Amazon: Umsatzprognose solide – Margensteigerung eher ungewiss

Umsatz dürfte im vierten Quartal zuverlässig zulegen, Steigerung der Margen dagegen unsicher. Fair-Value-Schätzung vorerst unverändert.

Bei Amazon stehen derzeit zwei Fragen auf der Agenda: die Prognosesicherheit hinsichtlich des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts und auf die Frage, ob die diversen Schritte, welche die Margen steigern sollen, ausreichen werden, um die ehrgeizigen Investitionen zu kompensieren. Unserer Einschätzung nach können Anleger in Bezug auf den ersten Punkt durchaus optimistisch sein. Der Umsatz dürfte im vierten Quartal um 17% bis 27% zulegen. Zudem dürfte der Netzwerkeffekt, auf dem unsere Einstufung eines breiten Wettbewerbsvorsprungs beruht, intakt sein.

Weniger Klarheit herrscht indes beim zweiten Fokusbereich: Investitionen in die Eröffnung von 18 Fulfillment Centers im Berichtsquartal (und von fünf weiteren im Oktober) sowie in digitale Inhalte, in Alexa/Echo, in Indien und in AWS wirkten sich erheblich auf den operativen Gewinn aus. Dieser blieb mit 575 Mio. USD – nur 1,8% des Umsatzes – hinter den Konsensschätzungen von 670 Mio. USD zurück.Gleichzeitig nannte die Unternehmensleitung unerwartet schwache Vorgaben für das vierte Quartal (0-1,25 Mrd. USD verglichen mit der Marktprognose von 1,7 Mrd. USD).

Diese Investitionen dürften den Bedenken über Amazons längerfristiges Cashflow-Potenzial wieder neue Nahrung geben. Wir sind der Auffassung, dass diese Investitionen das Ökosystem von Amazon stärken und die Grundlage für eine zukünftige Margensteigerung schaffen. In dieser Weihnachtssaison nutzen äußerst viele Einzelhändler und Verbraucher FBA. Daher waren die Investitionen in die Fulfillment Centers (sowie Veränderungen bei Preissetzung/Lagerhaltung, mit denen die Engpässe der letzten Weihnachtssaison minimiert werden sollten) unseres Erachtens nötig. Wir gehen davon aus, dass Amazon den Ausblick für das operative Ergebnis im vierten Quartal übertreffen wird.

 Wir werden unsere Schätzung zur operativen Marge für 2016 von 4% auf 3% senken, halten aber an unserer Fünfjahresprognose einer Marge von 7% fest. Dabei stützen wir uns auf die operativen Margenzuwächse bei AWS (Plus von 610 Basispunkten auf 26,6% im Berichtsquartal), die Nachfrage nach FBA sowie auf neue Prime-Mitgliedschaften und Preisstaffelungen. Aufgrund neuer Möglichkeiten durch beispielsweise Alexa erhöht sich unsere mittelfristige Umsatzschätzung geringfügig, daher planen wir keine Änderungen an unserer Fair-Value-Schätzung von 900 USD. Unserer Einschätzung nach könnte der aktuelle Kursrückgang einen opportunistischen Einstiegspunkt darstellen.

Die Aktie von Amazon notierte am vergangenen Freitagabend an der Nasdaq bei 740,34 US-Dollar und somit deutlich unter unserer Fair-Value-Schätzung.

Wichtige Hinweise: Analysten von Morningstar müssen sich in ihrem Verhalten an den Ethikkodex, die Richtlinie für Wertpapierhandel und Offenlegung und die Richtlinie zur Integrität von Investment-Research von Morningstar halten. Nähere Informationen zu Interessenskonflikten erhalten Sie hier.

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