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Licht und Schatten bei Schwellenländer-ETFs

Wir arbeiten uns in unserer neuen wöchentlichen Rubrik systematisch durch die wichtigsten Morningstar Kategorien, um die Qualität der Indexabbildung von ETFs zu ermitteln. Wer hat den niedrigsten Tracking Error und wer hält am besten mit seinem Index mit? Wir setzen die Serie fort mit global anlegenden Schwellenländer-Aktien-ETFs.

Ali Masarwah 30.09.2016

Die effiziente Abbildung des Index ist das A und O der passiven Kapitalanlage. Wer einen ETF oder einen nichtbörsennotierten Indexfonds erwirbt, hat sich vom Thema Alpha oder Outperformance verabschiedet. Es geht um die Abbildung eines Marktes, und zwar so effizient wie möglich. Nicht zuletzt deshalb purzeln seit Jahren die Preise – die ETF-Anbieter liefern sich seit 2012 einen regelrechten Preiskrieg. Das Ziel: Die Investoren sollen davon überzeugt werden, dass das eigene Produkt den geringsten Abstand zum Index aufweist. 

Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass eine systematische, regelmäßige Marktübersicht zur Genauigkeit des Trackings der ETFs am Markt fehlt. Wir wollen in die Lücke stoßen und haben in der vergangenen Woche eine Rubrik gestartet, in der wir die größten ETFs in den wichtigsten Fondskategorien auf zwei Kennzahlen abklopfen: auf den Tracking Error und die Tracking Difference. Kombiniert bieten diese beiden Kennzahlen eine gute Indikation, welcher Fondsmanager einen guten Job bei der Indexreplikation macht (hier gelangen Sie zur Umschau zu ETFs der Kategorie Aktien weltweit Standardwerte). 

Tracking Error versus Tracking Difference  

Zur Erinnerung: Während der Tracking Error die Standardabweichung der Fonds-Rendite relativ zur Indexrendite misst, sagt die Tracking Difference aus, wie stark die Abweichung der ETF-Rendite von der Indexrendite am Ende eines Betrachtungszeitraums ausfällt. Eine geringe Tracking Difference besagt, dass ein ETF eine gute relative Performance zum Index aufweist. In aller Regel ist die Tracking Difference negativ, denn ein ETF ist ein Fonds und Fondshäuser geben naturgemäß die Kosten für die Bewirtschaftung ihrer Produkte an den Anleger weiter, was die Rendite des Fonds zwangsläufig schmälert. In seltenen Fällen kann die Tracking Difference jedoch positiv sein. In dem Fall setzen die Fondshäuser Optimierungstechniken ein, wie etwa die Verleihung von Wertpapieren.

Zudem können die Replikationstechniken Abweichungen vom Index bewirken, etwa bei der optimierten Indexreplikation, auch Optimized Sampling oder auch Sampling genannt, einem statistischen Verfahren, der bei großen Indizes angewendet wird und bei dem der ETF eine repräsentative Auswahl an Wertpapieren hält. Das kann Abweichungen zum Index nach oben wie nach unten bewirken. 

Ist wirklich nur entscheidend, was hinten rauskommt? 

Zur Frage, welche Kennzahl die wichtigere aus Anlegersicht ist, ziehen wir uns auf die salomonische Antwort zurück: beide haben ihre Berechtigung. Während die Tracking Difference das Ergebnis am Zielpunkt abbildet, besagt der Tracking Error, wie groß die Abweichung des ETFs vom Index auf dem Weg zu diesem Ziel ist. Natürlich könnte man, frei nach dem Motto des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl, hervorheben, dass nur wichtig sei, was hinten rauskommt. Dann wäre die Tracking Difference wichtiger als der Tracking Error. 

Doch eine derartige Priorisierung enthielte einen logischen Fehler: Man kennt den Anlageerfolg im Vorhinein nicht. Anleger wissen zudem a priori nicht genau, wann der Endpunkt ihrer Anlage erreicht sein wird, den ja die Tracking Difference trennscharf markiert. Wer sich also heute über eine gute Tracking Difference seines ETFs freut, ist im Grunde nur im Nachhinein schlauer. Im Vorhinein kann ein Investor nicht wissen, dass der ETF, für den er sich entschieden hat, im Nachhinein ein Outperformer sein wird.

Hier kommt der Tracking Error ins Spiel. Ein ETF, der auf dem Weg zum Anlageziel des Investors einen geringen Abstand zum Index aufweist, gibt wichtige Hinweise, wie Treffgenau das Tracking ausfallen könnte. Allerdings basiert der Tracking Error auf Vergangenheitsdaten, und bekanntlich weiß keiner, was die Zukunft bringen wird. Was uns zum Fazit bringt: Investoren sollten ihre Hausaufgaben machen und beide Kennzahlen beachten; eine finale Sicherheit, damit den perfekten Index-Tracker zu finden, gibt es freilich auch dann nicht.

Zu empfehlen ist, dass Anleger vor allem auf die Kosten von ETFs achten. Kosten sind die einzige verbindliche Information zur künftigen Rendite eines ETFs, die zu Beginn des Anlageprozesses feststeht. Zu beachten ist dabei jedoch auch, dass die veröffentlichten Gesamtkostenquoten nicht das vollständige Bild zeigen. Sie sind in den Fondsinformationsblättern auf den ersten Blick zu sehen. Nicht so einfach zu finden sind die Handelskosten und die ggf. anfallenden Indexkosten, und die Swap-Kosten bei den so genannten Swap-ETFs werden nicht jedermann offengelegt. 

Emerging Markets ETFs im Fokus 

Doch kommen wir zu unserer Serie: Um den Einfluss kurzfristiger Ausreißer zu minimieren, werden wir uns bei unseren Betrachtungen den Tracking Error und die Tracking Difference über drei Jahre anschauen und uns dabei auf Wochendaten stützen. Vergleichsmaßstab ist der jeweils in den Fondsprospekten beschriebene Index. Wir arbeiten uns an den wichtigsten Morningstar Kategorien ab, gemessen am verwalteten Fondsvermögen in Europa. Dabei konzentrieren wir uns auf die größten Produkte am Markt, um möglichst vielen Anlegern Aufschluss über die Qualität „ihres“ ETFs zu geben.

Unsere Darstellung bietet zwei Blickwinkel: Welche Fonds leisten das beste Tracking, und wie sieht der Tracking Error und die Tracking Difference aus? Die Ergebnisse stellen wir tabellarisch dar. Neben den beiden zentralen Kennzahlen führen wir in der Tabelle die Wertpapierkennziffer ISIN, Fondsvermögen, die laufenden Gebühren, die ETF-Benchmark sowie die Replikationstechnik auf. 

Wir setzen unsere Reihe mit einer Übersicht über die 15 größten ETFs in der Morningstar Kategorie Aktien Schwellenländer Standardwerte fort. Nach globalen Aktienfonds, die den MSCI World abbilden, ist diese Aktienkategorie inzwischen die zweitwichtigste Wertpapierfondsgruppe in Europa. Sie weist das höchste Vermögen unter allen Morningstar Fondskategorien auf. 

In der Schwellenländer-Aktienkategorie ist der MSCI Emerging Markets Index, der die Performance von über 800 Aktien aus 23 Schwellenländern abbildet, die wichtigste Benchmark. China ist das Schwergewicht mit einem Anteil von knapp 24 Prozent. Insgesamt sind die Bric-Länder (China, Russland, Indien, China) mit rund 42 Prozent im Index gewichtet. Regionaler Schwerpunkt bildet Asien mit einem Anteil von rund 70 Prozent, wobei Märkte, die wir bei Morningstar als Industrieländer definieren, etwa Taiwan und Südkorea, in der MSCI Benchmark ein Gewicht von rund einem Viertel ausmachen. Die Dominanz des MSCI Emerging Markets macht sich auch in der unten aufgeführten Produktauswahl bemerkbar: Zehn der 15 größten ETFs folgen dem MSCI Emerging Markets. Der FTSE Emerging Markets ist indes nur einmal als Underlying vertreten. 

Strategic Beta ETFs machen sich bemerkbar - nicht immer positiv

Inzwischen drängen sich auch Strategic Beta ETFs im Vermögensgewichteten Ranking nach vorn. Die Dividenden-Indizes S&P EM Dividend Opportunities und Dow Jones Emerging Markets Select Dividend werden von zwei ETFs abgebildet. Allerdings haben diese beiden Produkte, die das Ziel haben, marktkapitalisierungsgewichtete Indizes renditeseitig zu übertreffen, Anlegern in den vergangenen drei Jahren keine gute Erfahrung bereitet: Sie lagen kumuliert jeweils über 20 Prozentpunkte hinter dem MSCI Emerging Markets. Eine hohe Rohstoff- und Energielastigkeit bzw. eine Übergewichtung russischer Aktien machten sich negativ bemerkbar.

Mit dem MSCI EM ex Controversial Weapons ist ein weiterer Index als Underlying in unserer ETF-Liste vertreten, der nicht dem „Mutter-Index“ folgt. Er schließt die Hersteller von geächteten Waffen (Landminen, C- und B-Waffen, Streubomben usw.). Der ETF von BNP Investment Partners, der diesen Index abbildet, ist also kein Strategic Beta ETF; er folgt auch den Regeln der Marktkapitalisierung und ist sogar in weiten Teilen identisch mit dem MSCI Emerging Markets. 

Tabelle: Das Tracking der größten global anlegenden Schwellenländer-Aktien-ETFs*

Die Liste der größten ETFs mit Schwerpunkt Aktien Schwellenländer Standardwerte zeigt eine recht große Dispersion bei den Ergebnissen – sowohl beim Tracking Error als auch bei der Tracking Difference. Beim Tracking Error reicht die Spanne von 0,26 Prozent bis 4,5 Prozent pro Jahr. Die kumulierte relative Rendite in den vergangenen drei Jahren schwankte zwischen minus 0,51 und minus 5,43 Prozentpunkten. Bei dieser ETF-Kategorie gilt es also, sehr genau hinzuschauen. 

Lyxor ETF mit dem niedrigsten Tracking Error

Der Lyxor MSCI Emerging Markets ETF zeigt den niedrigsten Tracking Error von 0,26 Prozent p.a., gefolgt vom Vanguard FTSE Emerging Markets ETF (0,29 Prozent) und dem UBS ETF MSCI Emerging Markets SF (0,31 Prozent). Die höchste Abweichung zum Index zeigt der BNPP Easy MSCI EM ex Controversial Weapons ETF mit 4,5 Prozent pro Jahr. Mit gebührendem Abstand folgen der SPDR® S&P Emerging Markets Dividend ETF (2,41 Prozent) und der Source MSCI Emerging Markets ETF (1,44 Prozent). Danach wird es eher unspektakulär: Die nachfolgenden Produkte weisen einen Tracking Error von unter einem Prozent pro Jahr auf, was für Indextracker die Regel ist.

Hinsichtlich der relativen Rendite schneidet der Vanguard FTSE Emerging Markets ETF mit minus 0,51 Punkten, die kumuliert über einen Zeitraum von drei Jahren anfielen, am besten ab. Wie oben aufgeführt, weist er zugleich den zweitniedrigsten Tracking Error auf. Das kommt nicht von ungefähr – mit Kosten von 0,25 Prozent pro Jahr zählt er zu den günstigsten Produkten am Markt.

Der SPDR MSCI Emerging Markets landet hinsichtlich der relativen Performance mit minus 0,96 Prozentpunkten auf dem zweiten Platz, gefolgt vom Amundi ETF MSCI Emerging Markets (minus 1,27 Punkte) und dem Strategic Beta ETF von iShares auf den DJ EM Select Dividend Index (minus 1,34 Punkte).

Der oben angesprochene Zusammenhang zwischen Kosten und relativer Performance ist auf den ersten Blick nicht überall so evident wie beim Vanguard ETF. Zwar schneidet der günstigste ETF der Auswahl, der Amundi ETF MSCI Emerging Markets, gut ab. Und dass der teuerste ETF, der Ossiam EM Minimum Variance ETF, die schlechteste relative Rendite aufweist, erscheint ebenfalls folgerichtig.

Faustregeln sind keine eisernen Gesetze

Doch die Faustregel „günstiges Produkt, gutes Tracking“ lässt sich in diesem Beispiel nicht überall nachvollziehen. Etwa nicht beim BNPP Easy MSCI EM ex Controversial Weapons ETF, der zu den günstigsten Produkten zählt und dennoch eine relativ hohe Underperformance von 4,54 Punkten (kumuliert) nach drei Jahren aufweist. Auch der Source MSCI Emerging Markets ETF und der UBS ETF MSCI Emerging Markets SF sind günstig, schneiden jedoch vergleichsweise schwach ab.

Das zeigt, dass die Kosten zwar ein sehr wichtiger Prognosefaktor darstellen, sie aber insgesamt nur ein Aspekt sind, die über die Güte des Trackings entscheiden. Bei Swap-ETFs können die Swap-Spreads die Performance negativ beeinträchtigen. Bei physisch replizierenden ETFs können Transaktions- und Rebalancing-Kosten ins Kontor schlagen.

Insgesamt bestätigt die Performance der Produkte unserer Auswahl im betrachteten Zeitraum nicht die These, wonach Swap-ETFs beim Tracking Vorteile gegenüber physisch replizierenden Produkten hätten. ETFs, die ihren Index physisch abbilden, wiesen in unserem Fall im Schnitt zwischen 2013 und 2016 eine geringere Differenz zu ihren Indizes aus.

Allerdings finden wir hier in keinem Fall lupenreine physisch replizierende ETFs. Die Größe bzw. Komplexität des MSCI Emerging Market Index, der auch weniger liquide Nebenwerte umfasst, bringt es mit sich, dass physisch replizierende ETFs sämtlich das Sampling-Verfahren anwenden. Sie kaufen also eine repräsentative Auswahl der Aktien im Index und nicht alle im Index enthaltenen Titel. Dieses statistische Verfahren bringt in der Regel eine effizientere Replikation und eine Reduzierung des Tracking Errors mit sich. Es könnte sich hier also um einen klassischen Zirkelschluss handeln: Weil die volle Replikation Nachteile hat, findet sich in unserer Auswahl erst kein ETF, der den MSCI Emerging Markets vollumfänglich repliziert. Freilich deutet die klare Präferenz vieler Anleger für physisch replizierende Produkte an, dass es sich bei Swap-ETFs um ein Auslaufmodell handeln könnte - Vorteile bei der Replikation hin oder her.

*Hinweis: Wir haben drei ETFs nicht berücksichtigt, obwohl sie das erforderliche Alter von mindestens drei Jahren aufweisen. Zu den Indizes MSCI EM IMI, MSCI EM Minimum Volatility und dem MSCI Daily EM liegen uns keine Daten vor, die zur Kalkulation des Tracking Errors und der Tracking Difference nötig wären. 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.