Morningstar Leitfaden zu Strategic Beta ETFs: Analyse eines Wachstumsmarkts

Die dritte Untersuchung ihrer Art nimmt den globalen Markt für alternativ gewichtete Indexfonds unter die Lupe. Die USA dominieren den Markt, die Region Asien wächst am schnellsten und in Europa machen immer komplexere Strategien von sich reden.

Ali Masarwah 09.09.2016

Unser Marktüberblick zu Strategic Beta ETFs, die auch unter dem Begriff „Smart Beta“ bekannt sind, hat sich zu einem wichtigen Leitfaden für Investoren entwickelt. Vor zwei Jahren haben wir das Kompendium „A Global Guide to Strategic-Beta Exchange-Traded Products“ erstmals aufgelegt. Da immer mehr Anlegergelder in Produkte fliessen, die eine alternative Gewichtungslogik gegenüber ETFs auf kapitalisierungsgewichtete Indizes verfolgen, haben wir 2014 die Herausforderung angenommen und zunächst eine Definition dieser Produkte unternommen, um für Klarheit über Ziele, Eigenschaften und Reichweite dieser ETFs zu gewinnen.

Auf dieser ursprünglichen Taxonomie setzen die nachfolgenden Marktübersichten auf. 2015 haben wir in der zweiten Ausgabe verstärkt den Fokus auf die Entwicklung des Marktes und dabei vor allem auf die vielen Produktneuheiten gesetzt. Diesen Weg setzen wir mit einer Neuauflage der Studie fort, welche die Entwicklungen bis Ende Juni 2016 fortschreibt.

Neuauflagen drücken Durchschnittsvermögen in ETFs

Fangen wir zunächst mit der Zusammenfassung der globalen Trends an. Per Ende Juni 2016 befanden sich weltweit 1.123 Strategic Beta ETFs auf dem Markt. Das verwaltete Vermögen belief sich auf rund 550,5 Milliarden Dollar. Per Stichtag 30. Juni 2015 existierten 844 Produkte, auf die ein Vermögen von rund 497 Milliarden Dollar vereint war. Aufmerksame Beobachter werden natürlich merken, dass sich das durchschnittliche ETF-Vermögen damit seit Mitte 2015 gesunken ist. Das geht auf das rapide Tempo der Neuauflagen zurück.

Die USA bleiben das globale Schwergewicht auf dem Markt. Dort sind knapp 490 Milliarden Dollar in 608 Produkten investiert. Das entspricht knapp 90 Prozent des weltweiten Vermögens in Strategic Beta ETFs. Das verwundert nicht angesichts der Reife des US-Marktes, auf dem bereits im Jahr 2000 die ersten ETFs auf die Russell 1000 Growth- und Value-Indizes erschienen. Wie es für reife Märkte typisch ist, hat sich das Wachstum des Strategic Beta Marktes in den USA mit der Zeit abgeschwächt. Andere Regionen der Welt befinden sich dagegen noch in der Take-off-Phase.

Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, war das organische Wachstum dieser Produkte in den USA zwischen Juli 2015 und Juni 2016 mit einem Plus von 6,9 Prozent niedriger als in den anderen wichtigen Strategic Beta Märkten. (Die in Schwellenländern domizilierten Produkte verzeichneten Abflüsse, allerdings belauft sich das Vermögen dort nur auf 500 Millionen Dollar).  Die Zahl neuer ETFs stieg in der Region Asien-Pazifik gegenüber der vorherigen Periode am höchsten (plus 34 Prozent) wie auch das organische Wachstum (plus 59 Prozent). In Europa lag die organische Wachstumsrate bei Strategic Beta ETFs bei ebenfalls beachtlichen 27 Prozent.

Tabelle: Der globale Strategic Beta Markt in der Übersicht

 

Die oben erwähnten Zahlen deuten es bereits an: Strategic Beta Produkte wachsen schneller als der ETF-Gesamtmarkt, der wiederum deutlich stärker wächst als der gesamte Fondsmarkt. Wir erwarten, dass sich dieses Überdurchschnittliche Wachstum fortsetzen wird. Ein Anzeichen dafür ist das hohe Momentum der Neuauflagen sowie die Quellen des Wachstums. Stichwort Low Volatility bzw. Minimum Variance ETFs. Dieses relativ junge Segment besteht bereits aus 61 Produkten weltweit mit einem Vermögen von 47,5 Milliarden Dollar. In Zeiten volatiler Aktienmärkte sind derartige risikominimierende Strategien gefragt.

Auch das vermögensgewichtet dominierende Segment, das freilich langsamer wächst, dürfte künftig profitieren: Dividendenstrategien sind in Zeiten des nichtvorhandenen Zinses populär. Ungeachtet einer eher gemischten Erfolgsbilanz - man erinnere sich an den Absturz der Bankaktien während der Finanzkrise – werden diese Produkte offenbar von vielen Anlegern als eine Art Zinsersatz angesehen und auch angesteuert (wir haben von dieser arg vereinfachten Sicht bereits häufiger gewarnt).

Bank of Japan kauft gerne Qualität

Neben diesen globalen Trends gibt es einige lokale wachstumsfördernde Aspekte, die auch in anderen Währungsräumen in der heutigen Zeit denkbar wären. An erster Stelle ist hier der japanische Markt zu nennen. Im April 2014 wurde der JPX-Nikkei Index 400, der Aktien nach einer Reihe von Qualitätsmerkmalen herausfiltert, vom staatlichen Pensionsfonds als Universum für ein passives Aktienmandat aufgenommen. Der Ball wurde von der Bank of Japan (BoJ) aufgenommen, die im Zuge ihres Quantitative Easing Programms in ETFs auf diesen Index investierte. Im Dezember 2015 wurde das Volumen dieses Kaufprograms auf 300 Milliarden Yen jährlich aufgestockt. Es soll in heimische Firmen allokiert werden, die in physisches und Humankapital investieren. Entsprechend sind verstärkt Strategic Beta ETFs in Japan aufgelegt worden, die den Kriterien dieses Programms genügen.

Unabhängig von der im Raum stehenden Frage, ob bzw. welche Strategien ihrem Mandat gerecht werden und sich besser als ihre kapitalisierungsgewichteten Pendants entwickeln, gibt es für Anleger prinzipiell gute Nachrichten: Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt. Sie buhlen mit mehr oder weniger ähnlichen Produkten um die Gunst der Anleger. Das wird unweigerlich zu einem härteren Konditionenwettbewerb führen. Die Gebühren von Strategic Beta Produkten werden also sinken. Dafür gibt es klare Anzeichen in den USA, wo während des Untersuchungszeitraums die Gebührensenkungen signifikanter waren als Gebührensteigerungen (71 Produkte senkten ihre Gebühren um 3 Basispunkte im Median; 63 Strategic Beta ETFs erhöhten demgegenüber ihre Gebühren um einen Basispunkt).

Lesen Sie hier die Entwicklungen am europäischen Markt für Strategic Beta Produkte. Hier gelangen Sie zur Vollversion der englischsprachigen Untersuchung „A Global Guide to Strategic-Beta Exchange-Traded Products 2016

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.