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Im November purzeln am europäischen ETF-Markt die Rekorde

Höchste jemals gemessene Zuflüsse in europäische Aktien-ETFs im Zuge der Post-Trumpschen „neuen Wachstumsphantasie“, Ausverkauf bei Bond-ETFs und Edelmetallprodukten. Der Morningstar ETF-Absatzbericht für Europa.

Ali Masarwah 12.12.2016

Die im Zuge der Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten entfachte Wachstumsphantasie hat auch europäische ETF-Anleger mitgerissen. Wie unsere Absatzschätzungen für den ETF-Markt in Europa für den Monat November zeigen, haben Anleger Rekordsummen in europäisch-domizilierte Aktien-ETFs investiert. Mit Zuflüssen von 8,36 Milliarden Euro wurde ein Rekordwert erreicht – in keinem anderem Monat wurden so hohe Käufe verzeichnet, seitdem wir im Jahr 2008 mit der Erfassung von Mittelbewegungen in ETFs begonnen haben. Diese Flows entsprechen einer monatlichen organischen Wachstumsrate von 2,6 Prozent, was bei einem Vermögen von 339 Milliarden Euro in Aktien-ETFs eine signifikant hohe monatliche Steigerung darstellt. 

Wie die untere Tabelle zeigt, mussten dagegen Renten-ETFs hohe Abflüsse von 3,83 Milliarden Euro verkraften. Auch das ist ein Rekordwert, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Die Abflüsse im November entsprechen einem Verlust von 2,9 Prozent des zu Monatsanfang gemessenen Vermögens in Bond-ETFs. Die Abflüsse aus Rohstoffprodukten resultieren aus dem Abverkauf von Edelmetallprodukten, die mit Blick auf die optimistischeren Perspektiven vieler Anleger für das Wachstum in den USA nicht länger gefragt waren. Zuletzt hatten Anleger im Juli 2015 so hohe Mittel aus Gold-Indexprodukten abgezogen. 

Tabelle: Mittelflüsse in Indexprodukte nach Asset Klassen

 

Die Mittelflüsse auf Ebene der Fondskategorien spiegeln den Stimmungsumschwung an den Märkten deutlich wider. Mit Zuflüssen von 2,02 Milliarden Euro waren ETFs für USA-Standardwerte (und hier vor allem ETFs auf den S&P 500) am stärksten nachgefragt. In den Monaten zuvor hatte diese Kategorie überwiegend Abflüsse hinnehmen müssen. Auch global anlegende Aktien-ETFs, hier vor allem MSCI World-Tracker, sahen Zuflüsse von 1,73 Milliarden Euro. Besonders signifikant war jedoch der Stimmungsumschwung bei ETFs für Eurozonen-Standardwerte, der unbeliebtesten Fondskategorie in diesem Jahr, denen im November 1,03 Milliarden Euro netto zugingen. Nach wie vor ist die Absatzbilanz von Eurozonen-Aktien-ETFs mit minus 5,7 Milliarden Euro allerdings für das laufende Jahr tiefrot.

Höchst signifikant waren die November-Wachstumsraten für Aktien-ETFs auf die Branchen Gesundheit und Biotechnologie in Höhe von 26 Prozent bzw. 181 Prozent (sic), auch wenn die absolute Höhe der Zuflüsse mit einem Absatzplus von 480 Millionen bzw. 310 Millionen Euro auf den ersten Blick nicht so spektakulär erscheinen mögen. Im laufenden Jahr belief sich die Flow-bedingte Steigerungsrate bei Biotech-Fonds sogar auf über 680 Prozent!

Auch ETFs für Japan-Aktien, die im Zuge des steigenden Yen in diesem Jahr hohe Abflüsse verzeichnet hatten, waren, dieses Mal im Zuge einer massiven Yen-Abwertung gegenüber dem US-Dollar und der damit verbundenen Hoffnung für die japanische Exportwirtschaft, stark nachgefragt. 

Zu den wenigen gefragten Bond-Kategorien, die allerdings nicht in der Top-10-Tabelle repräsentiert sind, zählten im November ETFs für EUR-Unternehmensanleihen Kurzläufer sowie ETFs für inflationsgeschützte US-Dollar-Anleihen, die Zuflüsse von 240 Millionen bzw. 160 Millionen Euro verbuchten.

Tabelle: Die Kategorien mit den höchsten Mittelbewegungen im November

Dass ETF-Investoren keinesfalls nur euphorisch auf die Wahl Trumps reagierten, wird deutlich, wenn man sich die Verlierer des vergangenen Monats vor Augen führt: Schwellenländer-Investments. Spiegelbildlich zur sehr hohen Nachfrage über weiten Strecken in diesem Jahr brach der Absatz von Emerging Markets Investments im November regelrecht ein. Die Angst vor einer protektionistischen US-Politik, Handelsrestriktionen, einer US-Zinswende und einem erstarkendem US-Dollar trieben Investoren in Scharen aus Schwellenländer-ETFs. Mit Rekord-Abflüssen von 1,08 Milliarden Euro verloren Schwellenländer Bond-ETFs für lokale Währungen im November satte 15,7 Prozent des zu Monatsanfang gemessenem Vermögens. Es folgten Schwellenländer-Aktien mit einem Abgang von 850 Millionen Euro. ETFs für US-Staatsanleihen verloren 820 Millionen oder 13,8 Prozent ihrer Assets in einem Monat. Emerging Markets ETFs für Hartwährungsanleihen erlitten Abflüsse in Höhe von 790 Millionen Euro. 

Steigende Renditen bewirkten ebenfalls einen Abverkauf bei Staatsanleihen und Investment-Grade Bond Kategorien. Auf der Verliererseite finden wir hier etliche EUR-Kategorien, aber auch GBP Anleihen. Auch ETFs für Dollar-Hochzinsanleihen mussten Abflüsse hinnehmen.

Im November profitierten Anbieter ohne Präsenz am ETF-Bond-Markt 

Die Mittelflüsse nach Anbieter offenbaren ein ungewohntes Bild: iShares war im November nicht unter den Top-Asset-Sammlern vertreten. Weil der Gesamtmarktführer auch Marktführer bei Bond-ETFs ist und diese hohe Abflüsse erlitten, hat iShares den abgelaufenen Monat „nur“ mit einer schwarzen Absatznull abgeschlossen. Im abgelaufenen Monat profitierten folgerichtig vor allem die ETF-Anbieter, die wenig auf der Rentenseite zu bieten haben. 

Im November schob sich BNP Paribas an die Spitze der europäischen ETFs-Anbieter. Mit Zuflüssen von gut 1,4 Milliarden Euro reüssierten die Franzosen – interessanterweise standen dabei nur vier Aktienprodukte im Fokus der Anleger: ETFs auf den Euro Stoxx 50, S&P 500 und den CAC 40 sowie auf einen Low-Volatility ETF für Eurozonen-Aktien. Der angekündigte Vertriebs-Neustart des französischen Index-Anbieters, der seit Sommer 2016 von Isabelle Bourcier (ehemals Ossiam) geleitet wird, schlug sich im November somit erstmals in den Absatzzahlen nieder. 

Wenig überraschend kommt der Umstand, dass Vanguard auf Platz zwei landete: Die Amerikaner sind auf der Fixed Income Seite in Europa faktisch nicht vertreten, sodass die (im Branchenvergleich überdurchschnittliche hohen) Zuflüsse in Aktien-ETFs 1:1 in der Gesamtbilanz des vergangenen Monats niederschlug. Source konnte die Abflüsse aus Edelmetall-Produkten durch die Zuflüsse u.a. in USA- und Biotech-ETFs mehr als nur ausgleichen. Lyxor gelang es, die Abflüsse aus Schwellenländer-Produkten durch hohe Zuflüsse in andere Aktienprodukte zu kompensieren.

Auf der Verliererseite finden wir indes den ETF-Anbieter der Commerzbank. ComStage übernahm die rote Laterne vor allem wegen sehr hoher Abflüsse aus dem ComStage MSCI USA ETF in Höhe von gut 500 Millionen Euro, die gegen den allgemeinen Markttrend erfolgten. Deutsche Bank ETFs und Deutsche Bank ETCs, die sich in unserer Statistik in zwei separaten Entitäten wiederfinden, lagen wegen hoher Abflüsse aus EUR-Staatsanleihe ETFs, Hebelprodukten und Emerging Markets ETFs sowie aus Edelmetall ETCs weit hinten. Gegen den Trend verlor auch HSBC, obwohl das britische Haus nur im Aktien-ETF Geschäft vertreten ist. Wie ComStage musste auch HSBC relativ hohe Abflüsse aus USA-Aktien-ETFs hinnehmen.

Tabelle: Die November Gewinner und Verlierer 

Kommen wir zum Abschluss zur Absatzbilanz von Strategic Beta ETFs. Hier zeichnete sich in den vergangenen Monaten ein Trendwechsel an. Risiko-orientierte Produkte, also ETFs, die das Ziel haben, das Risiko gegenüber Standard-Benchmarks zu minimieren, mussten im Oktober und November Abflüsse hinnehmen, nachdem sie zuvor über weite Strecken dieses Jahres gegenüber Rendite-orientierten ETFs im Vorteil waren. Sie verloren netto im Oktober 510 Millionen Euro und 18 Millionen Euro im November. Dies dürfte vor allem auf die inzwischen hohen Bewertungen der Underlyings sowie der typischerweise hohen Zinssensitivität von Low-volatility-Portfolios zurückgehen. Beide Faktoren können als Begründung der Abflüsse im laufenden vierten Quartal herhalten.

Indes konnten Rendite-orientierte Produkte auch im November Zuflüsse verbuchen. Interessanterweise gingen dabei nicht nur Dividenden-ETFs, die das Gros des Vermögens in Rendite-orientierten Produkten ausmachen, Zuflüsse zu, sondern auch Value-ETFs: Dies geht Hand in Hand mit der Outperformance von Value-Aktien gegenüber Wachstums-Aktien in den vergangenen Monaten. 

Tabelle: Strategic Beta ETFs: Risiko-orientierte Produkte im Rückwärtsgang?

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.