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Strategic Beta in Europa: In der Komplexität liegt die Würze

Wachstum vor allem dank risikominimierender Produkte und Multi-Faktor ETFs. iShares und SPDR liegen vorn. Schatten von Vanguard macht sich auch bei Strategic Beta bemerkbar. Die grosse Morningstar Untersuchung zu Strategic Beta ETFs.

Ali Masarwah 09.09.2016

In der dritten Ausgabe unseres Leitfadens zu Strategic Beta ETFs nehmen wir sowohl die globalen Trends unter die Lupe als auch die lokalen Besonderheiten nach Anlageregion. Kommen wir nun zu den Entwicklungen der vergangenen zwölf Monate in Europa (per Ende Juni 2016). Gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2014/15  hat sich das Wachstum von Strategic Beta Strategien verstärkt. Legte der Anteil dieser Strategien am gesamten ETF-Markt zwischen Mitte 2014 und Mitte 2015 um gut zehn Prozent auf 6,3 Prozent zu, so wuchs der Anteil am Vermögen zwischen 2015 und 2016 um knapp 20 Prozent. Per Mitte dieses Jahres steckten 7,5 Prozent der ETF Assets in diesen alternativen Gewichtungsstrategien. Die untere Graphik zeigt, dass Strategic Beta ETFs damit die Folgen des Einbruchs während der Finanzkrise überwunden haben.

Grafik: Anteil von Strategic Beta ETFs am ETF-Gesamtvermögen in Europa

Innerhalb des Strategic Beta Markets hat es in den vergangenen zwei Jahren eine signifikante Verschiebung gegeben. Der Anteil von Dividendenstrategien an Strategic Beta ETFs ging von 61 Prozent Mitte 2014 auf 53 Prozent Mitte 2015 zurück. Ein Jahr später liegt die Quote „nur“ noch bei 43 Prozent. Grund hierfür ist zum einen der Aufstieg von Low Volatility/Minimum Variance Strategien, deren Marktanteil seit Mitte 2015 von 13 auf 19 Prozent gestiegen ist. Zum anderen werden Multi-Faktor ETFs immer beliebter. Ihr Anteil erhöhte sich von sieben auf 13 Prozent. Das ist angesichts der Komplexität dieser ETFs, die mehrere Rendite-Treiber in einem Produkt vereinen, bemerkenswert. Allerdings überlässt die ETF-Branche nichts dem Zufall. Dass das Gewicht der Multi-Faktor ETFs gestiegen ist, liegt auch an der hohen Zahl der Neuauflagen: von den 58 neuen Strategic Beta ETFs in den vergangenen 12 Monaten entfiel die Hälfte auf solche Strategien.

Möglicherweise könnten Multi-Faktor ETFs eine Zäsur für den ETF-Markt darstellen. Denn diese Produkte können nicht für sich beanspruchen, für Laien verständlich zu sein. Viele Privatinvestoren dürfte die Verkaufs-Story von Dividenden-ETFs, unabhängig vom ihrem tatsächlichen Erfolg, zumindest ansatzweise nachvollziehen. Das ist bei Produkten, die bis zu sechs verschiedene Rendite-Quellen vereinen, eindeutig nicht der Fall. Hier dürften die Adressaten vor allem Vermögensverwalter, Dachfondsmanager und andere institutionellen Investoren sein.

iShares dominiert auch den Strategic Beta Markt

Blicken wir nun auf die Anbieter von Strategic Beta ETFs. Wie nicht anders zu erwarten, steht iShares allein auf weiter Flur. Der ETF-Marktführer konnte seine Position im Strategic Beta Segment seit Mitte 2015 sogar noch weiter ausbauen, und zwar um sieben Punkte auf 44%. SPDR bleibt mit einem Marktanteil von 9,3 Prozent auf Rang zwei nach Vermögen; Wohl und Wehe hängen bei State Street allerdings an einem Produkt: Der SPDR S&P US Dividend Aristocrats ETF macht mit einem Vermögen von gut 2,5 Milliarden US-Dollar deutlich mehr als die Hälfte der Strategic Beta Assets der Amerikaner aus.

Nachdem Source im Vorjahr wegen hoher Abflüsse aus dem Source Man GLG Europe Plus ETF deutlich zurückgefallen war, konnte sich das von fünf Investmentbanken getragene Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten per 30. Juni dank hoher Zuflüsse in den Goldman Sachs Equity Factor Europe ETF, ein Multi-Faktor-Produkt, wieder auf Rang drei schieben.

Unter den neuen Anbietern am Markt findet sich seit jüngster Zeit der kanadische Anbieter BMO, der vier neue Produkte in Europa auf den Markt brachte, die Quality- und Dividenden-Screenings kombinieren. Auch das US-Haus Van Eck wagte mit einem Quality-ETF auf US-Aktien im vergangenen Jahr den Markteinstieg in Europa.

Auch auf das Smart Beta Segment senkt sich der Schatten von Vanguard

Die Auflage zahlreicher teurer Multi-Faktor ETFs hat den Trend hin zu günstigeren Gebühren bei den Strategieprodukten jüngst aufgehalten. Kapitalgewichtet stagnierten die laufenden Gebühren von Strategic Beta ETFs gegenüber dem Vorjahr bei 0,39 Prozent. Klassische ETFs kommen dagegen auf Gebühren von 0,32 Prozent pro Jahr. Unverändert war auch der ungewichtete Kostendurchschnitt, der bei 0,42 Prozent gegenüber 0,34 Prozent bei herkömmlichen ETFs verharrte.

Allerdings könnte dies nur eine Momentaufnahme darstellen: Vanguard ist mit neuen Faktor-basierten Produkten auf den Markt gekommen, die nur 0,22 Prozent jährlich kosten. Auch wenn diese Produkte als aktiv verwaltet deklariert werden und infolgedessen nicht in unserem Strategic Beta Universum vertreten sind, ist die Stossrichtung klar: Vanguard schickt sich an, auch im Markt der Faktor-ETFs über die Preisführerschaft den Platzhirschen Marktanteile abzujagen.

Hier gelangen Sie zur Vollversion der englischsprachigen Untersuchung „A Global Guide to Strategic-Beta Exchange-Traded Products 2016

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.