Bank-Aktien verhelfen europäischem Value-Segment zum Rebound im August

Bereits zum zweiten Mal in Folge ziehen europäische Value-Aktien an Growth-Titeln vorbei. Erfolg verwöhnte Gesundheitsaktien verzeichnen indes kräftige Verluste. Einige Felder unserer Aktien-Style-Box signalisieren Überbewertungen. Das Morningstar Marktbarometer für den Monat August.

Fernando Luque 07.09.2016

Value-Aktien in Europa haben im August einen Sprung nach vorne gemacht und sich zum zweiten Mal in Folge vor Growth-Aktien geschoben. Vor allem Standardwerte, aber auch kleinstkapitalisierte Unternehmen aus dem Value-Bereich, konnten punkten. Wie aus unserem monatlich berechneten Morningstar Marktbarometer hervorgeht, legten kleinkapitalisierte Value-Unternehmen mit einem durchschnittlichen Plus von 2,6 Prozent am deutlichsten zu. Kein anderes Segment unserer Neun-Felder-Matrix legte stärker zu. Standardwerte Value folgten mit einem Kurszuwachs von durchschnittlich 2,5 Prozent. Aktien aus dem Bereich Mid Cap Blend gewannen im abgelaufenen Monat 2,4 Prozent hinzu. 

Large Cap Growth-Aktien traten dagegen mit einem minimalen Plus von 0,1 Prozent im August auf der Stelle. Besser lief es für die Bereiche Mid Cap und Small Cap Growth, die jeweils um 1,9 Prozent zulegten. Unser Marktbarometer bildet die Aktien im Morningstar Europe Developed Markets NR Index ab. 

Banken wie HSBC und ING treiben das Value-Segment

Der wichtigste Grund für die Outperformance von Value liegt in der Kurserholung einiger – wohlgemerkt: längst nicht aller! - Banken wie etwa HSBC Holdings PLC (Plus 14.4 Prozent), ING Groep NV (14,6 Prozent), Lloyds Banking Group PLC (12,2 Prozent), Barclays PLC (11,0 Prozent) und Banco Santander SA (6,0 Prozent). Indes mussten etliche prominente Growth-Aktien Federn lassen, vor allem aus dem Gesundheitssektor. Hier stachen Novo Nordisk, Sanofi und Novartis hervor. 

Die untere Grafik illustriert die Performance gemäss unserer Style Box im Detail. Das Feld oben links illustriert die Einmonats-Performance. Rechts oben zeigt sich, dass, ungeachtet der jüngsten Outperformance von Value, Wachstumsaktien in den ersten acht Monaten noch immer deutlich vorne liegen. Das gilt für alle drei Size-Bereiche. 2016 ist der Abstand zwischen Large Cap Growth und Large Cap Value mit einem Performance-Unterschied von 860 Basispunkten am höchsten, gefolgt von kleinstkapitalisierten Werten, bei denen Growth 760 Basispunkte vor Value liegt. Am besten haben sich noch Mid Cap Value Aktien geschlagen, die nach acht Monaten 2016 leicht im Plus sind – aber dennoch 3,7 Prozentpunkte hinter Mid Cap Growth Aktien liegen. 

Noch eklatanter ist der Abstand zwischen Value und Growth auf Sicht von einem und drei Jahren, wie die unteren Matrizen zeigen. Kumuliert lagen beispielsweise Small Cap Growth-Aktien seit September 2013 um sage und schreibe knapp 70 Prozentpunkte vor Small Cap Value Aktien. 

Graphik: Kurz- und mittelfristige Performance Bilanz Growth vs. Value

Kommen wir nun zur Bewertungsseite. Wer angesichts der grossen Performance-Unterschiede zwischen Growth und Value schlussfolgert, dass Value-Aktien per se billig seien, könnte enttäuscht sein. Unser Marktbarometer misst auch die Bewertung der Aktien in den jeweiligen neun Feldern unserer Matrix. Dabei verwenden wir unsere hauseigene Bewertungskennziffer Price/Fair Value (Kurs/Fair Value Verhältnis). Ein Wert von unter 1,0 signalisiert eine Unterbewertung, ein Wert grösser Null zeigt an, dass eine Aktie überbewertet ist, und der Wert 1,0 besagt, dass eine Aktie fair bewertet ist (lesen Sie hier mehr zu unserer Aktien-Research-Methodologie.

Wie die untere Grafik zeigt, sind die meisten Aktienfelder nicht weit von der Marke 1,0 entfernt. Nur Large Cap Growth Aktien sind mit einem durchschnittlichen Kurs/Fair Value Verhältnis von1,12 recht deutlich überbewertet. Das gilt mit Einschränkungen auch für Mid Cap Value Aktien. Nur zwei Segmente, Small Cap Value und Large Cap Blend, notieren einen Tick unter der 1,0-Marke. Gemessen am Size/Style Paradigma ist der europäische Markt überwiegend fair bewertet. 

Grafik: Die meisten europäischen Aktien notieren nahe ihres fairen Werts

 

Abschliessend ein Blick auf Performance und Bewertung nach Sektoren. Im August konnten Rohwaren-Aktien, Industriewerte und Telecoms am besten performen. Inzwischen sind insbesondere Commodity Aktien mit einem durchschnittlichen Kurs/Fair Value Verhältnis von 1,24 deutlich überbewertet - auch ein Ergebnis der substanziellen Erholung von durchschnittlich knapp 18 Prozent in diesem Jahr. Noch teurer sind nach der recht ordentlichen Erholung in diesem Jahr inzwischen Energie-Aktien mit einem Kurs/Fair Value Verhältnis von 1,41. 

Die schwächste Rendite lieferten im August Gesundheits-Aktien mit einem substanziellen Minus von 4,7 Prozent. Auch Versorger mussten abgeben. Allerdings bedeutet das nicht, dass diese beiden Branchen per se günstig sind. Das Kurs/Fair Value Verhältnis notiert bei 0,96 für Gesundheitsaktien und 0,99 für Versorger. 

Branchenseitig ist derzeit nur die Finanzbranche günstig bewertet. Sie weist ein Kurs/Fair Value Verhältnis von 0,82 auf. Wer sich nun versucht fühlt, rein bewertungsgeleitet zu engagieren, der sollte indes bedenken, dass es fundamentale Gründe für die günstigen Bewertungen von Banken und Versicherungen gibt. 

Tabelle: Übersicht über Performance und Bewertungen der europäischen Branchen

 

 

Über den Autor Fernando Luque

Fernando Luque  es el Senior Financial Editor de www.morningstar.es