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Aberdeen und Standard Life: Auf den ersten Blick komplementär

Zwei schottische Asset Manager wollen zusammengehen. Unsere Einschätzung zu beiden Gesellschaften ändert sich vorerst nicht.

Ali Masarwah 06.03.2017

Standard Life Investments (SLI) und Aberdeen Asset Management haben über das Wochenende bestätigt, dass sich die Verhandlungen über ein Zusammengehen der beiden schottischen Asset Manager in einem fortgeschrittenen Stadium befinden. Mit einem verwalteten Vermögen von über 660 Milliarden GBP entstünde aus der Fusion der grösste Vermögensverwalter der britischen Insel. Ginge der Deal über die Bühne, dann hielte Standard Life zweidrittel der Anteile der neuen Gruppe. Die beiden CEOs, Keith Skeoch (SLI) und Martin Gilbert (Aberdeen), sollen als Duo die Gruppe leiten, wobei Rod Paris von Standard Life die Rolle des Anlagechefs (CIO) übernehmen wird und Bill Rattrey von Aberdeen zum CFO ernannt werden soll.  

Aberdeen, ein mittelgrosser Asset Manager, der am Freitagabend mit 3,8 Milliarden GBP an der Börse bewertet wurde, gilt bereits seit geraumer Zeit als Übernahmekandidat, machte jedoch auch als potentieller Akquisiteur von Pioneer Investments von sich reden. Ende 2016 warfen die Schotten jedoch wegen des Preisschilds von 3,5 Milliarden Euro das Handtuch. Diese Summe, so Aberdeen-Chef Gilbert seinerzeit gemäß Medienberichten, hätte die Finanzen Aberdeens zu stark strapaziert.

Bereits seit Jahren bemüht sich Aberdeen, sein Emerging Markets-lastiges Geschäft durch Übernahmen zu diversifizieren, wobei die Grössenordnungen vergleichsweise bescheiden blieben. 2014 zahlte Aberdeen der Lloyds Banking Group 650 Millionen GBP für Scottisch Widows Investment Partnership; zuletzt wurden FLAG Capital Management und Arden Asset Management übernommen. Doch das änderte nichts an der Grundsituation: Unter dem Strich litt Aberdeen nicht nur unter hohen Abflüssen, sondern auch unter prominenten Abgängen, wie etwa dem Abschied von Anlagechefin (CIO) Anne Richards, die 2016 zu M&G wechselte. Das alles setzte dem Aktienkurs zu: Seit Jahren befindet sich die Aberdeen-Aktie an der Börse im Sinkflug. 

Beide Gesellschaften leiden derzeit unter Problemen in ihrem Kerngeschäft, wobei die Probleme bei Aberdeen akuter sind als bei Standard Life. Die langjährige Stärke Aberdeens, die Konzentration auf Schwellenländer-Aktienfonds bzw. -mandate, hat sich zur Schwäche gewandelt. Die Performance schwächelt seit geraumer Zeit, und in den vergangenen drei Jahren beliefen sich die Mittelabflüsse aus Aberdeen-Fonds (ex Geldmarkt) auf 29 Milliarden Euro. Die Asset-Basis bei Publikumsfonds ging seit dem Höchststand von 65,6 Milliarden Euro Ende März 2013 auf 51,7 Milliarden Euro per Ende Januar 2017 zurück. 

Bei Standard Life standen in den vergangenen drei Jahren Zuflüsse von insgesamt knapp zehn Milliarden Euro auf der Habenseite, allerdings flossen in den vergangenen zwölf Monaten gut acht Milliarden Euro aus SLI-Publikumsfonds ab, vor allem aus Absolute Return Strategien, deren Performance 2016 schwächelte. Das Vermögen ging vom Höchststand von 98,9 Milliarden Euro per Ende November 2015 auf 81,5 Milliarden Euro per Ende Januar 2017 zurück. 

Angesichts der Tatsache, dass die Folgen der erwarteten Fusion nicht abzusehen sind, sollten Investoren keine voreiligen Schritte unternehmen, zumal die Kerngeschäftsfelder der beiden Asset Manager recht komplementär sind und somit keinesfalls klar ist, dass ein Kahlschlag in den Produktpaletten bevorsteht. Bis zur Klärung der Details des Mergers bleiben unsere Einschätzungen zu beiden Asset Management Häusern wie sie sind: Standard Life hält ein „Positive“-Parent-Rating, Aberdeen steht indes auf „Neutral“.

Eine Liste der Fonds mit Morningstar Analyst Ratings finden Sie hier.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.