Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

ETF-Investoren fliegen im Juli auf Emerging Markets

Indexfonds-Branche erzielt Zuflüsse vor allem aufgrund der Nachfrage nach Obligationen- und Gold-ETFs. Europa-Aktien-ETFs werden dagegen stark verkauft. Der Morningstar ETF-Absatzbericht für den Monat Juli.

Ali Masarwah 16.08.2016

Während Aktienfonds unverändert die Absatzbilanz aktiv verwalteter Fonds in Europa belasten, bleiben Aktien-ETFs für die Branche der passiven Asset Manager eine Stütze. Wie aus unseren ETF-Absatzschätzungen für den Monat Juli hervorgeht, erfreuten sich börsennotierte passive Aktienfonds einer soliden Nachfrage, derweil ihre aktiv verwalteten Pendants unverändert im Tal der Tränen verharrten. Aktien-ETFs verbuchten Nettozuflüsse von 1,6 Milliarden Euro nach einem Plus von 1,2 Milliarden Euro im Juni. 

Der wesentlich Träger des ETF-Vertriebs in Europa waren jedoch Bond-ETFs, die Zuflüsse in Höhe von 4,6 Milliarde Euro verbuchten. Damit war der vergangene Monat der drittbeste für passive Bond-Produkte in Europa in den vergangenen drei Jahren. Rohwaren sammelten netto 2,7 Milliarden Euro ein. Geldmarkt-ETFs sahen dagegen leichte Abflüsse.   

Tabelle: ETF-Zuflüsse im Juli nach Asset-Klasse

 

Der Blick auf die Zuflüsse nach Fondskategorie offenbart ein ungewohntes Bild. Fünf der zehn Kategorien mit den höchsten Zuflüssen waren solche mit Schwerpunkt auf Emerging Markets oder Rohwaren. Die höchsten Zuflüsse erzielten Edelmetall-Produkte mit 1,66 Milliarden Euro. Damit setzte sich der seit einem Jahr zu beobachtende Run auf Gold-Indexprodukte weiter fort, deren Vermögen in den vergangenen 12 Monaten mittelflussbedingt um 35 Prozent zulegte. 

Stark nachgefragt waren auch global investierende Schwellenländer-Aktien-ETFs, die 1,3 Milliarden netto einsammelten, die damit im Juli die stärksten Zuflüsse in einem Monat in den vergangenen fünf Jahren verzeichneten. Das organische Wachstum dieser Kategorie lag in den vergangenen 12 Monaten bei knapp 45 Prozent. 

Das Ausmas der Nachfrage nach Schwellenländer-Investments wird auch beim Blick auf die organischen Wachstumsraten von Schwellenländer Bond-ETFs deutlich. Produkte, die in auf US-Dollar lautende Anleihen investieren, konnten durch Mittelzuflüsse ihr Vermögen in 12 Monaten um 58 Prozent steigern. Das Vermögen der EM-Bond-ETFs, die in lokal denominierte Papiere investieren, legte sogar um 72 Prozent zu. In Zeiten tiefster Zinsen drehen Anleger in Europa offenbar jeden Stein um auf der Suche nach Renditen! 

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Zuflüssen im Juli

 

Dagegen mussten vor allem europäische Aktien-ETFs im Juli Federn lassen. Die höchsten Abflüsse verbuchten ETFs für Standardwerte aus der Eurozone, die Abflüsse von 1,1 Milliarden Euro erlitten. Mit gebührendem Abstand folgten Europa-Standardwerte-ETFs mit Abflüssen von 740 Millionen Euro. Auch ETFs für deutsche, italienische, spanische und Schweizer Standardwerte wurden überwiegend verkauft. 

Dies markiert einerseits die Fortsetzung eines bereits seit Jahresanfang zu beobachtenden Trends. Andererseits dürfte das stärkere Tempo der Abflüsse Ausdruck des allgemeinen Pessimismus der Investoren für Europa nach dem überraschenden Brexit-Referendum in Grossbritannien Ende Juni sein. Dass Euro-Anleihen angesichts des extrem tiefen Zinsniveaus auch für risikoaverse Investoren keine Alternative sind, zeigen die Abflüsse aus ETFs für EUR-Staatsanleihen.

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Abflüssen im Juli

 

Auf Ebene der Anbieter konnte sich iShares erneut von der Konkurrenz absetzen. Der Marktführer sammelte 7,12 Milliarden Euro im Juli ein. Er profitierte dabei vor allem von seiner breiten Palette an Bond-ETFs. Dabei steuerten gut 1,6 Milliarden Euro Schwellenländer-Bond-ETFs von iShares an, 800 Millionen gingen seinen Schwellenländer-Aktien-ETFs zu. 

ETF Securities folgte auf Rang zwei der vertriebsstärksten Anbieter in Europa im Juli vor allem dank der hohen Nachfrage nach Rohwaren, in erster Linie nach Edelmetallen, aber auch nach breit streuenden Körben. 

State Street erreichte den dritten Platz aufgrund von Zuflüssen in Aktien- und Bond-ETFs, wobei sich die Nachfrage in erster Linie auf USA-Aktien-ETFs der Stilrichtungen Value und Blend konzentrierte. 

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Zuflüssen im Juli

 

Indes musste die Deutsche Bank Abflüsse von knapp einer Milliarde Euro aus ihrer ETF-Sparte hinnehmen. Verkauft wurden dabei vor allem Aktien-ETFs. Dies dürfte auf die starke Konzentration der Deutschen Bank auf europäische Aktien-ETFs zurückgehen, die im Juli (wie auch im bisherigen Jahresverlauf) überwiegend verkauft wurden. 

Dies war auch der Grund für die negative Vertriebsbilanz von Lyxor. Hier wurden vor allem Aktien-ETFs mit Fokus auf die Eurozone, Spanien, Frankreich und Europa verkauft wie auch Finanz-Aktien-ETFs. Bei HSBC, ein Anbieter, der sich ausschliesslich auf Aktien-Produkte konzentriert, wurden dagegen in erster Linie globale Aktien-ETFs verkauft. 

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Abflüssen im Juli

  

Ein letzter Blick auf die Absatzbilanz von Strategic Beta ETFs, die das Ziel haben, durch eine alternative Gewichtungslogik entweder ein besseres Risiko- oder ein besseres Renditeprofil als vergleichbare ETFs zu erreichen, die nach Markt- oder Schuldenkapitalisierung gewichtet sind. Im bisherigen Jahresverlauf wuchsen diese Produkte deutlich stärker als herkömmliche ETFs. Das überproportionale Wachstum hat sich auch im Juli fortgesetzt. Allerdings machten Rendite-orientierte Produkte, die bisher gegenüber den Risiko-orientierten Produkten das Nachsehen hatten, im Juli einen Sprung nach vorn. Sie verbuchten Zuflüsse von 1,1 Milliarden Euro, was vor allem auf die Nachfrage nach USA-Value-ETFs zurückging. 

Risiko-orientierte Produkten sammelten im Juli netto 920 Millionen Euro ein. Auffällig ist, dass im Juli erneut vor allem iShares vom Run auf Minimum Volatility ETFs profitierte. Der Marktführer sammelte hier gut 800 Millionen Euro ein. Dagegen musste die Natixis-Tochter Ossiam, die sich auf solche Produkte spezialisiert hat, im Juli gegen den Trend leichte Abflüsse aus ihren Minimum-Variance-ETFs hinnehmen. Dieser Trend ist bereits im gesamten laufenden Jahr zu beobachten. 

Tabelle: Strategic Beta ETFs wachsen auch im Juli

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.