefolgt von dänischen, finnischen, belgischen und schwedischen Fonds. Auch Grossbritannien und die Schweiz finden sich im oberen Tabellendrittel. Das Sortierkriterium der unteren Tabelle ist das in der Spalte "Gleichgewichtetes Rating" abgebildete Morningstar Sterne Rating. 

Tabelle: Die besten Fondsstandorte in Europa aus Anlegersicht

Auch wenn eine weitergehende, differenziertere Ursachenforschung notwendig ist, um die genauen Gründe dafür zu ermitteln, warum Fonds, die in Deutschland, Österreich, Spanien oder Italien aufgelegt sind, beständig schwächer abschneiden als Fonds aus den nordischen Ländern, den Niederlanden, der Schweiz oder Grossbritannien, so fällt auf, dass die Fonds aus der zweiten Ländergruppe Kostenvorteile gegenüber erstgenannten aufweisen.  

Bei Fonds gilt das Motto: Gut ist billig 

Erst vor wenigen Wochen haben wir eine detaillierte Untersuchung zu den Kosten der europäischen Fondsstandorte vorgenommen. Das Ergebnis passt auf hervorragende Weise zu dem Ranking nach Produktqualität: Die Kosten von Fonds aus den Niederlanden, Schweiz, den skandinavischen Ländern und Grossbritannien sind unterdurchschnittlich tief bzw. sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken (lesen Sie hier mehr)

Seit 2013 wurden in Grossbritannien und den Niederlanden Vertriebsfolgeprovisionen (Kickbacks) verboten. In der Schweiz haben wiederum die Urteile des Bundesgerichts von 2006 und 2012 zu Kickbacks - verkürzt gesagt: sie gehören dem Anleger - bewirkt, dass Vermögensverwalter ihre Geschäftsmodelle auf Honorarbeartung umgestellt haben. Das hat eine signifikante Umschichtung in günstige Indexfonds bewirkt, die inzwischen rund 50 Prozent der in CH-Fonds investierten Gelder halten.

Das hat die Performance-Chancen von Produkten aus diesen Ländern verbessert. Auch für Europa gilt das Motto: günstige Fonds sind im Schnitt besser als teure Fonds! Im Schnitt verfügen niederländische Fonds über ein Rating von durchschnittlich 3,63 Sternen. Es folgen dänische Fonds mit 3,55 Sternen und Fonds aus Finland, Belgien und Schweden. Fonds aus Deutschland und Österreich bringen es dagegen nur auf durchschnittlich 2,92 bzw. 2,80 Morningstar Sterne.

Natürlich impliziert diese Entwicklung nicht, dass Anleger in Grossbritannien, den Niederlanden und der Schweiz wegen der gesunkenen Fondsgebühren auch niedrigere Gesamtkosten im Zuge ihres Investmentprozesses zu schultern haben. In diesen Ländern wird die Finanzberatung nach wie vor ihren Preis haben; dieser taucht im Zuge der Trennung von Produkt- und Vertriebskosten allerdings nicht mehr auf dem „Fondsdeckel“ auf.

Angesichts der Tatsache, dass aktiv verwaltete Fonds infolge schwacher Performance-Daten eine schlechten Presse haben und auch zunehmend unter Mittelabflüssen leiden, sollten die Fondsproduzenten eine „Entschlackung“ der Produktkosten fordern. Und auch die Fondsvertriebsstellen sollten eine Trennung von Vertriebs- und Produktkosten anstreben: Wer der eigenen Dienstleistung einen Wert gibt, verschafft ihr auch eine höhere Wertigkeit. Und überhaupt: Welcher Berater möchte im Ruf stehen, teure Rohrkrepierer zu verkaufen?

Hier gelangen Sie zur Vollversion unserer Rating Analyse in englischer Sprache.

 

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.