ETFs verzeichnen im August solide Zuflüsse

Aktien, Renten und Rohstoffe verbuchen Zuflüsse und bescheren der Branche den zweitbesten Monatsabsatz in diesem Jahr. iShares zieht erneut an der Konkurrenz vorbei. Bei Strategic Beta sind Dividendenstrategien gefragt. Der ETF-Absatzbericht für den Monat August.

Ali Masarwah 13.09.2016

Solide Mittelzuflüsse haben der europäischen ETF-Branche den zweitbesten Absatzmonat in diesem Jahr beschert. Wie auch im Vormonat verbuchten die grossen Asset-Klassen Aktien, Obligationen und Rohwaren solide Zuwächse, wobei sich der Vertrieb von Edelmetallfonds im August gegenüber dem sehr starken Juli deutlich abgeschwächt hat. Aktien-ETFs verzeichneten Nettozuflüsse in Höhe von 1,79 Milliarden Euro, Bond-ETFs sammelten netto 2,81 Milliarden Euro ein, und Rohstoffprodukten gingen 1,13 Milliarden Euro zu. Geldmarkt-ETFs sahen Abflüsse von 160 Millionen Euro.

Tabelle: ETF-Absatz in Europa nach Asset-Klasse

Wie auch im Vormonat standen Schwellenländer-Investments erneut im Fokus. Global investierende Schwellenländer-Aktien-ETFs waren die am stärksten nachgefragte Kategorie mit Zuflüssen von 1,29 Milliarden Euro. Gold-ETFs waren einem Plus von 1,18 Milliarden Euro zwar deutlich weniger nachgefragt als im Vormonat, belegten dennoch Platz zwei des Monats-Rankings. Aktien-ETFs auf US-Standardwerteindizes sahen Zuflüsse von 580 Millionen Euro. Erneut fanden sich sowohl Schwellenländer-Bond-ETFs für Hartwährungen (US-Dollar) wie auch solche für lokale Währungen unter den Top-Sellern auf Kategorie-Ebene.

Indes mussten etliche europäische Aktien- und Bond-Kategorien substanzielle Abflüsse hinnehmen. Die Absatzbewegung aus DAX-ETFs beschleunigte sich im August, sodass die Kategorie mit Abflüssen von 930 Millionen Euro die absatzschwächste des vergangenen Monats war. Indes verlangsamten sich die Abflüsse aus Eurozonen Standardwerte-ETFs, die dennoch mit Rückgaben von 460 Millionen Euro die zweischwächste Absatzbilanz hinnehmen mussten. US-Dollar Hochzinsprodukte sowie diversifizierte EUR Anleihen und EUR Staatsanleihen mussten ebenfalls im August Federn lassen. Merklich nachgelassen haben dagegen die Anteilsscheinrückgaben von Japan-ETFs, die sich auf 110 Millionen Euro beliefen.

Tabelle: Die Top- und Flop-Kategorien im August

Der absatzstärkste Anbieter war im vergangenen Monat iShares. Der Markführer sammelte netto 2,35 Milliarden Euro ein. Das war deutlich weniger als die 7,15 Milliarden Euro im Vormonat und ging auf die deutlich rückläufige Nachfrage nach Goldprodukten und Bond-ETFs zurück. Aktien-ETFs des Marktführers konnten wieder Zuflüsse verzeichnen, nachdem die iShares-Produkte im Vormonat Abflüsse verzeichnet hatten. Bemerkenswert ist, dass die risikominimierenden Strategic Beta ETFs von iShares im August erstmals in einem Monat in diesem Jahr Abflüsse von knapp 100 Millionen Euro hinnehmen mussten.

UBS ETF konnte mit hohen Zuflüssen in Aktien-ETFs punkten, die vor allem Schwellenländer-Produkte und – gegen den allgemeinen Trend – Euro-Aktien-ETFs ansteuerten. Auch Amundi konnte auf der Aktienseite vor allem mit Emerging Markets ETFs punkten.

Abflüsse mussten dagegen ETFs von db X-trackers hinnehmen. Die Nummer zwei in Europa wurde vor allem von Abflüssen aus DAX-ETFs belastet, aber auch USA-Aktien-ETFs auf den S&P 500 vermiesten der Deutschen Bank die Absatzbilanz im August, die sich auf ein Minus von 620 Millionen Euro belief. (Rohstoffprodukte von db-X ETC verbuchten Zuflüsse von 100 Millionen Euro und relativierten damit diese Abflüsse in die von uns separat erfassten ETFs der Deutschen Bank ein wenig.)

Tabelle: Tops und Flops auf Anbieterebene im August

Kommen wir zum Schluss zur Absatzbilanz von Strategic Beta ETFs. Mit Zuflüssen in Höhe von knapp 900 Millionen Euro kamen diese alternativ gewichteten Produkte erneut auf ein überdurchschnittliches Wachstum, auch wenn das Niveau deutlich niedriger war als in den vorherigen zwei Monaten. (Im Juli hatten Strategic Beta ETFs in Europa mit Zuflüssen von 2,16 Milliarden einen Rekordwert erzielt.) Inzwischen machen diese Strategien 7,8 Prozent des europäischen ETF-Markts aus. Ungeachtet des überdurchschnittlichen Wachstums von Risiko-minimierenden ETFs wird der Markt nach wie vor von Rendite-orientierten Strategic Beta Produkten geprägt, die 5,4 Prozent am ETF-Markt ausmachen gegenüber einem Anteil von 1,5 Prozent für die Risikominimierer.

Interessant ist, dass Risiko-minimierende Strategien zum ersten Mal seit Dezember 2015 Mittelabflüsse hinnehmen mussten, worunter vor allem der Marktführer iShares leiden musste. Demgegenüber sammelten Rendite-orientierte Produkte 770 Millionen Euro ein, vor allem dank der Nachfrage nach Dividenden-ETF und, in zweiter Linie, USA Value- und Growth ETFs.

Tabelle: Die Absatzbilanz von Strategic Beta ETFs im August

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.